40 Jahre Bisonhof und 20 Jahre Bisonstube auf Bodanrück Bodensee
29. Mai 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, KONSTANZ, MUSIK, NATUR, TOURISMUSDie drei Biehler- Brüder holten Prärie- Kolosse aus Schweizer und holländischen Zoos an den Bodensee –
Gastronom Schmalenberger lässt es beim Büffelrock mit „JA/CK – AC/DC Coverband“ fetzen
LIGGERINGEN / KONSTANZ. fsf / Raus aus dem Alltagsstress hieß es vor 40 Jahren für die Kons- tanzer Biehler- Brüder Christoph, Martin und Hans Georg von Beruf Zimmermann, Architekt und Res- taurator. Die Entscheidung war Natur und Tiere aus der Land- wirtschaft. Es sollte kein Kleinzeug sein, wobei schon einer Hasen züchtete. In Betracht kamen euro- päische Wisente, was durch das Washingtoner- Artenschutzabkom- men und zu mager verworfen wurde. Vom Nebenerwerb wollten sie in die Fleischvermarktung. Sie entschieden sie sich für das amerikanische Urvieh den Bison. Von den Schweizer und holländischen Zoos aus Bern, Basel, Zürich sowie Antwerpen erhielten sie vier Kühe und zwei Stiere. Als Weide bot sich ein Grund-stück nähe Allensbach an. Nach drei Jahren zogen sie mit den Bisons auf 13 Hektar Pachtgelände von Graf Wilderich von Bodman auf den Bodanrück. Neben der Bisonzucht betrieben sie an die zehn Jahre die “Vesperstube Bodenwald“. 1990 folgte der Gastronom Marc Schmalenberger mit der „Bisonstube Bodenwald“. Dieses Jahr feiert er sein 20-jähriges Jubiläum. Für seine Bison-Spezialitäten- Woche von Oktober bis Januar, mit Schlachtung von gut zwei- bis dreijährigen Tieren, – die Herde wird konstant bei 20 Bisons gehalten -, gibt es bereits im Frühjahr auf den Herbst Vorbestellungen. Das Fleisch gilt als würziger als das vom Rind sowie cholesterinärmer und hat an die 20 Prozent mehr Proteine. Für Gourmets gilt es als Diabetiker-Fleisch. Am 12. Juni feiern die Biehler- Brüder mit 150 Gästen 40 Jahre Bisonhof. Bei dem Gastronom Marc Schmalenberger wird ab Ende Mai bis Ende August jeden Freitag mit Kult-Bands und Spanferkel vom Grill gefestet. Im September und Oktober heißt es nur noch einmal im Monat. Höhepunkt ist der ultimative Büffelrock am 24. Juli mit „JA(CK – AC/DC Coverband“.
Bei erstem Bisongehege auf dem Festland Reichenau schrieben Medien nach Art amerikanischer Cowboy-Romantik von einer möglichen Stampede der Tiere auf der nahen Autostraße. Jugendliche schossen mit Luftgewehren und schreckten immer wieder die Bisons auf, die mittlerweile zu einer kleinen Herde angewachsen waren. Für die Biehler- Brüder kein haltbarer Zustand. Sie waren auf Suche nach einem neuen Grundstück. Zum Mittler wurde der Espasinger Pfarrer Hans Öttinger. Er ging mit Graf Wilderich von Bodman ins Gespräch, wobei dieser vor Aufgabe der Landwirtschaft mit Rindern auf dem Bodenwald war, wo gerade ein Gehöft abgebrannt war. Für die Biehler- Brüder oberhalb des Bodensees, nahe dem Kloster Frauenberg, war die Lage ideal. Aus den Stacheldrahtzäunen wurde ein Elektro-Sicherheitszaun. Das zugehörige Gehöft, das noch
nicht einmal einen Wasseranschluss hatte, wurde von Grund auf kostenaufwendig sa- niert und modernisiert. Zwei der Brüder zogen mit ihren Familien in das Haus und eröffneten die „Vesperstube Boden- wald“. Die Bisonherde auf dem Bodanrück in idyllischer Landschaft wurde immer mehr zur Touristenattraktion und Ziel für Wanderer. Nach zehn Jahren entschieden sich die Biehler- Brüder zur Aufgabe der Gastro- nomie und für die gelernten Berufe Zimmermann, Architekt und Restaurator. Was bleibt ist das Hobby die Bisonherde mit Zucht und Pflege. Hier haben sie an jedem Samstag zusammen Dienst, wobei einer über die Woche die Verantwortung hat. Unterstützung bekommen sie längst von ihren Kindern und Enkeln. Für den 79- jährigen Restaurator Hans-Georg Biehler gilt: „Unser Hobby Natur und Bison ist gesichert, die nächste Generation steht hinter unserer Lebensaufgabe“. Am Samstag 12. Juni ab 15 Uhr wollen sie mit Freunden „40 Jahre Bison“ auf dem Bodanrück feiern. Eingeladen ist der Verpächter Graf Wilderich von Bodman, Tierärzte, Forscher, Jäger, Metzger und helfende Landwirte. Gefeiert wird beim Bisonhof wo seit zehn Jahren ein indianisches Totem steht. Er soll an die Zeit erinnern als gut 60 Millionen Bisons von schießwütigen Cowboys niedergeschossen wurden und den Indianern die Nahrungsgrundlage genommen wurde. Am Festtag wird der 45-jährige Christoph Biehler Junior Tippi- Zelte aufstellen und im Häuptlingsschmuck aus der großen Zeit der Indianer erzählen als Tausende Bisons die Prärie zum Dröhnen brachten. Auf dem Bodanrück sind es 20 Tiere. Im Mai wurden vier Kühe und zwei Stiere geboren.
Von der Bisonzucht der Biehler- Brüder profi- tiert der etwas freakige Gastronom Marc Schmalenberger mit der „Bisonstube Bodenwald“.  Sein rustikal eingerichtetes Res- taurant mit Schwerpunkt Außengastronomie mit Bierbänken ist gut 150 Meter von der Herde entfernt. Ab Ende Oktober gibst es bei ihm die „Bison- Spezialitäten- Woche“. Da metzgern die Züchter entsprechend dem Nachwuchs ältere Tiere. Auf der Karte dann würzige Bison-Filets und über das ganze Jahr Bison-Wurst. Für die Bison-Woche gilt die Vorbestellung. In der Saison gibt es jeweils am Freitag mit „Live- Music“ Spanferkel vom Grill. Auch eine Rarität.
Weitere Informationen unter: www. bisonstube-bodenwald.de
Bild: Fritjof Schultz-Friese / Bisonstube Bodenwald.
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