„Archae- X“ bei Pfahlbauten Unteruhldingen von der Steinzeit bis Kelten
24. Mai 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, KULTURERBE, NATUR, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, TOURISMUSLebendiges Museum mit Fischfang 8000 v. Chr. bis bäuerliches Lagerleben mit Treveromagos –
Tausende Besucher in Mehrzahl Schweizer bei zwei Tage Experimente der Archäologie
UNTERUHLDINGEN. fsf / „Archae- X“ Experimente der Archäologie hieß es an Pfingsten bei den weltberühmten Pfahlbauten Unteruhldingen. Die Mehrzahl der interessierten Besucher waren Schweizer. Hier bedingt durch den federführenden Antrag UNESCO-Weltkulturerbe in Paris für Pfahl- bausiedlungen in sechs Alpenländern, wobei die Schweiz in 15 Kantonen führend ist. Der 42-jährige Küstenfischer Jörg Nadler aus Schleswig, der als Nebenerwerb in der Experimentelen Archäologie, eine lebendige Geschichtsvermittlung von 8.000 v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert vermittelt, hatte in Unteruhldingen steinzeitliches Angelgerät von der Fischsperre, Schlinge, Reuse bis Harpune ausgestellt. Den Fischfang zu demonstrieren ging nicht, da er keine entsprechende Lizenz für den Bodensee hatte. Es blieb bei gestellten Aufnahmen im Einbaum. Von Interesse war der Schuss- apparat des 42-jährigen Thomas Lessig- Weller vom Museum „Die Keltenwelt am Glauberg“, der einen Ebenholzbogen mit Schussweite von 40 Metern ersetzte. Mit einem Fallgewicht von 1913 Gramm aus Höhe von 73 Zentimetern durchschlug die Bronzespitze Materialien wie Leder und Bronze und blieb im Linothorax, einem Leinengewerbe gestärkt mit Hautleim, wie ihn mit Rüstung Alexander der Große trug, stecken beziehungsweise unversehrt.´Die 75-jährige Archä- Pädagogin Anne Reichert aus Ettlingen stellte Naturfasern aus Brennnessel, Flachs, Hanf und anderen Materialien aus. Erfolg hatte sie als Coach bei der weltbekannten SWR Doku- Serie „Das Experiment – Leben wie vor 5000 Jahren“. Sie kleidete Ingo und Hennig mit Archä- Schuhen ein, die auf Spuren von Ötzi ohne Kompass die Alpen überquerten. Für „Steinzeit- Uhldi“ Mathias Krauß hat sie nach Vorlage archäologischen Ausgrabungen von Sipplingen sowie Wangen / Hemmenhofen seinen Basthut rekonstruiert. Mit gleich 14 Personen war die Kelten-Gruppe von Friedrich Egberink aus Otzenhausen aus dem Nordsaarland gekommen, hier nicht in kriegerischer Absicht sondern als bäuerliche Handwerker. Sie nennen sich Treveromagos um die Zeit Spätlatene 200 bis 100 Jahre vor Chr.
Die Pfahlbauten Unteruhldingen, das älteste und mit fünf Hektar größte archäologische Freilichtmuseum in Europa, geht seit Leitung durch den Archäologen Dr. Gunter Schlöbel im Jahre 1990, Nachfolger des Gründers Prof. Hans Reinerth, in den Eventbereich. Dazu gehört der Esslinger Mathias Krauß als „Steinzeit- Uhldi“ und 28 lebensrechte Figurationen des bekannten englischen Illustrators Gerry Embleton in fünf bronzezeitlichen Häusern nach Ausgrabung Unteruhldingen – Stollenwiesen. Zum Eventbereich gehört auch der Schulunterricht in der Steinzeit. Im Jahr besuchen gut 110.000 Schüler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland mit Lehrauftrag Geschichte, Erdkunde, Biologie, Mensch und Umwelt bis Philosophie und Religion die Pfahlbauten Unteruhl- dingen, die mit Rekonstruktion von 23 Häusern der Stein- bis Bronzezeit von 4000 bis 850 Jahre v. Chr. eine lebendige Geschichte vermitteln.
Leiter der Keltengruppe „Treveromagos“, was „Platz der Kelten“ heißt, ist der 57-jährige Friedrich Egberink vom Beruf Sachverständiger für Kraftfahrzeuge, der mit seiner Frau die Gruppe vor zehn Jahren in Otzenhausen gegründet hat. Nach seinen Worten gibt es in Deutschland an die 30 Keltengruppen, wobei nur an die vier in seriöser Authentizität bleiben. Sie sind keine Krieger erklärt Egberink, sondern bäuerliche Handwerker und
Händler, die seiner Zeit mit den Römern zusammen arbeiteten. Dazu gehört ein keltischer Goldschmied (Tor- sten Badion), der Gürtel- schnallen sowie Spangen treibt, der Schuh- machermeister (Peter Gerling), der aus Leder Trinkschläuche sowie Schuh- werk herstellt und die Gerberin (Nicole Gerling) die im Kupfer- kessel die Stoffe mit Karot- tenkraut, Rebstöckel, Rosen- blättern und Krab vom Mittel- meer mit natürlichen Farben färbt. Er selber, Friedrich Eg- berink, hat sich in der Gruppe für die Vermittlung von Ernährung mit Hülsenfrüchten und Pflanzen wie vor gut 2200 Jahren entschieden. Er klärt über Gen-Food und die von Großkonzernen diktierte Landwirtschaft auf, die er als Bedrohung unserer Zeit sieht. Er weiß auch über die Geschichte zu berichten als der gallisch-keltische Fürsten Vercingetorix um 52. v. Chr. von Julius Cesar nach anfänglichen Erfolgen vernichtend geschlagen und ein Schauopfer in Rom wurde. Doch dass war nach ihrer Zeit.
Nach dem Pfingst-Event mit Steinzeit-Fischerei, experimentalem Wurfgeschoss anstatt Bogen- schießen sowie der vitalen Archä- Seniorin mit Naturfasern sowie friedlichen Kelten heißt es für die Pfahlbauten Unteruhldingen bis 5. Juni mit Ferienprogramm „Steinzeit-aktiv“. Gefragt ist jetzt wieder „Steinzeit- Uhldi“ Mathias Krauß, der seit 1995 die zweite Entdeckung nach dem Gletscher-Mann „Steinzeit- Ötzi“ ist.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese.
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