Ausstellung „Herbert von Karajan – Siegfried Lauterwasser“ in Überlingen
4. Februar 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GESCHICHTE, KUNST UND KULTUR, MUSIK, PROMIS, ÜBERLINGENBesucherrekord für den Stardirigenten und Meisterfotografen –
Die Kamera in Ziegenfell verpackt und ohne Fremdlicht fotografiert
ÜBERLINGEN / BAYREUTH. fsf / Von 1952 bis 1989 war der Überlinger Meisterfotograf Siegfried Lauterwasser in Sensibilität sowie Perfektionismus das „musische Auge” von Stardirigent Herbert von Karajan. Dabei gelten die Worte von Karajan zu Lauterwasser: „Sie haben ja noch gar nicht fotografiert”. Er vermisste den Kameraklick sowie Blitz bei der Musikprobe in Bayreuth. Siegfried Lauterwasser hatte seine Kamera gedämpft in Ziegenfell verpackt um den Maestro nicht zu stören. Auch fotografierte er bei geringstem Licht mit ruhiger Hand um den künstlerischen Ausdruck der Musik nicht zu verfälschen. Mit Besucherrekord ist seit 18. April letzten Jahres bis zum 18. Februar im städtischen Museum in Überlingen, in der Krummebergstraße 30, die Ausstellung „Herbert von Karajan – Siegfried Lauterwasser” zu sehen. Es ist eine Hommage an den weltbekannter Stardirigenten zu seinem 100. Geburtstag sowie eine Erinnerung an den Überlinger Meisterfotografen Siegfried Lauterwasser, der am 7. September 2000 verstarb. Die Ausstellung zeigt an die 80 Platten-Cover, Konzert und Bühnenaufnahmen mit Bildnis von Herbert von Karajan.
In der Familie Lauterwasser ist der Fotografen-Beruf bis zum heutigen Tage Erbfolge. Beim Vater ging Siegfried Lauterwasser von 1928 bis 29 in die Fotografenlehre, dann folgte von 1929 bis 31 die höhere Berufsschule für Grafik und gestaltendes Gewerbe in Frankfurt am Main. 1933 übernahm er das Fotoatelier vom Vater, wobei er 1937 die Meisterprüfung ablegte. Im 2. Weltkrieg wurde Siegfried Lauterwasser Bildberichterstatter einer Propagandakompanie. Schwerpunkt waren dabei Aufnahmen der Luftwaffe sowie an der Ostfront. Nach dem Krieg widmete er sich der Landschafts- sowie künstlerischen Fotografie und wurde 1949 Mitglied von „fotoform”.
In Rückblende bringt Wieland Wagner, der Enkel von Richard Wagner, in den 30er Jahren einen Film zum Entwickeln in das Fotogeschäft von Siegfried Lauterwasser in Überlingen. Die Wagners wohnten in der Nachbargemeinde in Nußdorf. Aus dem Kundengespräch wird eine gute Bekanntschaft bis Freundschaft. 1952 holt Wagner den Fotografen zu Konzertaufnahmen nach Bayreuth, wo er wenig später den Stardirigenten Hebert von Karajan kennenlernt. Mit hoher Sensibilität versteht es Siegfried Lauterwasser den musischen Genius auf den Film zu bringen. Herbert von Karajan ist begeistert. Seine Worte: „Ohne Lauterwasser kann ich meine Probe nicht beginnen”. Sie zeigen die künstlerische Zusammenarbeit zwischen Dirigenten und Fotografen. Der Überlinger wird zunehmend exklusiv der Meisterfotograf von Herbert von Karajan in Ausschluss jeder Konkurrenz.
Aus 900 Aufnahmen haben Siegfried Lauterwassers Sohn Alexander sowie Marion Harder-Merkelbach die Aufnahmen für die Ausstellung “Herbert von Karajan – Siegfried Lauterwasser ausgesucht, wobei bewusst auf Privataufnahmen vom Maestro mit Partnerinnen, Freunden, Jacht oder Privatjet verzichtet wurde. Gefragt waren und sind künstlerische hochwertige Fotos.
Die Ausstellung „Herbert von Karajan- Siegfried Lauterwasser” ist wie folgt gegliedert:
1. Erstes Zusammentreffen: Bayreuther Festspiele 1952
2. Erster Auftrag den Deutschen Grammophon 1962: Aufnahmen mit Stanislav Richter.
3. Die Berliner Philharmoniker und die Philharmonie Berlin
4. Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern in der Jesus-Christus- Kirche, Berlin 1963
5. Herbert von Karajan, im Frack dirigierend
6. Herbert von Karajan, während der Proben dirigierend
7. Portraits Herbert von Karajan von 1952 bis 1989
8. Gestik und Mimik Herbert von Karajan
9. Salzburger Osterfestspiele und Salzburger Festspiele
10. Karajan und die Medien
11. Letzte Jahre
12. Siegfried Lauterwasser als Musikfotograf
weitere Infos unter: www.museum-ueberlingen.de
Im SW-Bild der Fotograf Siegfried Lauterwasser mit seinem Meisterfoto Herbert von Karajan beim Dirigieren.
Bild/ Archiv : Fritjof Schultz-Friese
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