Antrag auf Weltkulturerbe für Pfahlbauten bei UNESCO gestellt
26. Januar 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, BOULEVARD, GESCHICHTE, KULTURERBE, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, TOURISMUSSchweizer Bundesamt federführend für sechs europäische Alpen-Länder –
Dabei am Bodensee die Siedlungen in Sipplingen sowie Unteruhldingen Stollenwiesen
PARIS /UNTERUHLDINGEN. fsf / Sechs europäische Alpen-Län- der haben bei der UNESO in Paris den Antrag auf Weltkul- turerbe für 156 prähistorische Pfahlbau- Fundstellen beantragt. Der Antragsteller für die Länder ist federführend die Schweiz. In der Schweiz haben 15 Kantone, unter diesem Freiburg mit acht Siedlungen, den Antrag gestellt. In Baden-Württemberg sind es 21 und in Bayern 3. Inhaltlich geht es um die Anerkennung sowie Schutz der steinzeitlichen sowie bronzezeitlichen Pfahlbaufelder von 5000 bis gut 800 vor Christi. Im Bodensee vor Sipplingen sind es auf sechs Hektar 20 überlappende Siedlungen beziehungsweise Bauphasen vom Neolithikum bis zur Bronzezeit von 3900 bis 1000 v. Chr. Vor Unteruhldingen ist es die Siedlung Stollenwiesen (975-859 v. Chr.) auf zwei Hektar mit drei Be- bauungen. Die Dendrochronologen (Altersbestimmung am Bauholz) haben hier 87 Häuser mit Palisaden nachgewiesen. Heute noch ist ein Pfahlbaufeld, gut Hundert vom Ufer seewärts, mit gut 20.000 Pfahlbaustümpfen sichtbar, die durch die Erosion und Schiffsverkehr akut gefährdet sind. Durch die Anerkennung als Weltkulturerbe sollen die Pfahlbaufelder gleich dem Taj Mahal und der chinesischen Mauer hochrangig unter Schutz gestellt werden. Die Entscheidung hierüber will das Welterbe-Komitee Mitte nächsten Jahres nach sachkundiger Prüfung fällen.
Der Leiter der Pfahlbauten Unteruhldingen Dr. Gunter Schöbel hat von 1981 bis 2001 die bronze- zeitlichen Siedlungsreste vor Unteruhldingen ertaucht, die akut durch Erosion sowie Bootsverkehr gefährdet sind und teilweise durch den Hafenbau zerstört wurden. In Zusammenhang mit der Sied- lung Stollenwiesen hat der Archäologe seine Doktor-Arbeit mit Thema: „Die Spätbronzezeit am nordwestlichen Bodensee – Taucharchäologische Untersuchungen von 1982-1989 Hagnau- Unteruhldingen“ geschrieben. Die bronzezeitliche Siedlung wurde im Jahre 1864 entdeckt und ist die größte ihrer Epoche am Bodensee. Fünf der Häuser wurden zwischen 1999 und 2001 bei den Pfahlbauten Unteruhldingen im Rahmen des EU-Projektes „Raphael“ rekonstruiert und mit 27 Figurationen des bekannten englischen Künstlers Garry Embleton belebt.
Das Kantonale Museum für Archäologie Frauenfeld (Schweiz) hat für den Thurgau die Pfahl- bausiedlungen in Arbon (Jungsteinzeit- Bronzezeit / 3380-1600 v. Chr.), Garchnang (Jungsteinzeit / 3650 v. Chr.), Eschenz (Jungsteinzeit- Bronzezeit / 3800- 850 v. Chr.) , Hüttwilen- Nußbaumersee (Jungsteinzeit- Bronzezeit 3800- 850 v. Chr.), Mammern (Jungsteinzeit 3700- 2800 v. Chr.) und Ermatingen (Jungsteinzeit 3800- 2600 v. Chr.) das Prädikat Weltkulturerbe angemeldet. Der Archäologe Dr. Urs Leuzinger: „Das Label Weltkulturerbe wird die Pfahlbaufelder ob in der Schweiz oder in Deutschland kulturhistorisch sowie politisch aufwerten. Damit werden wir in den Schutz- maßnahmen erheblich unterstützt“.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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