Böses Blut um Meersburger Wendelgard von Halten
19. Februar 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, MEDIENSchamlos an der „Magischen Lenk-Säule“ mit Trauben zwischen den Schenkeln -
Winzerverein Meersburg und Spitalkellerei Konstanz konkurrieren mit Namen
MEERSBURG. fsf/ Immer noch böses Blut ist zwischen der Spitalkellerei Konstanz und dem Winzerverein Meersburg. Dabei geht es um die vermeintlich „grottenhässliche“ Wendelgard von Halten mit Weingut der Meersburger Haltenau, die der Künstler Peter Lenk im letzten Jahr an der „Magischen Säule“ Meersburg mit Weintrauben zwischen den Beinen verewigt hat. Die Spitalkellerei Konstanz beansprucht die Wendelgard vom Namen und Markenrecht für sich, hat doch die Winzerfrau im Jahre 1272 ihr Weingut am westlichen Bodensee den Konstanzern vermacht. Schuld sollen die Meersburger Ratsherren gewesen sein, die die Wendelgard aufgrund ihrer Hässlichkeit geschnitten haben sollen, während die Konstanzer sie nobel ausführten und geradezu den Hof machten. In einem Spottvers heißt es: „Trotz Wendelgard und Rüssel, esse ich aus dieser Schüssel. Die Mahlzeit soll gesegnet sein, ich lab mich am Haltnau-Wein“. In künstlerischer Freiheit hat Peter Lenk die Wendelgard an der 14 Meter hohen magische Säule auf der Meersburger Hafenmole,-die ein Pedant zur neun Meter hohen „Hafen- Imperia“ Konstanz sein soll-, mit Skulpturen wie den Meersburger Bürgern Franz Anton Mesmer (Entdecker des animalischen Magnetismus), die große deutsche Dichterin Annette von Droste -Hülshoff als Möwe und Joseph Freiherr von Lassberg (Besitzer der Meersburg) sowie den himmlischen Amor und andere verewigt. Um das Werk zu unterstützen hat der Meersburger Winzerverein die Skulpturen als Wein-Edition auf Etiketten der 0,75 Liter-Flaschen herausgebracht. Dabei geht ein Euro pro verkaufter Flasche an den Förderverein „Hafenmole e.V.“, die noch mit 20.000 Euro beim Künstler Peter Lenk in der „Kreide stehen“, wobei dieser nur seine Eigenkosten von 80.000 Euro in Rechnung stellt.
Zur 36. Flottenfahrt trafen sich im April letzten Jahres die Tourristen- Schiffe der Bodensee-Anrainer-Länder zur Enthüllung der „Magischen Säule“ vor Meersburg. An Bord Tausende Passagiere, die die Lenk-Figuren auf der Hafen-Mole sehen wollten, ist doch der Künstler für Überraschungen bekannt. Die einstige Vorgabe sah den Magnetiseur Franz Anton Mesmer auf einer Käfigkugel stehend vor, in der seine Widersacher aus Wien gefangen sind, wobei er einen Magneten in der Hand hält. Aus der Rückenregion sollte ihm ein Stab mit Büste von Annette von Droste-Hülshoff ragen, aus deren Haar sich ein Zweig windet, der an ihre bekannteste Novelle „Die Judenbuche“ erinnern sollte. Peter Lenk entschied sich für die „Magische Säule“ mit Annette von Droste -Hülshof auf 14 Meter Höhe als Windspiel einer Möwe, wobei hier ihre Dichtkunst gilt: Am Thurme: „O, sitzen möchte ich im kämpfen Schiff. Das Steuerruder ergreifen. Und zischend über das brandende Riff wie eine Seemöwe streifen“. Neu dazu gekommen sind bei der Aufstellung: Wendelgard von Halten mit Weintrauben zwischen den Schenkeln, Joseph Freiherr von Lassberg (Schwager von Annette von Droste-Hülshoff) al letzter tugendhafter Ritter auf einem Steckenpferd der nackte Liebesbote Amor mit Pfeil und Bogen sowie das Relief mit Teufelsaustreibung.
Mit der „Magischen Säule“ in Meersburg sowie der „Hafen- Imperia“ in Konstanz ist der Künstler Peter Lenk zum tiefgründigen Chronisten geworden. Gelten in Meers-burg die weltbekannten Persönlichkeiten Annette von Droste -Hülshoff (1797-1848) sowie Franz Anton Mesmer (1734-1815) als Vorlage, wobei beide in Meersburg gestorben sind, ist es in Konstanz das einzige Konzil auf deutschem Boden von 1414 bis 1418 mit Kaiser und König sowie gut 1000 Huren (Hübschlerinnen). Während die „Magische Säule“ im Meersburger Hafen in Statik verharrt dreht sich die neun Meter hohe Edelhure in Konstanz im Dreieinhalb-Minuten-Takt auf der Hafen-Mole, als könnte ihr was entgehen.
Bei Enthüllung der „Magischen Säule“ in Meersburg verkaufte der Winzerverein Meersburg im letzten Jahr an die 3500 Flaschen mit Etikett der Lenk-Figuren. Jetzt wird eine neue Edition mit gesamt 3000 Litern der Lese 2007 aufgelegt, wobei der Müller- Thurgau trocken 77 Oechsle und der Spätburgunder- Rotwein trocken 85 Oechsle hat. Erstmalig wird es dieses Jahr einen „Seco- Rot“ mit Bildnis der Lenk-Teufelchen geben. Renner wird wie im letzten Jahr wieder das süffige Tröpfen mit Bildnis der Wendelgard mit Trauben zwischen den Schenkeln sein, was die Konkurrenz in Konstanz, die Spitalkellerei, in Rage bringt. Sind sie doch Erben der Meersburgerin Wendelgard von Halten mit elf Hektar Weinberg, die geradezu schamlos an der „Magischen Lenk-Säule“ hängt. Zum anderen haben sie einen Wein „Wendelgard“ und ein entsprechendes Weinlokal mit Namen „Wendelgard“.
Bild: (C) Fritjof Schultz – Friese
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