„CDU-Politiker empört: Nackter Papst schockt im Bahnhof“
6. Mai 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, KONSTANZ, KUNST UND KULTUR, MOBILITY, POLITIK, PROMIS, TOURISMUSKunstprovokateur Peter Lenk erwirkt Gegendarstellung gegen Springer-Presse –
In Sanierung Konstanzer Bahnhof sitzt Papst Martin V. und nicht Papst Benedikt XVI.
KONSTANZ / STUTTGART. fsf / Gegen die Springer-Presse Redaktion Stuttgart hat der weltbekannte Kunstprovokateur Peter Lenk aus Bodman am Bodensee eine Gegendarstellung erwirkt. „CDU- Politiker empört. Nackter Papst schockt im Bahnhof“ schreibt das Boulevard-Blatt. Peter Lenk: „Sie zeigen eine meiner Skulpturen, die in drei Wochen in der Touristik-Information des Konstanzer Bahnhofs stehen wird und schreiben dazu: Die Skulptur zeigt unseren Papst Benedikt XVI. Das ist falsch: Die Figur existiert seit 1993 und ist dem Papst Martin V. (1414-1418) nachempfunden. Sie zeigt nicht Papst Benedikt X VI.“. Am 21.Mai wird in Sanierung des Konstanzer Bahnhofs die Mobilitätszen- trale mit Schaltern der Deutschen Bahn (DB), der Schwei- zerischer Bundesbahn (SBB) sowie der Tourist- Information Konstanz eröffnet. In letzterem hat der Geschäftsführer Norbert Henneberger den nackten Papst Martin V. von dem Bildhauer Peter Lenk mit einer Mitra auf dem Kopf aufstellen lassen. Die Skulptur ist Teil der sich drehenden neun Meter hohen Imperia auf der Konstanzer Hafenmole. In ihren ausgestreckten Händen hält sie Kaiser Sigismund sowie Papst Martin V. Die steinerne Kurtisane soll an das einzige Konzil auf deutschen Boden in Kons- tanz von 1414 bis 1418 erinnern. Mit der Aufstellung der Lenk-Skulptur von Papst Martin V. will der Touristen-Chef Norbert Hennenberger für das anstehende Konzil-Jubiläum in Konstanz von 2014 bis 2018 werben. Eine Verunglimpfung seiner Heilig- keit, dem Vertreter von Christ auf Erden, sieht er nicht.
1993 gab der „Bodensee-Admiral“ Dieter Bögle, der Chef der Deutschen Bundesbahn, der Bodensee- Schifffahrtsbetriebe, die Genehmigung zur Aufstellung der neun Meter hohen Imperia mit Kaiser und Papst auf der Konstanzer Hafenmole. Gegen die drehende Skulptur des Bodmaner Bildhauers Peter Lenk wetterten der einstige baden-württembergische Ministerpräsident
Erwin Teufel sowie die katholische Kirche. Es wurde der sofortige Abbau gefordert. Nach 17 Jahren gibt es eine Fortsetzung, wobei die Sprin- ger- Presse schlecht oder gar nicht recherchiert hat. Aus dem geschichtsträchtigen Papst Martin V, der beim Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 ge- gen zwei Gegenpäpste gewählt wurde, wird Papst Benedikt XVI., was von der Physiog- nomie gar nicht stimmen kann. Zwischen den Päpsten von gestern und heute liegen 596 Jahre. Die Boulevard-Presse schreibt: „Die Skulptur zeigt unseren Papst Benedikt XVI. splitterfasernackt. Nur die Mitra (Papstkrone) bedeckt das Haupt. Jetzt gibt es Riesen-Zoff um die Skulptur“. Mit falscher Darstellung macht das Blatt mit Interview des baden-württembergischen CDU-Generalsekretärs Thomas Strobl: „Das Treiben des Herrn Lenk macht nicht mal vor der Verletzung religiöser Empfindungen halt. Ein nackter Papst gehört nicht in die Bahnhofshalle“ sowie Innenminister Heribert Rech Stimmung, dieser wörtlich: „Ich halte viel von künstlerischer Freiheit. Aber Kunst darf sich nicht die Freiheit nehmen, widerwärtig zu werden“.
Die Springer-Falschmeldung, wo aus Papst Martin V. der heutige Papst Benedikt XVI. wird bringt dem Bildhauer Peter Lenk Drohanrufe wie „Dich sollte man Todschlagen“ Über seinen Berliner Medienanwalt Johannes Eisenberg verpflichtet er die Boulevard-Presse mit einer Einstweiligen Verfügung zur Gegendarstellung. Die Berliner TAZ schreibt: „Die Konstanzer Imperia existiert seit 1993, zu dieser Zeit gab es keinen Papst Benedikt, nur (ab April 1993) einen Kardinalbischof Joseph Ratzinger“.
Mit über einer Millionen Euro saniert derzeit die Deutsche Bahn AG den Konstanzer Bahnhof, der 1863 im Stil der Neugotik und der Renaissance nach Vorbild des Palazzo Vecchio in Florenz gebaut wurde. Über Jahrzehnte war der einstige Prachtbau aus der Gründerzeit der Eisenbahn als „Schmuddelbahnhof“ sowie von der Infrastruktur als veraltet verschrien. In eine Mobilitätszentrale investiert die Bahn mit ihren Partnern über 800.000 Euro. Davon entfallen 200.000 Euro an die Tourist- Info. Hier begrüßt der nackte sitzende Papst Martin V. in Größe eineinhalb Meter sowie 700 Kilo schwer in Steinguss ab 21. Mai die Touristen aus aller Welt. Könnte er aufstehen wäre er an die zwei Meter Groß.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
Kopie: BILD-Zeitung
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