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Chicoree vom Bodensee- “Rengohof” ist einziger der im Erdreich wächst

1. März 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, NATUR, OBST ANBAU BODENSEE, SOZIALES

Bei Ernte an die 80 Tonnen Wintergemüse in bester Demeter- Qualität

Verein vermarktet über GmbH im Laden Hofgut Rengoldshausen und Bio-Großhandel


ÜBERLINGEN / RENGOLDSHAUSEN. fsf/ Auf dem „Rengohof“ in Überlingen-Rengoldshausen läuft die Chicoree-Ernte in bester Demeter- Qualität auf Hoch-touren. Der eigenständige Betrieb mit Firmierung „Gesellschaft zur Förderung der Jugend durch die Landwirtschaft e.V.“ erntet im Jahr an die 80 Tonnen Chicoree beziehungsweise gut 600.000 Blattpflanzen. Der Betrieb gehört mit zehn Hektar Aussaat sowie 600 qm Gewächshaus zu den fünf großen Anbaubetrieben in Deutschland, wobei sie sich einzigartig unterscheiden. Das vitaminreiche Winter-gemüse treibt nicht in einer Nährstofflösung aus, sondern im Erdreich. Dadurch, so der 49-jährige Fachmann Hanno Willasch, Vereinsvorstand sowie Betriebsleiter der Gärt-nerei, bekommt der Chicoree eine leichte herzhafte Süße und entwickelt weniger Bitterstoffe. Der Verein, als Gärtnerei geführt mit derzeit 18 Mitarbeitern, gehört zum Kollektiv Rengohof, dem die Landwirtschaft mit zehn Mitarbeitern, der Samenbau mit zwei Mitarbeitern sowie das Landwirtschaftliche Grundjahr mit drei Mitarbeitern ange-hören. Bewirtschaftet werden zusammen an die 170 Hektar.

Über die Herkunft und Entstehen des Chi- corees streiten sich die Fachleute. Es bleibt ein belgischer Mythos mit Namen „Brüsseler“. Mitte des 19.Jahrhunderts heißt es, soll der oberste Gartenbauer des Botanischen Gar- tens in Brüssel Chicoree angebaut haben. Die Sprossen verpackte er lichtdicht, damit sie möglichst weniger Bitterstoffe entwickeln. Da- mit blieben sie bleich und entwickelten kein Chlorophyll beziehungs-weise Blattgrün. In anderer Version heißt es: Um 1870 sollen belgische Bauern nach einer großen Ernte die Wurzel der Zichorie entwickelt haben. Während des Winters entdeckten sie kräftige Knospen. Die dritte Variante geht gleichfalls auf Belgien auf das Jahr 1830 zurück. Damit die Zichorien-Pflanzen in revolutionären Zei- ten nicht verloren gingen, die für die Her- stellung von Ersatzkaffee bestimmt waren, wurden diese mit Erd- reich zugedeckt. Bei Aufdeckung entdeckte man die wohl- schmeckenden weißen Blätter.

Der Chicoree ist zunehmend ein „In-Winter-Gemüse“ durch seinen Vitaminreichtum, die die Gallentätigkeit anregen, wobei er null Nitrat hat. In Frankreich liegt der Pro-Kopf Verbrauch oder richtiger kulinarischer Genuss bei zehn Kilo, in der Schweiz bei sieben Kilo und in Deutschland bei derzeit bei gerade 300 Gramm, wobei das Gemüse auch hier immer beliebter wird. Der Anbau des Chicorees, und hier vor allem in hochwertiger Demeter- Qualität, ist äußerst zeitaufwendig und bedarf spezifischer Fachkenntnisse. Die Wurzeln für den Chicoree werden von ausgesuchten Demeter- Vertragsbauern produziert, wobei diese den Samen im Mai im Freiland aussäen. Nach gut fünf Monaten hat sich besagte Wurzel entwickelt die zwischen September und November gerodet wird. Der richtige Zeitpunkt entschei- det, damit die Pflanze entsprechenden Zucker entwickelt. Die Wurzeln werden auf dem Rengohof bei „0“ Grad im Kühlhaus gelagert. Im weiteren Arbeits-gang werden sie in Erdkästen eingeschlagen, wo sie bei völliger Dunkelheit und 16,5 Grad C. mit hoher Luftfeuchtigkeit nach zwei Tagen Sprossen ent- wickeln. Nach gut drei Wochen ist der Chicoree erntereif. Von der Aussaat bis zur Ernte sind es an die 210 Tage.

Der Rengohof vermarktet den Chicoree wie andere Gemüse. So werden zum Beispiel Salat, Rettich, Gurken, Tomaten und andere über eine eigene GmbH vermarktet mit eigenem Laden im Hofgut Rengoldshausen. Hier gibt es auch das Demeter- Abo mit der grünen Kiste und ökologisch frischem Gemüse. Die GmbH ist Direktvermarkter an den Bio-Großhandel wie Bodan in Überlingen, die gut 30 Prozent des Umsatzes ausmachen. Ein weiterer Kunde ist die Naturata- GmbH bei der Waldorfschule mit Vollsortimenter und Restaurant.


Der studierte Gartenbaumeister Hanno Willasch: „Die Demeter- Qualität unseres Chicoree ist unübertroffen. Für mich gilt: ‚Das herzhafte Wintergemüse gehört in das Erdreich zum Wachsen und nicht in eine Nährlösung, durch die es fade und wässerig schmecken würde’“. Seit 12 Jahren ist Willasch auf dem “Rengohof”, dem Hofgut Rengolds-hausen, Vorstand des Vereins sowie Betriebsleiter der Gärtnerei. Sein Kollege Gert Neyrinck ist gleichfalls Betriebsleiter der Gärtnerei sowie Geschäftsführer der GmbH. Als Duo sind sie äußerst erfolgreich, wobei die Qualität des Demeter- Gemüse entscheidet.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese

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