Clown Otto Augustijn aus Salzburg bei Konstanzer Hafenuhr
16. April 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, KONSTANZ, PROMIS, SOZIALES, THEATER, TOURISMUSFür ein Foto mit der persischen Ex-Kaiserin Farah Diba über 1000 DM bekommen –
Seit 5. März 1993 ein ruheloser Kreativer auf den Straßen durch alle Länder Europas
KONSTANZ / SALZBURG .fsf / Im Clown- kostüm steht der 59-jährige Salzburger Otto Augustijn auf einem Podest an der alten Hafenuhr in Konstanz. Das Gesicht ge- schminkt, Lippen und Nase rot, rote Perücke und Hut. Eingekleidet hat er sich in einem gelben Frack mit rot-blauen Karomuster sowie einem Overall. Die Füße stecken in überdimensionalen Quadratlatschen wie es sich für einen Clown gehört. Artig verteilt er Küsschen an schöne Frauen und verschenkt Lolly’ s sowie ge- knetete Ballonhunde sowie Kerzen an Kinder. Vor ihm steht sein Ro- bothund „Bello“ der jede Menge Batterie für Schwanzwedeln, Pfötchen geben bis Bellen frisst. Ganz Europa will er bereist haben, es fehlen nur noch Belgien und Holland. In der Türkei, in Ismir, Ankara und Istanbul will er die Gastfreundschaft gelebt haben „es war göttlich“. In bester Erinnerung will er Paris haben. In Stadtmitte will er im Jahr 1997 seinen Mini-Zirkus mit zwei Huskys und dressierten weißen Tauben aufgebaut haben. Unwissend will er hier der persischen Ex- Kaiserin Farah Diba einen Handkuss gegeben und seine Lieblingstaube auf ihre Schulter gesetzt haben. Dann soll es immer wieder Klick gemacht haben. Ein Reporter soll ihn und die bis dato unbekannte Frau fotografiert haben. Dafür will er einen 1000 DM-Schein bekommen den er in Franc umgewechselt haben will. Er war mit der Ex-Kaiserin in der Tagespresse der Aufmacher erklärt er mit glänzenden Augen.
Gute 45 Minuten braucht Otto Augustjin (Künstlername) für seine Schminke als Clown. Die Maske hat er vom einem Zirkusplakat abgekupfert. Bis zu seinem Geburtstag im Juni, wo er 60 Jahre wird, will er in Konstanz bleiben.
Sein Zuhause ist derzeit der Stadtgarten mit Überdachung der Konzert- muschel. Hier hat er seinen Schlafsack und Minihaushalt im Anhänger. Im unteren Be- reich sind Töpfe und Bratpfannen sowie Geschirr. Auf den morgendlichen Kaffee will er nicht verzichten, hierfür hat er einen Bunsenbrenner mit kleiner Kanne. Als Früh- stückstisch nutzt er die Steintische am Bodenseeufer. Es erscheint wie eine Idylle. Dann erzählt er sein Schicksal von einem schweren Verkehrs- unfall im Jahr 1982 wo ihn ein Geisterfahrer auf der Autobahn förmlich harpunierte. In seinem Auto saßen seine 22-jährige Freundin Eva sowie die gemeinsame fünf Monate alte Tochter Elisabeth. Beide waren auf der Stelle sofort tot. Nach seiner Aussage lag er ein Jahr im Wachkomma und dann ein Jahr Rollstuhl. Seitdem, so seine Aussage, fehlt ihm jede Erinnerung, er kann sich weder an die Gesichter der Freundin und Kind sowie die der Eltern erinnern. Alles ist wie weg- geblasen. Seit 5. März 1993 ist er auf der Platte, er nennt es auf der Straße leben, wobei er sich nicht als Bettler sieht sondern als Unterhaltungskünstler. Den einstigen Beruf gibt er verschlüsselt als Kinderpsychotherapeut mit Arbeit in Kindergärten und Kliniken an, was zu seinem Clown-Kostüm sowie Aussage „das Lachen der Kinder ist in aller Welt gleich“ passt.
Der Clown Otto Augustijn, oder wie er auch heißt, hat eine Lebensweisheit aufgestellt, die ihn als Philosophen zeichnet. Er zitiert auswendig: „Es ist schrecklich alleine durch die Welt zu gehen, doch noch schrecklicher ist es die Not und Elend auf der Straße zu sehen. Doch auch ich Clown Augustijn weine die Tränen der Traurigkeit und esse das Salz der Einsamkeit, doch lass Dir eines sagen, nachts wenn eine Rose weint, in Deinen Herzen eine Sehnsucht zerbricht frage nie den Wind und die Wolken, es gibt immer jemand der an Dich denkt. Tue jeden Tag Gutes, versuche Dein Bestes zu geben, denn irgendwann, irgendwo kommt das Gute zurück, eine Chance für Dich und mich. Lebe, liebe, lerne, aber zum Leben zu lieben musst Du das Lernen zu geben, doch musst Du wissen wie Du es nimmst. Otto Augustijn 16.April 2010
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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