Die Alemannen kommen zum Unteruhldinger Pfahlbaufest
23. Juli 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, GESCHICHTE, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGENAm 26. und 27. Juli Modenschau mit Kleidern aus der Keltenzeit –
Größtes und ältestes Archä- Museum erwartet 12. Millionsten Besucher
UNTERUHLDINGEN. fsf/ In Kriegsrüstung mit Hausrat sowie Ziegen und Pferden kommen die Alemannen am Samstag und Sonntag zum Unteruhldinger Pfahlbau-Museumsfest. Die „Ulfinger“, benannt nach ihrem Anführer mit alemannischen Namen „Ulfwin“, an-sonsten Stefan Deuble, wurden im Jahre 1999 gegründet und gehen auf die Zeitreise um 400 Jahre nach Chr. zurück. Hier regieren alemannische Kleinkönige wie Chnodomar, Hortarius und Suomar. In der Schlacht um Argentoratum (Straßburg) werden sie vernichtend von Ceasar Julian geschlagen. Doch das römische Reich beginnt zu zerfallen, die große Völkerwanderung setzt ein und die Hunnen beginnen ihre Kriegszüge Richtung Europa. Der „neuzeitliche“ alemannische Stamm der Ulfinger besiedelt die Region zwischen Reutlingen und Freudenstadt. Beim Museumsfest stellt die his-torische Gruppe ihre Waffen vor und führt Theaterstücke nach Gesetzestexten sowie Urteile der „Lex Alamannorum“ aus dem 9. Jhr. sowie dem altdeutschen Hildebrandlied vor. Ein weiteres Highlight beim Museumsfest ist die Gruppe „Lebendige Geschichte“ aus Duisburg, die mit farbenprächtigen Kostümen eine Modenschau aus der Keltenzeit Vorführen. Der Höhepunkt unterdessen wird der 12. Millionste Besucher bei den Pfahlbauten Unteruhldingen sein, dem ältesten und größten archäo-logischen Freilichtmuseum in Europa, der täglich erwartet wird.
In das SWR- Steinzeit-Filmdorf von „Living Science – Das Experiment Leben wie vor 5000 Jahren“ der Pfahlbauten Unteruhldingen ziehen am Freitag die „Ulfinger“- Alemannen mit ihrem Hunno (lat. Centennarius – Hundertschaftsführer) Ulfwin ein. Im Gefolge sieben Krieger, vier Frauen und vier Kinder. Die Gruppe zwischen fünf und 49 Jahren, mit durchaus bürgerlichen Berufen wie Techniker, Krankenpfleger und Studenten kommen von der Schwäbischen Alb. Seit dem Jahre 2004 treten sie geschlossen als Gruppe auf, wobei die Authentizität, Leben wie 400 Jahre nach Chr. in Kleidung, Waffen und Brauchtum, entscheidet. Dabei lehnen sie Schaukämpfe ab. Nicht auszuschließen sind kleine Rüpeleien. Sie kommen mit Pferden, Ziegen und Gänse.
Die „Ulfinger“ haben sich im Jahr 2003 mit den „Gülimborsti“ aus der Schweiz und der „Alaman-nischen Brauchtums- und Kulturgemeinschaft“ aus Österreich zu einem Alamannenthing verbrüdert und treffen sich seitdem jedes Frühjahr.
Das größte und älteste archäologische Freilichtmuseum in Europa, die Pfahlbauten Unteruhldingen am Bodensee, erwarten dieser Tage den 12. Millionsten Besucher. Das Museum wurde am 12. März 1922 von 55 Mitgliedern des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde in Unteruhldingen ge-gründet. Zur Finanzierung wurden 150 Schuldscheine, eine Art Volksaktie, zu je 100 Reichmark ausgegeben. Im August des gleichen Jahres wurden die ersten zwei Riedschachen- Steinzeithäuser mit Funden eingeweiht. Die Rekonstruktionen machten Unteruhldingen am Bodensee weltbekannt. Eine Steinzeit- Euphorie entstand. In den ersten vier Monaten besuchten über 6000 Interessierte die Steinzeit. Heute sind es im Jahr an die 300.000 Touristen aus aller Welt, wobei die Pfahlbauten auf 23 Häuser, Rekonstruktionen der Stein- und Bronzezeit, gewachsen sind.
Seit 1990 ist der Stuttgarter Archäologe Dr. Gunter Schöbel wissenschaftlicher Leiter sowie Museumsdirektor der Pfahlbauten Unteruhldingen. In seiner Zeit sind die Pfahlbauten auf zehn Häuser gewachsen, wobei die fünf bronzezeitlichen Häuser von 2002 mit Einrichtungen sowie 28 lebensechten Figurationen des bekannten englischen Illustrators Gerry Embleton zu den markan-testen gehören. Mit Erstellung der Original SWR- Steinzeit-Filmhäuser im letzten Jahr aus der Doku- Serie „Living Science – Das Experiment Leben wie vor 5000 Jahren“ boomt der Trip in die Zeit des Gletschermannes „Ötzi“.
Der entscheidende Erfolg der Pfahlbauten Unteruhldingen ist in den letzten Jahren die Umsetzung als lebendiges Museum, hin zum Event.
Weitere Infos unter www.pfahlbauten.de
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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