Die Seele baumeln lassen – im neuen Mainauer Staudengarten
2. August 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, INSEL MAINAU, KONSTANZ, NATUR, TOURISMUSIm August wird der neue Staudengarten auf der subtropischen Bodensee-Touristeninsel eröffnet
MAINAU.red./ „Stauden sind Blumen, die im Winter aus scheußlichem Gestrüpp bestehen oder gar nicht vorhanden sind, falls man nicht in der Erde nachwühlt. Bei einem Mindestmaß an Freundlichkeit blühen sie jedes Jahr wieder. Hat man sie lieb, bedanken sie sich überschwänglich“. Mit diesen Zeilen beschrieb der bekannte Gärtner, Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl Foerster das Wesen unserer Gartenstauden und er hätte es kaum treffender formulieren können. Foerster hat mit seiner Arbeit entscheidend zur Verbreitung und Verwendung von Stauden im Hausgarten beigetragen. In den letzten Jahren haben sie sich bei Gartenfreunden mit zu den beliebtesten Pflanzen gemausert. Alljährlich kommt eine Vielzahl an Staudenneuheiten auf den Markt, die um die Gunst der Pflanzenfreunde buhlen. Staudenpflanzungen in unterschiedlichen Facetten, Formen und Qualitäten sind stark in Mode gekommen und haben einen neuen Gartentrend geschaffen. Nun wird dieses Gartenthema auch auf der Mainau an Bedeutung gewinnen.
Für das spannende Projekt ‚Staudengarten auf der Insel Mainau‘ konnten zwei hochkarätige Partner gefunden werden: Die Gesellschaft der Staudenfreunde – mit ihrer Präsidentin Barbara Weidemann an der Spitze – fördert das Vorhaben. Das Konzept für die neue Gartenanlage im Hinblick auf Wegeführung und Pflanzenzusammenstellung stammt vom dritten Projektbeteiligten, Herrn Prof. Dr. Stefan Körner von der Universität Kassel. Mit seinem Team an der Hochschule hat er für das Projekt den Vorentwurf erstellt und abhängig von den Standortgegebenheiten die Pflanzenkombinationen entwickelt. Der Gestaltungsansatz für die neue Gartenanlage ist einfach: Unterhalb der Weinbergmauern sehen die Planer zwei parallel verlaufende Hauptwege vor, die das Gelände an die Promenade der Wild- und Strauchrosen anschließen und so den Besucher direkt und stufenlos in die Anlage führen. An drei markanten Stellen entstehen rechteckige Plätze, die, mit Sitzmobiliar ausgestattet, zum Ausruhen und Treffen einladen. Von den beiden Hauptwegen gehen schmalere Wege ab, die durch ihre regelmäßige parallele Anordnung Beete entstehen lassen und so der Anlage eine harmonische Struktur verleihen und es den Besuchern ermöglichen, den Pflanzen möglichst nahe zu kommen.
In den Beeten werden Staudenpflanzungen angelegt, bei denen das klassische System der Pflanzenverwendung nach Lebensbereichen neu aufgenommen und weiterentwickelt wird. Die Pflanzen werden bei dieser Planerstrategie – vereinfacht ausgedrückt – je nach Standortansprüchen an jene Stellen gepflanzt, die diesen Wünschen am ehesten gerecht werden und mit anderen Pflanzen, die die gleichen Ansprüche haben, kombiniert. Der neue Staudengarten auf der Insel Mainau unterscheidet sich durch die Verwendung von ansprechend blühenden Staudenklassikern wie orientalischem Mohn, Pfingstrosen oder Taglilien deutlich von Pflanzungen mit Steppen- oder Präriecharakter und steht dabei in der Tradition der eher üppigen Blumenpracht der Mainau. Die Verwendung von Pflanzen mit ansprechendem Blütenflor ist aber nur ein Aspekt in der Pflanzenkomposition: Durch eine entsprechende Auswahl von Gerüst- und Strukturbildnern wie Gräsern und Gehölzen mit Rindenschmuck wird die Pflanzung auch im Herbst und Winter attraktiv sein und so alle Jahreszeiten ablichten. Im Lauf des Gartenjahres wird sich das Erscheinungsbild der Pflanzung mehrmals ändern. Und wer als wiederkehrender Besucher den Garten immer wieder aufsucht, wird die Dynamik der Pflanzung immer wieder von neuem erleben.
Der Staudengarten wird wegen seiner attraktiv gestalteten Beete ein Ort sein, an dem sich der garteninteressierte Inselbesucher inspirieren lassen und Ideen für den eigenen Staudengarten erfassen kann. Aber auch für den Erholungssuchenden lohnt sich ein Besuch. Plätze und Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein und schaffen die Möglichkeit, in Ruhe den Blick über das Staudenmeer schweifen zu lassen. Somit wird der Staudengarten durch seine dynamische Bepflanzung auch ein Ort der Entschleunigung
Bild: Mainau GmbH Presse
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