“Döner- Stand” anno 1888 muss in Konstanz Neubau weichen
13. November 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, BOULEVARD, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, GESCHICHTE, KONSTANZOsman Kocausta verkauft Denkmal für symbolischen Betrag an die Stadt –
Archäologen graben Grundmauern Kapuziner- Kloster des späten Mittelalters aus
KONSTANZ. fsf/ Ab Montag den 17. November haben die Archäologen in der Emmishofer Straße in Konstanz-Stadelhofen freies Feld, dann ist der denkmalgeschützte „Döner-Stand” anno 1880 abtransportiert. Der einstige Besitzer Osman Kocausta hat resigniert und das architektonische Kleinod mit Holzver-zierungen für einen symbolischen Betrag an die Stadt verkauft. Dabei hatte ihm die Stadt für das „bewegliche Eigentum” drei exklusive Stellplätze angeboten, doch die Auflagen für den Neuanfang sollen zu groß gewesen sein. 20 Jahre verkaufte der heute 46-jährige Türke aus Denizli im antiken Holzbau Döner und Lamacün. Es war eine gute Lage vor dem Grenzübergang zur Schweiz. Mit Abriss des Areals mit guten 30 Garagen, wo ab nächstem Jahr Wohnhäuser hochgezogen werden sollen, hatte er keine Zukunft mehr.
Dr. Ralph Röber vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Projektleiter für laufende Grabungen: „Die Bodenseestadt Konstanz hat durch Siedlungsschichten von über 4000 Jahren vor Christi, von den Pfahlbauern, über die Kelten, Römer bis in das frühe Mittelalter oberste Priorität. Hier gilt das eingetragene Bodendenkmal nach Paragraph 2 des Denkmalschutzgesetzes, das heißt, dass vor jedem Bauvorhaben, mit Schwerpunkt in der Stadt, die Archäologen kommen”.
Seit Anfang September graben in der Emmgishofer Straße in Konstanz, wo vor dem an die 30 Garagen standen, die Archäologen. Dabei geht es hier nicht um Sensationen sondern Erkenntnisse. Durch Chronisten ist bekannt, dass in der Vorstadt Stadelhofen im 17. Jahrhundert ein Kapuziner- Kloster stand. Für drei Gene- rationen war dieses hier angesiedelt. Nach Auflösung bauten die Mönche auf dem Areal der heutigen Marktstätte beziehungsweise der Sparkasse. Die bisherigen Grabungsfunde in der Emmishofer Straße sind dürftig, Skelette, woraus zu schließen ist, dass zum Kloster ein Friedhof gehörte. Des weiteren Scherben und Kachelfunde. Gegraben wird bis 2,60 Meter Tiefe. Für die weitere Grabung ist der Abbau des historischen „Döner- Standes” aus dem Jahre 1880 dringlich, der als bewegliches Denkmal eingetragen ist. Hier lässt sich die Nutzung nicht zurückverfolgen, wobei Veröffentlichungen nachweisen, dass er früher ein Zeitungskiosk war.
20 Jahre stand Osman Kocausta im historischen Drei- Quadratmeter- Holzhaus, das im Buch des Landes- denkmalamtes eingetragen ist. Gut 40.000 DM will er für den Bau an den Vorgänger bezahlt haben, wobei er für den Grund und Boden Miete zahlen musste. Vor sechs Wochen versuchte er das Häuschen für 8.000 Euro zu verkaufen, doch der Käufer ist abgesprungen. Die Stadt Konstanz hatte Kocausta mögliche neue Standorte angeboten, dazu gehörte zwischen den Fahrbahnen die Laube bei Übergang zum Döbele und die Kreuzlinger Straße vor dem Nachtlokal Corso. Für Osman Kocausta nicht umsetzbar, da eine Außenbestuhlung nicht machbar war. Auch scheiterte er nach eigenen Angaben am Denkmalschutz, der „Döner-Stand” hatte akri- bisch nummeriert abgebaut werden müssen, was für ihn nicht zahlbar war. Der einstige IHK-Geschäfts- führer und heutige Rechtsanwalt Haro Eden: „Die Stadt Konstanz, die Baubehörde, Stadtwerke sowie die Denkmalschutzbehörde, waren äußerst konstruktiv und behilflich. Doch letztlich waren meinem Klienten Osman Kocausta die Auflagen am neuen Standort zu hoch”.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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