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Pfahlbauten

“DS Jura” ältestes Süßwasser-Dampfschiffwrack Europas bleibt auf Bodenseegrund

29. Dezember 2009 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, KREUZLINGEN, SCHWEIZ, TECHNIK


Frank Rheiner baute für Hebung Promotion-Modell für “Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee”

Der bayerische Salondampfer kollidierte 1864 mit der „DS Zürich“ vor dem schweizerischen Bottighofen

Rheiner DS Jura FN 11-09. -P-091_1

FRIEDRICHSHAFEN / KREUZLINGEN. fsf / Der 70-jährige Ex-Uhrenmacher und Betriebswirt Frank Rheiner aus Friedrichshafen ist frustriert, an die 2000 Stunden hat er am Modell des Bodensee-Salondampfers „DS Jura“ gebaut. Das Schiff im Maßstab 1:33 sollte als Promotion für die Thurgauer „Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee“ herhalten, womit diese Gelder für die Hebung des 1864 vor dem schweizerischen Ufer Bottighofen gesunkenen Dampfers sammeln wollten, wobei sich die Kosten nach erster Erhebung auf gut 3,25 Millionen Euro belaufen sollen. Doch jetzt hört der Modellbauer nichts mehr von dem Stiftungspräsidenten Rechtsanwalt Otto Egloff aus Kreuzlingen. Die Stiftung ist auf Tauchgang gegangen. Dabei ist die „DS Jura“ das älteste Dampfschiff in Europa sowie das bekannteste Süßwasser-Schiffswrack. Das Schiff wurde1964 durch Zufall in 40 Meter Tiefe von Berufstauchern gefunden, die auf Suche nach einem Militärflugzeug aus dem 2.Weltkrieg waren. Seitdem ist es im Jahr Ziel von Tausenden Tauchern, die die „DS Jura“ bis auf das Skelett förmlich ausgeweidet haben. Um den Restbestand zu retten hat das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau den Salondampfer im Jahr 2005 als Unterwassermuseum, als technisches Denkmal, unter Schutz gestellt, was das Schiff nicht vor weiterer Zerstörung schützt. Appelliert wird an die Taucher, so die Schweizer Seepolizei, das Wrack in seinem Bestand nicht weiter zu schädigen. Zu einem Tauchverbot, Sperrgebiet für die „DS Jura“ konnten sich die Behörden nicht durchringen.

Rheiner DS Jura 11-09. 066_1Am 12. Februar 1864 gegen 11 Uhr schrillen bei dichtem Nebel auf dem Bodensee vor Bottighofen die Warnsignale des bayerischen Salondampfers „DS Jura“ und der schwei- zerischen „DS Zürich“. Der Ausguck kann die Schiffe nicht erkennen. Dann ein Bersten, die „DS Zürich“ rammt mittel Schiff den bay- erischen Dampfer. Binnen vier Minuten sinkt die „DS Jura“. Ein Maschinist sowie ein Servierfräulein werden in 40 Meter Tiefe gerissen, während sich die anderen Passa- giere retten können. Bis ins Jahr 2008 hat die „Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee“ medienträchtig verkündigt den verunglückten Salondampfer heben zu wollen. Eine „Volks- Actie“ mit Bild der „DS Jura“ zu je 20 Franken soll aufgelegt werden um die Hebung mit Ballons zu finanzieren. Die Kosten für die Rekonstruktion des Schiffes liegen spekulativ bei 3,25 Millionen Euro. Um Geld in die Kasse zu bringen wird der Friedrichs- hafener Frank Rheiner beauftragt zwei maß- stabgetreue Promotion- Modelle zu erstellen, wobei es keine Baupläne von dem Original-Schiff mit 46,3 Meter Länge sowie 10,25 Breite gibt. Das Schiff war für 400 Personen zugelassen. Zwei Modelle hat Frank Rheiner für die Stiftung in Maßstab 1:33 in Größe 1,50 Meter Länge sowie 0,30 Meter Breite erstellt. Es ist ein stationäres Vitrinenmodell sowie ein „seetüchtiges“ ferngelenktes Schiff mit einer eingebauten Mini-Dampfmaschine. Etliche Kilo Sperrholz, Messing, Aluminium bis Kunststoff hat der passionierte Modellbauer in die Schale, Brücke,  Salon bis in die detailgetreue Schiffsglocke bis Rettungsringe verbaut. Das Dampfschiff “DS Jura” en Miniature ist in Fingerfertigkeit tauglich für eine Filmproduktion.

Bei der „Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee“ im schweizerischen Kreuzlingen heißt es barsch am Telefon: „Die ‚DS Jura’ ist nicht zu heben“, wobei offen ist inwieweit es reale Aktivitäten zur Rettung des ältesten Dampfschiffes Europas gegeben hat beziehungsweise hierfür schon Gelder gesammelt wurden. Im April dieses Jahres  dann: „Möglich ist auch der Nachbau der „DS Jura“. Damit bleibt für Tausende Taucher das bekannteste Süßwasser-Schiffswrack vor dem schweizerischen Bottighofen im Bodensee erhalten. Für Unterwasser-Souvenirjäger ist das Schiff schon seit Jahren ausgeplündert.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese


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