Erzbischof Zollitsch wegen Diebstahl des Konstanzer Bistums angeklagt
11. Februar 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GESCHICHTE, KONSTANZ, PROMIS, RECHTJakobiner-Tribunal macht Stockacher Narrengericht Konkurrenz –
Statt Guiottine großzügige Buße an das närrische Volk
KONSTANZ. fsf/ Gewagt, am „Schmutzigen Dunstig” nächster Woche, Beginn der schwäbisch- alemannischen Fasnacht, steht in Konstanz der höchste katholische Würdenträger Deutschlands Erzbischof Dr. Robert Zollitsch vor dem Jakobiner-Tribunal. Ihm wird am 19. Februar um 13 Uhr auf dem Obermarkt der „Diebstahl des Bistums Konstanz” anno 1821vorgeworfen. Richter ist der Schweizer Ex-FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann, einstiger Brigadegeneral sowie Außenminister in spe. Pflichtverteidiger ist der einstige Südkurier Chefredakteur Werner Schwarzwälder. Als Ankläger fungiert in starker Mimik und Gestik Oberstudienrat Wolfgang Mettler, der süffisant derzeit die Anklage vor- bereitet. Es wird erwartet, dass der Erzbischof den Narren in französischer Revolutionskluft mit Farben der Trikolore „eine möglicherweise kirchengeschichtliche Lektion erteilen wird”. Als vereinbart gilt, dass zotige Witze auf Kosten der katholischen Kirche ausbleiben. Eine Guiottine wie zu Zeiten der französischen Revolution wird es nicht geben, aber doch wohl eine ausgemachte Bußzahlung an das Volk. Am gleichen Tag muss sich Landes-Finanzminister Willi Stächele vor dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht” in Stockach verantworten.
Seit 22 Jahren gibt es die Konstanzer „Jakobiner e.V.” als eingetragener Verein, die sich von vermeintlichem Original „Jakobiner 1970″ abgespalten haben, wobei für beide die Tradition der französischen Revolution gilt. Während man im Verein mehr legerer ist setzen die anderen auf Uniformen. Vor 15 Jahren brachte die „Vereins-Jakobinerin” Helga Brummer-Kraft, anstatt Sturm auf die Bastille (woher nehmen?), die Idee des Tribunals als Richtstätte auf dem Konstanzer Obermarkt ein. Ein närrisches Volksgaudi mit zündenden Reden, doch anstatt französisch wird hier alemannisch „geschwätzt”, auch rollen keine Köpfe. Die bisher Verurteilten sind alle „Großkopfete”, wie der Künstler Peter Lenk aus Bodman, die Schriftstellerin Gaby Hauptmann (Der impotente Mann), der CDU-Politiker Peter Ripnik, Gräfin Sonja Bernadotte, der baden-württembergische Ex- Sozialminister Andreas Renner und der Konstanzer OB Horst Frank sowie andere. Mit Ladung des höchsten katholoischen Würdenträgers Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, haben die Konstanzer „Jakobiner e.V.” den großen Wurf gemacht und sind zur Konkurrenz für das „Hohe Grobgünstige Narrengericht” in Stockach geworden, wobei es jetzt insgeheim heißt, dass diese die „zweite Garnitur” geladen haben, standen hier doch früher der Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, Genscher, Fischer und andere vor Gericht.
Für den Kleriker Dr. Robert Zollitsch gilt die Anklage „Diebstahl des Bistums Konstanz”, dabei geht es um die Auf-
lösung der bischöflichen Präsens am Bodensee um 1821 mit Einsetzung eines Bischofs in Freiburg um 1827. Nach gut 1200 Jahren war Konstanz Geschichte, wozu die einzige Papstwahl auf deutschem Boden, das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 gehört. Gewählt wurde hier Papst Martin V.
Für Erzbischof Dr. Robert Zollitsch gilt die „hoch- richterliche Anordnung” von Schweizer Ex-Nationalrat Ernst Mühlemann: „Diese Vorladung ist unumgänglich, ihr ist in jedem Falle, auch in dem des eigenen Todes, Folge zu leisten. Der Delinquent wird um ein starkes Nervenkostüm gebeten, damit die zu er- wartenden Grausamkeiten vom Volke in ausreichendem Maße genossen werden können”. Kurzum, es lebe die französische Revolution 2009 in Konstanz!
Im Bild links der Schweizer Ex-Nationalrat Ernst Mühle- mann, Richter des Jakobiner- Tribunals in französischer Uniform mit Napoleon-Hut, rechts der Ankläger Oberstudienrat Wolfgang Mettler. Auf dem Plakat, in Händen von Richter und Ankläger, der Beklagte: Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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