EU- Archäologen proben bei den Pfahlbauten den Bronzeguss wie vor 3000 Jahren
30. März 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, BOULEVARD, EVENT, GESCHICHTE, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, TOURISMUSFeilichtmuseen aus acht Ländern suchen mit „live Arch“ den Schulterschluss in Praxis, Marketing und Qualitätsstandart

UNTERUHLDINGEN. fsf/ Die Bronzezeit von 2300 bis 800 vor Christi ist das Thema für führende Archäologen vom Scottish Crannog Center Schottland, Archäologischer Park Szazhalombatta Ungarn und vom Archäologischen Park Montale bei Modena Italien, bei den Pfahlbauten Unteruhldingen am Bodensee. Im Rahmen des EU- Workshops „Live Arch“ gießen und hämmern die Archäologen Gefäße, Waffen und Schmuck aus Bronze. Als Gießform gilt für das Metall der Rohrschacher Sandstein. Kursleiter ist für vier Tage der Schweizer Experimentalarchäologe und Bronzespezialist Walter Fasnacht aus Zürich. Am Projekt „Live Arch“ der EU-Kommission, Abteilung Erziehung und Kultur, sind acht führende Freilichtmuseen beziehungs-weise Länder aus Europa beteiligt, wobei die Pfahlbauten Unteruhldingen, mit 25 Häusern, Rekonstruktion der Stein- und Bronzezeit (4000 bis 850 v. Chr.) das größte und älteste Freilichtmuseum sind.
Am Bodensee sind rund 50 bronzezeitliche Siedlungen bekannt, dabei ist Unteruhldingen- Stollenwiesen (975 bis 859 v. Chr.), auf zwei Hektar mit einst 87 Häusern sowie Palisaden, die größten Ansammlung. Die Archäologen haben drei über-lappende Siedlungsschichten nachgewiesen, die heute gut 100 Meter vom Ufer im Bodensee liegen. Der Leiter der Pfahlbauten Unteruhldingen Dr. Gunter Schöbel hat von 1981 bis 2001 die Siedlungsreste mit gut 20.000 schwarzen Pfählen ertaucht, die akut durch Erosion sowie Bootsverkehr gefährdet sind. Im Zusammenhang mit der Siedlung Stollenwiesen hat der Archäologe seine Doktor-Arbeit mit Thema: „Die Spätbronzezeit am nordwestlichen Bodensee – Taucharchäologische Untersuchungen von 1982-1989 Hagnau- Unteruhldingen“ geschrieben. Fünf der bronzezeitlichen Häuser wurden zwischen 1999 und 2001 bei den Pfahlbauten Unteruhldingen im Rahmen des EU-Projektes „Raphael“ rekonstruiert und mit 27 Figurationen des bekannten englischen Künstlers Garry Embleton belebt.
Weitere bronzezeitliche Siedlungsreste sind in Konstanz, Mainau, Staad, Bodman, Überlingen und anderen Bodenseeufern bekannt. .
Vor rund 4000 Jahren hat Bronze den Werkstoff Kupfer für die Herstellung von Waffen, Gefäßen bis Schmuck abgelöst. Durch die Beimengung von 7 bis 8 Prozent Zinn, mit einem Schmelzgrad unter 1000 Celsius, wurde Bronze härter, wenngleich es sich zu Gefäßen jeder Art treiben lässt. Ursprünglich kam Kupfer aus den Alpen, wogegen Zinn aus Cornwall Südwest-England herbeigeschafft werden musste. Im „Live- Arch“- Projekt bei den Pfahlbauten Unteruhldingen wird die Glut aus Holzkohle mit zwei Blasebalgen aus Ziegenfell gehalten. Dann wird die flüssige Bronze in die Sandsteinform gegossen. Material sind Bronzebleche oder Granulat. Immer wieder mogelt ein Probant mit einem Bunsenbrenner um die Bronze geschmeidiger zu machen und damit besser zu bearbeiten.
Anfang März trafen sich die Archäologen der EU- Partner-Museen auf den Lofoten in Norwegen zur Erarbeitung von Marketingstrategien, Konzepte für den Dialog mit Museumsbesuchern sowie Qualitätsstandart. Jetzt sind Mitarbeiter von drei Museen von acht bei den Pfahlbauten Unteruhldingen (Bild). Für September ist ein Treff in Lettland vereinbart, wo es um handwerkliche Techniken der Stein- und Bronzezeit geht.
Bild: (C) Fritjof Schultz – Friese
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