Experimentalarchäologe Görlitz testet Schilfboot auf Bodensee für Expedition
26. Mai 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, BOULEVARD, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, PROMIS, REKORDE, TOURISMUSVor Zwei Jahren Weltschlagzeilen mit „Abora III” von New York über den Atlantik -
Chemnitzer will Handel in der Steinzeit über die Weltmeere beweisen

UNTERUHLDINGEN / CHEMNITZ. fsf/ Mit „Dilmun IV”, einem prähistorischen Schilfboot, ist derzeit der bekannte Chemnitzer Experimentalarchäologe Dominique Görlitz auf dem Bodensee auf Testfahrt. Vor zwei Jahren machte er mit einer größeren Version, der „Abora III” weltweite Schlagzeilen als er mit dem 12 Meter Schiff, vier Meter breit und 10 Tonnen schwer, mit einem Rahsegel von 60 qm gegen den Wind von New York mit Ziel der Kanaren über den Atlantik segelte. Nach 4400 Kilometern musste er aufgrund von Stürmen bis zehn Windstärken aufgeben. Be-weisen wollte Görlitz, das bereits in der Steinzeit ein regelmäßiger Handel von der Neuen in die Alte Welt nach Afrika beziehungsweise Ägypten möglich war. Vor dem Chemnitzer Experimentalarchäologen Dominique Görlitz war der norwegische Schiffsarchäologe Thor Heyerdahl 1946/47 mit „Kon-Tiki” sowie der „RA 1″ und „RA 2″ 1969/79 sowie der „Tigris” 1977/78 die Strecke in entgegensetzter Richtung mit den Winden im Kanarenstrom, was als relativ unproblematisch gilt, gesegelt. Mit den Expeditionen wollte er vor Görlitz beweisen, dass ein Handel bis Kulturaustausch über die Meere bereits in der Steinzeit möglich war, wobei er die Antwort nach Warentausch retour in die Alte Welt schuldig blieb.
Bei dem History- Festival der Pfahlbauten Unter- uhldingen war Domini- que Görlitz mit dem Schilfboot „Dilmun IV” dabei. Jetzt testet er das Schiff mit einer Crew von sechs Personen auf dem Bodensee. In Wieder- holung bereitet er sich auf den Experimental- Törn „Abora IV” im Jahre 2010 vor. Gleich 2007 mit „Abora III” will er von New York der Neuen Welt gegen den Wind auf die Kanaren in die Alte Welt segeln. Ist das Testboot gerade sechs Meter lang, wird das Original„Abora IV” mit Kajüte und Sei- tenschwertern, wie der Vorgänger, an die 12 Meter lang.
Gebaut werden die Schiffe am Titikakasee in prä- historischer Bauweise aus Schilf von den Aymara- Indianern. Diese fertigen ihre Doppelrumpfschiffe bis zum heutigen Tage ähnlich wie die alten Ägypter an. Dabei werden viele kleine Schilfrollen in einem Baugerüst zu zwei großen Kompakt- bündeln verschnürt, zwischen die eine kleinere, dritte Rolle, gelegt wird. Mit zwei unendlichen spiraligen Tauen werden dann alle drei Haupt- rollen zusammengezogen, so dass sich die beiden großen Rollen fest an die dünne in der Mitte schmiegen. Das besondere an dieser Bootskonstruktion ist ihre Unsink- barkeit.
Das Testboot auf dem Bodensee wiegt 1,2 Tonnen, wobei das Schilf am Tag 600 Kilo Wasser tankt.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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