Finissage- Konzert zur Ausstellung „20 Jahre Musambara“
26. November 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, KUNST UND KULTUR, MUSIK, TOURISMUSBernhard Gedrat und Freunde mit „World Beat” der Extraklasse –
Stars wie Mohamed Baldawi und Martin Trummer vom Landes- Jazz- Orchester
von Benjamin Paehlke
KONSTANZ. bp/ Was man im Laufe von vierzig Jahren selbst durchlebter Musikgeschichte alles an Einflüssen erfahren kann, davon gab Bernhard Gedrat bei seinem Finissage-Konzert am 22. November im Wolken-stein-Saal (Kulturzentrum am Münster) beredtes Zeugnis. Ein großer musikalischer Spannungsbogen wurde da um den Globus gelegt. Globusse zierten denn auch symbolisch die Bühnenmitte: Musik ist für Gedrat „World Beat”, eine Sprache, die weltweit gesprochen und verstanden wird. Dass bereichernde Vielfalt hier Programm ist, ließ sich bereits dem Titel des Finissage- Konzerts ablesen: World Beat Entertainment von Bach, über Hendrix, bis Gedrat.
Für Spannung und Vorfreude sorgten allein schon die unterschiedlichen Bühnenkons- tellationen des guten Dutzend an Musikern, die an diesem Abend anwesend waren und die Gedrat zu einzigartigen Formationen zusammensetzte, wie sie sich nie zuvor getroffen hatten.
Ob das gelingt? Klassische indische Musikkultur, zusammen mit sudanesischer Folklore, senegalesischem Trommelfeuer, alle samt auf einer Bühne? Und ob! Und das zeigt die Klasse der Musiker an diesem Abend. Ohne das sich alle zuvor überhaupt näher gekannt hatten, war die wilde und doch passende Melange so über-zeugend, dass von Publikumsseite sogar geäußert wurde, die Musiker sollten eine gemeinsame Tournee ins Auge fassen.
Vielleicht wäre „Klang Festival” als Titel für den Abend aussagekräftiger gewesen, statt „Finissage- Konzert”. Nicht nur die Kulturen wurden vernetzt, sondern auch die Zeiten: der Rocksound der 60er Jahre wurde durch eine Formation Konstanzer Urgesteine heraufbeschworen: Klaus Wilsrecht (e-git, voc), Bernhard Gedrat (bass) und Peter Hoyer (Drums), zeigten, dass Sie die alten Bühnenknaller von Jimmy Hendrix, ZZTop oder Cream (Sunshine of your Love) nach dreißig Jahren noch so auf der Bühne präsentieren können, dass sich das Publikum nicht mehr auf den Sessel hält. Nach dreißig Jahren eigener Entwicklung standen die drei erstmals wieder zusammen auf der Bühne und ließen’s krachen.
Aber damit rollen wir den Abend von hinten auf. Angefangen hatte alles mit einer klanglich meditativen Einleitung mit Florian Schiertz (Tabla) und Bernhard Gedrat („Ton”- vase). Beide haben sich bis zur Meister-schaft der Rhythmik verschrieben: Schiertz studierte (!) Tabla der indischen Klassik in Rotterdam, seine Hände bewegen sich in virtuoser Leichtigkeit über die indischen Tablatrommeln, die er – dem Instrument entsprechend – im Sitzen spielt. Gedrat vertieft seine Meisterschaft in ethnischer Musik Tag um Tag, Jahr um Jahr, in seiner kleinen, privaten Musik-schule „Musikwerkstatt Musambara” sind ethnische Musikprinzipien seines täglichen Brots, das er mit aktuell 85 SchülerInnen und Schülern täglich aufs Neue (mit)-teilt.
Die Trommeln verändern Ihren Charakter von meditativ auf pulsierend-treibend, nach- dem sich zu Schiertz und Gedrat noch Dorit Schradi (saxophon), Tom Bayer (e-piano), der sudanesische Musiker Mohamed Badawi (Darabucca) und der Senega-lese Amidou Mbengue (Djembé) gesellen. Das Pulsierende vereint sich mit dem Meditativen in Gedrats Eigenkompositionen, wie auch in der afrobrasilianischen Trancemusik, bei dem Gedrat zum sonoren E-Bass greift, der durch Mark und Bein dringt und „Tanzen” zur logischen Konsequenz werden lässt.
Neben diesen packenden Momenten ließ Bernhard Gedrat an dem Abend aber auch noch sehr viel Raum für Zwischentöne, Feinheiten, Entspannung, Knistern im Gebälk: Im Trio mit seiner ehemaliger Musikwerkstatt- Mitarbeiterin Dorit Schradi und deren Nachfolgerin Christina Keintzel bewegen sich die Töne durch sämtliche Etagen des Lebens und des Moments und weben Bilder aus Musik vor dem inneren Auge. Hier zeigt sich, dass die Musiklehrer der Musikwerkstatt richtige Musikliebhaber sind, die eher für die Musik leben, als von der Musik (bedenkt man, dass die Musikwerk-statt immer stärker durch eine Schuldenspirale in Bedrängnis gerät)
Auch ein ehemaliger Schüler von Gedrat, der 22-jährige Marvin Trummer, der mittler-weile im Landes-Jazz-Orchester am Flügel sitzt, besinnt sich seiner musika-lischen Wurzeln, die ihn auch mit der Musik-werkstatt verbinden, und zeigt an diesem Abend sein erstaun- liches Können. Ruhe und Ausge- glichenheit verströmt auch Tom Bayer, im Duo mit der Soulsängerin Esmeralda Wachter, was das Stim- mungsbad des Abends komplett erscheinen lässt.
Am Ende erhascht einen das Gefühl, auf Welten- und Zeitenreise gegangen zu sein. Lebendig gefangen im Moment, dieses geistesgegenwärtige Aufblühen ist letztlich das, was Weltmusikkulturen immer gepflogen haben: das Publikum geht gemeinsam durch Stimmungen und erfährt sich beim Mitgrooven und Tanzen als Teil einer Gemeinschaft, fernab von Kulturkonsum und bloßem Sehen- und Gesehenwerden.
Weitere Rhythmusnahrung verabreicht Gedrat für alle danach Hungernden am
9. Januar ab 21 Uhr im K9 (Konstanz): Dort wird es eine Trommel-Disco geben, mit live Trommeleinlagen zum Tanzen und zum „Lebengenießen”.
Benjamin Paehlke
Konzert Finissage „20 Jahre Musambara” sollte wiederholt werden
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Bernhard Gedrat und Freunde Musiker der Spitzenklasse -
KONSTANZ. fsf/ Der Konzertabend von Bernhard Gedrat und Freunde, zur Finissage 20 Jahre Musikwerkstatt Musambara, Konzerte und Ausstellung, war Extraklasse. Es war eine Symbiose von hochkarätigen Musikern, die in Metropolen mit Ovationen gefeiert werden würden. Der Besuch im Kulturzentrum Konstanz, im Wolkensteinsaal, war kläglich bis peinlich. Offensichtlich hatten die Medien nicht mitgespielt, wobei Bernhard Gedrat für das Konzert „World Beat Entertainment” ordentlich „getrommelt” hat. Spitzenklasse war die instrumentale Session Bernhard Gedrat Gitarre mit Mohamed Baldawi Orient- Percussion, Florian Schrietz indische Tabla und Dorit Schradi Saxophon. Das Konzert sollte zur wärmeren Jahreszeit, möglicherweise auf der grünen Wiese, wiederholt werden.
Fritjof Schultz-Friese
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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