Größtes deutsches Strommuseum in Konstanz
3. Juli 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, GESCHICHTE, KONSTANZ, TECHNIKEX-Stadtwerke Mitarbeiter Bumler hat Geschichte gesammelt-
Vom Waschbrett, Gasfunzel, Elektromotor bis zur Energielampe
KONSTANZ. fsf/ Der 66–jährige Ex-Mitarbeiter der Konstanzer Stadtwerke Heinz Bumler hat Stromgeschichte gesammelt, wobei die Sammlung vom Waschbrett, Gas-funzel, Elektromotor bis Energiesparlampe als die größte in Deutschland gilt. Auf gut 160 qm stellt er die technische Entwicklung im Konstanzer Stadtteil Wollmatingen im Umspannwerkwerk Ergatshausen zum Jubiläum „100 Jahre Konstanz unter Strom” aus. Am 9. April 1908 gingen in der Bodensee- Metropole erstmalig die Elektrolam-pen an und lösten die Gasfunzeln auf öffentlichen Plätzen sowie in den Häusern der ehrbaren Bürger ab. Die Konstanzer Zeitung schreibt 1909 gab es in der Stadt bereits 443 Hausanschlüsse mit 7.710 Glühlampen und 1912 bereits 643 Hausanschlüsse mit 14.743 Glühlampen. Über eine Dampfmaschine kam aus der Steckdose der Gleichstrom mit einer Gebrauchsspannung von 2 X 200 Volt, heute sind es 220 Volt.
Die Leidenschaft von Heinz Bumler ist der Strom, wobei er mit der Elektrizität praktisch aufgewachsen ist. 1955 begann er bei den Stadtwerken Konstanz die Lehre als Elektromonteur, es folgte Montage, dann Vorarbeiter und 1971 schließlich die Meisterprüfung und 1982 der Karriere als Oberwerkmeister gleich der Ingenieur-Gruppe. Die Entwicklung des Stroms faszinierte ihn, wobei für ihn auch die Zeit vor Watt und Ampere steht, wo die Großmutter die Wäsche über dem Waschbrett schrubbte und in der Schleuderkugel halbwegs trocken kurbelte. Dazu gehören für ihn der Holzofenherd, die Kaffeemühle mit Mahlwerk und das Grammophon mit Kurbel und andere Utensilien, wobei er diese von einer Tante aus dem Schwarzwald Altglas-hütten-Falknau geschenkt bekommen hat. Bei der Führung im Umspannwerk Ergatshausen- Konstanz sind die Gebrauchsmittel von damals „wie war das Leben ohne Strom” das erste Thema. Dann geht es in den Raum mit Montage-Handwerkzeug vom Volt-Ampere- bis Wattmeter, Schalttafeln mit 50.000 Volt, riesigen Glühbirnen, unterirdischen Stromverteilern aus dem Jahre 1915, diversen Kabeltypen aus dem Jahre 1908 bis 2008, vom Metall mit Papierummantelung bis Aluminiumleiter mit Kunststoff von 8 KV bis 20 KV. Als modernste Umspann-Anlage Europas wurde Ergatshausen im Jahre 2000 von 12 Schaltfeldern auf 35 mit Schutz und Leittechnik erweitert.
In der Station im Konstanzer Rathaus war die geradezu riesige dreiarmige Gleichstromröhre anno 1925 (Quecksilber-Dampf-Gleichrichter) mit 125 Ampere. Eine Rarität ist auch die Marmor-Schaltafel aus dem Stromeyers-Dorf (Zeltfabrikant), die von 1908 bis 1989 genutzt wurde.
Eine sehr persönliche Erinnerung ist für Heinz Bumler sein Werkstattwochenbuch von 1955-1958, als er als Lehrling jede Woche einen Arbeitseintrag mit technischen Zeichnungen abliefern musste.
Im anderen Raum im Strommuseum Ergatshausen sind die ersten Telefone von 1920-25 mit Kurbel sowie an der Wand nostalgische Münzzähler der Jahre 1908 bis 2000 aufgereiht, die Stromschuldner nach Energiebedarf mit Münzen, Schlüssel oder Chip gefüttert haben. Auf dem Tisch liegen geflickte Sicherungen, die gelötet oder mit Silberpapier ummantelt sind, bei Brand oder ähnlich zahlt hier keine Versicherung. Stolz ist der Sammler Heinz Bumler auf einen Maschinensetz- Gleichstrommotor, einem Wechselstromgenerator aus dem Jahre 1920 mit 400 Volt – / 230 V-, 4 KVA. Er kommt von der Zeppelin- Gewerbeschule Konstanz, die ihn verschrotten wollten.
Dann heißt es: „Haushalte unter Strom”. Im Wohnzimmer der 60er Jahre mit Nierentisch spielt der Plattenwechsler Elvis Presly, Buddy Holly und andere, steht eine Kaffeemaschine und Staubsauger. …der Strom ist in der Neuzeit angekommen.
An den Wänden im Konstanzer Strommuseum hängen bunte Plakate aus den 20er bis 40er Jahren, die zur Vorsicht am Arbeitsplatz aufrufen, hier mit Motiv Kleinkind mit blonden Wuschelkopf mit Text: „Vati- komm gesund wieder heim” und Mann mit nackten Oberkörper mit Aussage: „Erhalte Dir Deine Männerkraft! Verhüte Unfälle”. Hierzu der Sammler Heinz Bumler: „In den 100 Jahren der Stadtwerke Konstanz, die bis 13.Juli ihr volles Jubiläum feiern, hat es keinen schwerwiegenden bis tödlichen Unfall gegeben. Darauf sind wir stolz”.
Das Strommuseum Konstanz ist noch im Juli 2008, mit Führung 10 Uhr sowie 11 Uhr zu besuchen. Weitere Termine auf Anfrage unter:
Heinz Bumler 07531- 76269
Weitere Infos über das 100-jährige Jubiläum „Konstanz unter Strom”
Weitere Strommuseen in Deutschland unter:
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