Hans Spiranio ist der letzte Eismeister vom Bodensee
15. Januar 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, FRIEDRICHSHAFEN, GESCHICHTE, KONSTANZ, NATUR, ROMANSHORN, TOURISMUS, UMWELT, WASSERTEMPERATUR BODENSEE, WETTER
Schifffahrtsämter lehnen seit 1985 die Verantwortung für Schlittschuhläufer ab -
Mit Seegfrörne 1963 bleibt Heiliger Johannes im schweizerischen Münsterlingen
REICHENAU / KONSTANZ.fsf/ Keine Seegfrörne wie 1963 und 33 weitere mit Aufzeich- nungen bis in das Jahr 875, das Bodenseeeis schmilzt und damit das Vergnügen für Hunderte Schlittschuhläufer. Bis 1985 sorgte der Leiter vom Schifffahrtsamt Konstanz, der heute 79-jährige Hans Spiranio, seit 1993 in Pen- sion, für die Sicherheit auf dem Eis. Er maß die Eisdicke und gab die Fläche mit Ab- stecken von Tannenreisig frei. Sein eisiger Amtsbereich ging von der Reichenau, Allens- bach, Radolfzell bis zur Höri. Für den einstigen Konstanzer Landrat Robert Maus war es zu viel Verantwortung, hier für die Schlittschuhläufer sowie die eigenen Mitarbeiter. Ab 1986 galt für Betreten des Eises sowie Schlittschuhlaufen auf eigene Gefahr, wobei es bis dato keine schwerwiegenden Einbrüche sowie tödliche Unfälle gab. Der heutige Leiter des Schifffahrtsamtes Andreas Ellegast, seit 1990 im Amt: „Für eine derart große Natureisfläche kann man keine Verantwortung übernehmen”. Als die größte Schlittschuhbahn gilt der Gnadensee zwischen der Reichenau und Allensbach mit einer Fläche von gut 50 Quadratkilometern. Hier gefriert der Bodensee zuerst durch die Flachwasserzone. An Wochenenden tummeln sich Hunderte Eisläufer, die von Eissurfern mit schnellen Kufen aufge- schreckt werden. In den Uferbereichen haben Gastronomen ihre Stände mit Glühwein bis Bratwurst aufgemacht. „Heiß umkämpft” sind die Parkplätze zum Eisvergnügen nähe Kloster Hegne sowie am Damm der Insel Reichenau.
Auf eisige Zeiten, auf die Seegfrörne, wartet der Evangelist Johannes in der Kirche im schweizerischen Münsterlingen. Eine Prozession trug die hölzerne Statue 1963 vom deutschen Bodenseeufer über das Eis. 133 Jahre war der Heilige in Verwahrung der Katholiken in Hagnau. Die Prozession geht auf eine vertragliche Vereinbarung zwischen den Pfarreien Münsterlingen sowie Hagnau aus dem Jahre 1573 zurück, wo es heißt, dass die hölzerne Büste, gestiftet von Thurgauer Bürgern, als Dank-Prozession über den See getragen wird. Am 12. Februar 1963 begleiteten Tausende die Wallfahrt. Dabei der Fischbacher Georg Stärr als „Bodensee-Reiter” gleich dem Gedicht von Gustav Schwab (18. Jahrhundert) „Der Reiter und der Bodensee”, wo es um die Seegfrörne geht. Ein Tag vor der Prozession wurde der Schiffs- Fährverkehr zwischen Friedrichshafen und Romanshorn eingestellt. Es gab kein Durchkommen mehr. Die klirrende Kälte hatte den Bodensee von Mitte November 1962 bis Mitte März 1963 im Griff.
Die Meteorologen 2009: „Die Büste des Heiligen Johannes wird wohl in der schweizerischen Klosterkirche in Münsterlingen bleiben. Die Erderwärmung verspricht keine neue Bodensee-Gfrörne”.
Bild: Fritjof Schultz-Friese
Weitere evtl. interessante Artikel:
- Für den Bodensee aktiv
Internationale Bodensee Tourismus GmbH präsentiert Jahresbericht 2010 KONSTANZ.red/ Verhalten optimistisch... - Wasserschutzpolizei Reichenau probt Ernstfall Eiseinbruch in Bodensee
Über 30.000 Schlittschuhläufer auf Abschnitt Flachwasserzone Gnadensee - Für das... - Schlittschuhpause oder Aus für größte Eisfläche auf Bodensee?
Tauwetter macht beliebten Wintersport auf Gnadensee ein Ende - Wasserschutzpolizei... - Letzte Fasnetverbrennung in Konstanz um 24 Uhr auf dem Obermarkt
Laugele-Gumper, Blätze-Buebe, Früchtle und andere verabschiedeten Narretei – Auf Wiedersehen... - Neun Pfahlbausiedlungen im Bodensee mit Label Weltkulturerbe warten auf die Zukunft
Leiter der Pfahlbauten Unteruhldingen hat die Vision von Glas- Touristenrondell...
Anzeige


