Hecker-Hut an den Architekten der Sozialdemokratie Egon Bahr
23. November 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, GESCHICHTE, KONSTANZ, MEDIEN, POLITIK, PROMIS, RECHT, SOZIALESSPD- Kreisverband Konstanz vergibt Auszeichnung an Persönlichkeiten für soziales Engagement-
Vor 161 Jahren wurde an gleichem Platz die Badische Revolution ausgerufen
KONSTANZ. fsf/ Er passt! Der SPD- Kreisverband Konstanz hat den fünften Hecker- Hut an Egon Bahr, den Architekten der deutschen Sozialdemo- kratie verliehen. Die Preisträger vor ihm waren Rolf Böhme, von 1982 bis 2002 der Oberbürgermeister der Breisgau-Stadt Freiburg, an Jean Ziegler, streitbarer Schweizer Soziologieprofessor aus Genf, der dritte an den Heidelberger Götz Wolfgang Werner, den Gründer der dm-Drogeriemarktkette. Hochschullehrer, Gemeinschaftsbanker und Ver- fechter eines bedingungslosen Grundeinkom- mens. Der vierte ging im letzten Jahr an die Präsidentschaftskandidatin Frau Prof. Dr. Gesine Schwan, ehemalige Präsidentin der Universität Frankfurt / Oder. Der Konstanzer Bürgersaal am Stephansplatz ist ge- schichtsträchtig. Auf dem Platz rief im April 1848 Friedrich Hecker, Revoluzzer und wohl erster deutscher Sozialdemokrat mit seinem Freund Gustav von Struwe die Badische Revolution aus. Sie forderten die Abschaffung der Monarchie und Ende des sozialen Missbrauchs auf Kosten einer verarmten Bevölkerung durch das Kapital. Ein großformatiges drei- teiliges Hecker-Majolika-Relief mit Titel „Morgen brechen wir auf“, an der Ostseite des Bürgerhauses, ehemals Franziskaner-Kirche, soll an den Aufstand er- innern.
„Wandel durch Annäherung“ war die Prämisse des großen Sozialdemokraten Egon Bahr, Freund von Bundeskanzler Willy Brandt, unter dessen Re- gierung er Bundesminister für besondere Aufgaben sowie später für wirtschaftliche Zusammenarbeit war. Er gilt als Stratege und Architekt der Ostpolitik. Der heute 87-jährige wurde am 18. März 1922 im thüringischen Treffurt geboren. Seine politische Arbeit begann er nach dem Krieg und ist seit 1956 Parteimitglied der SPD. Beruflich arbeitete bei verschiedenen Zeitungen als Journalist sowie beim Berliner Sender „RIAS“. Kritisch berichtete er über die junge Bundesrepublik Deutschland. 1960 wechselte er als Pressesprecher zum Regierenden Berliner Oberbürgermeister Willy Brandt in die aktive Politik.
In der Laudatio zur Preisverleihung an SPD-Urgestein Egon Bahr sprach der SPD-Kreisvorsitzende Peter Friedrich: „Du bekommst den Hecker-Hut als Preis für die
Verdienste um die Sozialdemokratie, der deutschen Einheit und Außenpolitik. Durch Deine Ostpolitik hast Du jenes Ver- trauen geschaffen, dass das heute vereinigte Deutschland trägt“. In weiterer Ausführung erinnert Friedrich an das emotionale Foto von Egon Bahr als dieser die Hände vor dem Gesicht verdeckte und weinte, als Willy Brandt durch die Guillaume- Affäre als Bundeskanzler zurücktrat. Der SPD- Kreis- vorsitzende wörtlich: „Politik ist mehr als Macht, Struktur und Organisation, Politiker sind Menschen, was vielfach vergessen wird“ In weiterer Ausführung: „Egon Bahr war immer ein Mensch des Dialogs, wo andere den Kontakt abbrechen hat er Wege gesucht um im Gespräch zu bleiben und entscheidende Erfolge erzielt
Egon Bahr: „Niemand kann sa- gen wann Europa einmal mit einer Stimme spricht”. In seiner Rede plädierte er dafür, dass Frankreich, Polen und Deutsch- land eine gemeinsame Außen – und Sicherheitspolitik entwik- keln und nicht auf andere warten.
Im Aufmacherfoto SPD-Urge- stein Egon Bahr mit Hecker-Hut sowie der SPD-Kreisvorsitzende Peter Friedrich und Brigitte Lei- pold von der SPD- Fraktion Konstanz.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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