Historiker Meyer ein Jakobs-Pilger mit Buch “Du stellst meine Füße auf weiten Raum“
17. August 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, GESCHICHTE, HOBBY, INSEL REICHENAU, KONSTANZ, KULTURERBE, KUNST UND KULTUR, NATUR, REKORDE, SCHWEIZ, SPORT, TOURISMUS, ÜBERLINGENNavigation von Tübingen bis nach Konstanz zur Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem –
Seit der Ernennung zur Kulturstraße Europas boomt die Fußpilgerschaft nach Santiago de Compostela
STOCKACH / KONSTANZ / SANTIAGO DE COMPOS- TELA. fsf / „Der Pilgerweg nach Santiago de Com- postella, zum Grab des Heiligen Jakobus, fängt vor der eigenen Haustür an“, so der promovierte Historiker, Ex- Oberstudienrat Dr. Fredy Meyer aus Stockach. Im Selbstverlag hat er das Buch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ geschrieben. Es ist eine Navigation für die Jakobspilger von Tübingen nach Hechingen über Balingen, Nus- plingen über den Beuroner Jakobsweg nach Meß- kirch, oder die Route Hechingen, Burladingen, Veringenstadt über den Hohenzollerischen Jakobs- weg über Sigmaringen nach Meßkirch. Von hier aus gehen die Wege gemeinsam bis Kloster Wald mit Gabelung über Pfullendorf dem Linzgauer Jakobsweg über Überlingen mit Übersetzung nach Konstanz oder die Route Stockach mit Hegauer Jakobsweg über Bodman, Radolfzell, Insel Reichenau nach Konstanz. Im Mittelalter bis heute ist die Konzilstadt Konstanz, mit der Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem im Münster, der Mauritiusrotunde mit den 12 Aposteln, das Ziel von Hunderttausenden Jakobs-Pilgern. Hier spendet der Lieblingsjünger Jakobus den Gläubigen den heiligen Segen. Von Konstanz führt der Jakobsweg, jeweils ausgeschildert mit der „Jakobsmuschel“, über die Schweiz nach Einsiedeln, Fribourg, Genf, über das Rhone- Tal nach Le Puy, über die Pyrenäen nach Santiago de Compostela. Zwanzig Etappen ist der Historiker Dr. Fredy Meyer bisher mit seiner Frau Lucia den Jakobsweg gelaufen. 350 Kilometer von Stockach bis Lausanne. Im nächsten Frühjahr wollen sie die Strecke von Genf nach Le Puy laufen. Als Nachweis gibt es einen Eintrag in das Pilgerbuch mit der sternförmigen Jakobsmuschel.
Über die Geschichte und das Patroziniumforschung ist der heute 65-jährige Dr. Fredy Meyer auf den heiligen Jakobus gekommen. In ganz Baden-Württemberg hat er Vorträge
über den Jakobskult sowie über die Pilgerwege gehalten. Er hat über die ge- schichtliche Entwicklung des Jakobswegs vom 9. Jahrhundert bis heute gesprochen, von Höhepunkten bis Einbrüchen der Pilgerschaft. Die eigentliche Renaissance der Jakob-Pilgerwege sieht der Historiker Meyer im vergangenen Jahrhundert, wo 1987 der Europarat die Wege nach Santiago de Compostela zur Kulturstraße Europas ernannten. Seitdem boomt das Fußpilgern. Mit Bruder Jakobus Kaffanke von der Benediktiner-Erzabtei St. Martin in Beuron hat er im Jahr 2003 die Pilgerwege von Tübingen bis an den Bodensee nach Konstanz mit Zeichen der Jakobsmuschel ausgezeichnet. Die Beschilderung erfolgte in in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Sigmaringen sowie Zollernalbkreis und in Ab- sprache mit dem Schwäbischen Albverein und dem Schwarzwaldverein. Nach Besuch im Konstanzer Münster mit der Mauritiusrotunde der 12 Apostel mit Lieb- lingsjünger Jakobus zeigt der Pilgerweg vor der Kirche Richtung Schweiz nach Märstetten mit gut 4,5 Stunden Fußmarsch und nach Santiago de Compostela mit 2340 Kilometern.
In seinem Buch „Du stellst meine Füße auf weitem Raum“ gibt der Historiker Dr. Fredy Meyer nicht nur eine detaillierte Routenanweisung der Pilgerwege über die Schwäbische Alb nach Konstanz, sondern informiert auch über historische Stätten die über Jahrhunderte Herberge und Andacht waren. Die Reise nach Santiago de Compostela zum heiligen Jakobus beginnt in Tübingen mit der im 12. Jahrhundert erbauten Jakobskirche, die im 16.Jahrhundert im gotischen Stil
erweitert wurde. Innerhalb und außerhalb weisen bildliche Zeugnisse auf den Apostel Jakobus hin. Auf einem der Schlusssteine und im Chorgewölbe sind die typischen Attribute, Mantel, Hut, Stab und Pilgermuschel zu sehen. Mit viel Fantasie sieht man an der südlichen Außenwand die Umrisse des sogenannten Galgen- oder Hühnerwunders, das auf eine verschmähte Liebe mit tödlichem Ausgang mit Wieder- erweckung zurückgeht. Die Bilder finden sich auch in der St. Jodok- Kirche in Überlingen, wo sich die Pilger seit Jahrhunderten treffen. Als äußerst unsicher, schreibt der Historiker, war im 15. Jahrhundert der Pilgerweg über den Hegau. Verarmte Ritter raubten die Pilger aus oder kidnappten sie um Lösegeld zu erpressen. Schickten Gerichte einst Verurteilte als Buße auf den Pilgerweg, war und ist es heute ein Gelübde, ein Suchen nach dem geistigen Ich, eine Selbstfindung. Dieses Jahr gilt als das Heilige Jahr, da der Gedenktag der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Das reich bebildete Buch ist ein historisches Nachschlagewerk, eine Zeitreise über die Jahrhunderte. Die Aquarelle hat Ehefrau Lucia Schmid gemalt.
Seit dem Jahr 2005 ist der Historiker und Oberstudienrat Dr. Fredy Meyer in Pension. Am Nellenburg-Gymnasium in Stockach unterrichtete er Deutsch, Geschichte, Ethik, Gemeinschafts- und Landeskunde. Mit seiner Frau beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit dem Jakobs-Kult, es ist ihr Lebensinhalt geworden. Von Pensionierung ist bei Dr. Fredy Meyer keine Rede. Immer wieder ist er als Pilgerbegleiter unterwegs. Angemeldet haben sich bei ihm der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung sowie der Landtagsabgeordnete Andreas Hofmann.
Das Buch von Dr. Fredy Meyer „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ Jacobswege zwischen zwischen Neckar und Bodensee ist als Band 134 in der Reihe der Hegau- Bibliothek mit der ISBN-Nummer 978-3-921413-96-8 erschienen.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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