Die originellste deutsche Krippe steht in kath. Kirche Meersburg
24. Dezember 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, GESCHICHTE, MEERSBURGDrei Holzschnitzer verewigen Persönlichkeiten der Stadtgeschichte-
An Drei-König kommen die geistlichen Räte und Kirchenmessemer dazu
MEERSBURG.fsf / 20 ehrenwerte Bürger aus der Bodenseestadt Meersburg sind unsterblich. Die Holzbildhauer J.Ehinger (J.E). „Bertie Brandes (BB) und Peter Früh (P.F) haben sie als 40 Zentimeter große Krippenfiguren geschnitzt, die in der katholischen Stadtkirche das Christuskind im Stall anbeten. Es sind der Bürgermeister Karl Moll (1884-1936) im grauen Anzug mit Amtskette, der Meersburg zum Tourismus erweckte, wobei er von 1919 bis 1936 die Geschicke der Stadt lenkte. Die immer hilfsbereite Vincentius-Schwester Thymia – Emilie Neugart (1910-1990) in hellblauem Ordenskleid mit Haube. Sie war von 1946 bis zur Schließung 1979 im städtischen Krankenhaus tätig. Weiter der Arzt Dr. Fritz Zimmermann (1873-1959) „Arzt und Menschenfreund”. Er war von 1918 bis 1950 Chefarzt am städtischen Krankenhaus . Er galt als großer Wohltäter, war Ehrenbürger der Stadt und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ihn hat der Holzschnitzer nach Vorlage in hagerer Gestalt mit Spitzbart geschnitzt. Unvergessen ist die „Bären”- Wirtin Irma Gilowsky-Karrer (1921-1989) mit einem freundlichen Wesen. Sie hat der Künstler mit Schnittblumen in der Hand geschnitzt, wobei diese Zeit ihres Lebens eine wichtige schmückende Rolle gespielt haben. Die anderen Personen in Lindenholz (siehe Info-Blatt) sind Förster, Jäger, Wirte, Polizist, Hirte und andere.
Zu Drei-König am 6. Januar kommen noch einmal drei Figuren aus Lindenholz dazu, es sind die Heiligen Drei-Könige: der Geistliche Rat Wilhelm Restle (1884-1980) mit Purpur- Mantel und goldener Dose, der kniende Kirchenmessmer Georg Seyfried (1889-1963) und der Geistliche Rat Karl Seyfried (1888-1960) im roten Mantel.
Die Krippenfiguren mit Persönlichkeiten Meersburger sind in Privatbesitz. Zu Weihnachten finden sie ihre Auferstehung, was immer wieder ein Treff von Freunden mit den Verstorbenen ist. Die geschnitzten Figuren mit markanter Mimik und Gestik scheinen zu leben. So bleibt es nicht aus, dass sich immer wieder Gruppen vor der Krippe treffen und Geschichten über diese erzählen, wie über den Malermeister Walter Buchmeier (1910-2003), der als „Meersburger Urgestein” für seine Hilfsbereitschaft bekannt war, oder über den „Babbedeckel” Emil Rösch (1889-1974), den Buchbindemeister (daher der Spitzname), der ein größer Gönner des heimischen Brauchtums und Narr (Fasnacht) war .
Die heilige Familie haben die Holzschnitzer nicht personifiziert, was wohl auch ein Sakrileg wäre. Hinter der Krippe liegen nicht Bethlehem, sondern die Kulisse von Meersburg mit alter Burg, Stadttor und andere Sehens- würdigkeiten aus dunklem Holz. Einfallsreich ist die Beleuchtung über der Krippe sowie Weihnachtsbaum. In der Krippenlandschaft gibt es rechts einen kleinen Brunnen mit Aufschrift „Brot für alle”, den Armen geben, was heißt Geld einwerfen. Wenn getan, geht die Beleuchtung an, plätschert der Brunnen, leuchtet das Feuer der Hirten (der Meersburger) und gibt es Weih- nachtslieder über Lautsprecher vom Band. (also gewusst wie!). Nach ein paar Sekunden heißt es erneut nachwerfen, denn sonst kein Licht und Weihnachtslieder, wobei der Münz- betrag nicht entscheidend, hier geht es nur um das Gewicht als Auslöser. Die Krippenfiguren, die ehrwürdigen Meers- burger Bürger, kommen nicht zur Sprache. Sie sind stumm, “leben in der Welt von Weihnachten”.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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