Die Pille für Salemer Berberaffenweibchen
22. Dezember 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, TOURISMUS
Größtes europäisches Affenfreigehege bis Mitte März geschlossen-
Makaken aus Algerien und Marokko haben jetzt Brunftzeit
SALEM / BODENSEEKREIS.fsf / Die Berberaffen auf dem Affenberg Salem können jetzt tierisch poppen. Sie sind ungestört, die drittgrößte Touristenattraktion am Bodensee ist von Anfang November bis Mitte März, in der Winterpause. Die possierlichen Affen, zugehörig den Makaken, zuhause in Algerien und Marokko, sind jetzt in der Brunftzeit. Auf dem Affenberg Salem, im Bodenseehinterland, leben auf 20 Hektar an die 200 Berberaffen in drei Clans, wovon gut 100 Weibachen sind. Für 20 gilt von ihnen die Empfängnisverhütung mit Implantat im Oberarm. Bei anderen Berberaffenweichen ist die Pille vom letzten Jahr noch aktiv. Ab April wird mit gut zehn Affenbabys sowie möglichem Ausrutscher gerechnet. Für die Touristen gibt es dann wieder den Dauerklick mit der Kamera. Der Affenberg Salem, zugehörig zu drei weiteren Freigehegen in Kintzheim / Elsass, Rocamadour / Südfrankreich und „Trentham Monkey Forest” in Mittelengland, wird im Jahr von gut 300.000 Touristen besucht. Besitzer ist der elsässische Baron Gilbert de Türckheim, der es sich zur Auf- gabe gemacht hat, die Berberaffen, die auf der Roten Liste im Washingtoner Artenschutzabkommen stehen, vor der Ausrottung zu schützen.
Für die Berberaffen auf dem Affenberg Salem ist jetzt Brunftzeit. Sie sind jetzt unter sich. Das größte europäische Affenfreigehege ist bis Frühjahr für Touristen geschlossen. Seit dem Babyboom der 80er Jahre, mit Auswilderung aus den Gehegen Salem sowie Frankreich in die Ursprungsländer Marokko und Algerien, gilt die Geburtenkontrolle. Im Herbst werden die Berberaffen mit Äpfeln, Bananen sowie Grießklößen angelockt und dann narkotisiert, wobei sie einer Wurmkur unterzogen und geimpft werden. Den Weibchen wird eine Empfängnisverhütung in den rechten Unterarm implantiert. Zur Kennzeichnung bekommen die Berberaffen am rechten Bein eine Nummer. Das Lebensalter der Makaken, so der Leiter des Affenbergs Salem Dr. Roland Hilgartner, liegt bei Männchen bei 21 Jahren und bei Weibchen bei gut 23 Jahren. Geschlechtsreif werden sie ab dem vierten Lebensjahr. Die Austragungszeit liegt bei den Weibchen bei gut 5,5 Monate.
Die Berberaffen von Salem sowie drei anderen Gehegen sind in Marokko sowie Algerien im Riff-Atlas Gebirge, der Kleinen und Großen Kabylie sowie in der Schlucht von Chiffa, zuhause. Gut 200 Makaken leben auf dem Felsen von Gibraltar, der letzten englischen Kolonie in Europa. Sie sind eine gepflegte Touristenattraktion. Eine Legende sagt: „stirbt der letzte Affe auf Gibraltar ist die Herrschaft der Briten beendet”. So hat der einstige Premier Winston Churchill das Militär zur Pflege der „pelzigen Untertanen” auf dem 6,5 Quadratkilometer großem Territorium verpflichtet. In den Ursprungsländern wurden die Berberaffen hermetisch als Landplage ausgerottet. Der Weltbestand der Makaken werden auf 8000 Tiere geschätzt. An die zehn Prozent davon leben heute in den vier Gehegen von Baron Gilbert de Türckheim.
Bild: Affenberg Salem / Hilgartner
Bild: Fritjof Schultz-Friese
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