Konstanz hat drittes Fasnachtsmuseum in Baden-Württemberg
16. November 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, GESCHICHTE, KONSTANZ, NATUR, PROMIS, TOURISMUS„Initiative Rheintorturm e.V.” hat über 200.000 Euro in Brauchtum investiert –
Helmut Grathwohl und Kollegen feiern das ganze Jahr die Narretei
KONSTANZ. fsf/ Im altem Konstanzer Wehrturm hat nach Bad Dürrheim mit Narrenschopf und Schloss Langenstein mit Narrenmuseum das dritte Fasnachtsmuseum in Baden-Württemberg aufgemacht. Dabei stellen die Konstanzer ausschließlich ihre eigenen 58 Zünfte und Vereine aus, wozu die Blätzlebuben im roten Flickenhäs, die größte und älteste Zunft im schwäbisch-aleman- nischen Raum, gehören. Den gut 800 Jahre alten 35 Meter hohen Wehr- turm, zugehörig der alten Stadtmauer mit früher 26 Türmen, hat die „Initiative Rheintor- turm e. V.” mit über 200.000 Euro restau- riert, wovon an die 40 Prozent Eigenmittel sind. Das Museum mit Aus- stellung von 33 Puppen im Häs befindet sich nach 134 Treppenstufen mit gut 100 qm im dritten Stock. Es ist geplant den Fasnachts- Wehrturm ab nächsten Jahr täglich von April bis Oktober der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
„Narro, narro, Siebe, Siebe, siebe Narro sind es gsi. Ho Narro! Hond de Muetter Kiechle gschtole, Gib mer au, Haberstrau.- Suerkrut-fillt de Buebe d‘ Hut us, und de Mädle d‘ Mäge hut us und de alte Wieber de Belzkrago. Ho Narro” heißt es mit neuestem Datum närrisch im alten Konstanzer Wehrtorturm aus dem 12. Jahrhundert, dem dritten Fasnachtsmuseum in Baden-Württemberg. Der alte Wahrturm hat Geschichte geschrie- ben. Mit einer Holzbrücke, gebaut von Grafen von Hohrdorf, war er der nördliche Einlass in die Stadt, durch diesen schritt im 13. Jahrhundert Kaiser Barbarossa mit seinen Heer- scharren, weiniger friedlich folgte 1548 der österreichische Kaiser Karl V. mit spanischen Söldnern, die die Stadt einnahmen. 1997 hat die Gemeinschaft Konstanzer Fanfaren- züge e.V. (GKF) den Wehrtorturm von der Stadt angemietet. Er war in den obersten Etagen voller Taubendreck und im Parterre Abstelle für das Rosgartenmuseum. Ein Jahr zuvor hatten die Mitglieder Helmut Grathwohl (Motor) Max Braunschweig die „Initiative Rheintorturm e.V.” gegründet deren Vorstand heute aus sechs bezieh- ungsweise auf 200 Mitglieder gewachsen ist. 1999 erteilte die Stadt die Baugeneh- migung zum Umbau und Sanierung im Inneren, wobei die Initiative alleine 80.000 Euro Eigen-leistung von 200.000 Euro einbrachten sowie 8.000 Stunden ehrenamtliche Arbeitsstunden. Abge- strahlt wurde das alte Gebälk vom Dachstuhl, das in erstaunlich guter Substanz war, sowie die verzapfte Holztreppe. Zum Teil neu aufgebaut werden musste das Mauerwerk in der ersten und zweiten Etage aus Sand- und Wackersteinen. Zum Umbau gehörten doppelverglaste Fenster sowie eine Heizung, Küche und Toiletten-anlage.
Die Idee aus dem alten Wehrturm, so Helmut Grathwohl, von Beruf Unternehmens- berater, ein Fasnachts-museum zu machen, ist keine zwei Jahre alt. Der Fasnachter: „Es bot sich an, zumal Konstanz als alt- ehrwürdige Metropole am Bodensee die meisten närrischen Zünfte und Vereine hat und im schwäbisch-alemannischen Raum eine Hochburg ist”. Im dritten Stock ist jetzt die Narreitei mit 33 Hästrägern zuhause, zu ihnen gehören die Blätzlebuebe Konstanz, Freie Konstanzer Plätz mit Stadtwache Konstanz, Gottlieber Schnogge (Schallmeiengruppe ), Fanfarenzug (FZ), Kamelia-Paradies, FZ Niederburg, FZ Storchen, FZ Frichtle, FZ Schneckenburg, FZ Kretzergarde (Jungkretzer) Konstanz, Jacobiner e.V., Seegeister, Münsterhexen, Konstanzer Altstadthexen, Riedhexen, Konstanzer Frichtle, Konstanzer Wölfe, Paradieser Farren, Laugele Gumper, Altkonstanzer Hansele, Ala Bock Dingelsdorf, Konstanzer Trolle, Schopfschrat, Konstanzer Teufel und die Saubachgeister.
An der künstlerischen Umsetzung des Fasnachtsmuseums beteiligt sind Werner Schlotterer mit Holzlarven sowie die Künstler Gilbert Glunk mit Bemalung von Weissnarrenhäs und Walter Kaiser mit vielfältigen Fasnachtsbildern, wozu die Hintergrundmalerei der Ausstellung mit Konstanzer Motiven gehören.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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