Konstanzer Auktionator versteigert größte europäische Affensammlung
28. Januar 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, HOBBY, SCHWEIZ, ÜBERLINGENSchweizer Zoologe Angst trennt sich von Kunstwerken aus Jahrtausenden –
Am 6. Februar kommen 300 Darstellungen in Figur sowie Malerei unter den Hammer
KONSTANZ / ÜBERLINGEN. fsf / „Affig“ geht es am Samstag den 6. Februar bei dem be- kannten Konstanzer Auktionator Carlo Kar- renbauer zu. Nach Versteigerung von 400 dekorativen Schweizer und österreichische Käseetiketten, 140 Zigarrenschneidern aus Jugendstil, Art- Deco sowie der 50er Jahre und dann 450 Schreibgeräte von erlesenem Füllhalter mit Goldfeder, Tintenfass sowie Brieföffner, geht es jetzt um 300 Affendarstel- lungen aus Europa, Asien Afrika und Süd- amerika in Figur und Malerei. Aufgerufen wird die “Affengalerie” des Salemer Affen- bergs, die Sammlung des einstigen Schweizer Direktors Dr. Walter Angst, die dieser in 29 Jahren zusammen getragen hat. Hunderttausende haben die Kunstwerke bei Besuch des größten europäischen Affenfrei- geheges im Bodenseehinterland gesehen. Jetzt kommen sie unter den Hammer. Darunter wertvolle Funde aus Ausgrabungen aus Südamerika von den Olmeken und Azteken, indonesische Wayang- Stabpuppen bis Meissner- Porzellan wie eine musi- zierende Affengruppe mit Trommel, Cello und Flöte. Es sind Top-Sammler-Raritäten für Liebhaber. Für den Auktionator Carlo Karrenbauer, seit 30 Jahren bundesweit im Geschäft sowie Schweiz und Österreich, ist es die 229 Auktion, die kleinen Versteigerungen sowie Aufräumaktionen nicht mitgerechnet.
So ein Affentheater…
möchte man unwillkürlich ausrufen beim Anblick der mehr als 300 verschiedenen skurrilen Affengestalten die am 6.Februar 2010 im Auktionshaus Karrenbauer in Konstanz unter den Hammer kommen. Sie stammen aus der berühmten Sammlung des Affenberges Salem, und wurden in über 29 Jahren vom ehemaligen Direktor, dem Primatologen Dr. Walter Angst, in privater Samm- lerleidenschaft zusammengetragen. Aber klingt „So ein Affentheater“ nicht negativ?, ist der Freund nicht verärgert wenn man ihn einen „Affen“ nennt, gilt „äffisches Gebaren“ nicht ebenso bösartig wie „du kleines Äffchen“? Hierzulande scheint man die Affen offensichtlich eher negativ zu sehen, und betrachtet man die etwa 300 verschiedenen Affendarstellungen der Sammlung, so tun sie meist etwas, was wir „zivilisierte Menschen“ ablehnen: Sie kratzen sich, sie lausen sich, sie reiten auf… Kurz alles, was man eigentlich nicht tun darf, oder wenn dann nur im Verborgenen. Der Affe, das Tier, unser nächster Verwandter als unser Spiegelbild? Gleichzeitig gilt der Affe als possierlich, lustig, sein Gebaren als spaßig, besonders Kinder fühlen sich von seinem skurrilen Gehabe angezogen. Vielleicht deshalb war die
Darstellung von Affen in den letzten Jahrhunderten immer Mode, in Porzellan, in Glas, Keramik, oder gemalt, gestochen und geschnitzt, die Sammlung zeigt zahl- reiche Beispiele. Irgendwie setzen wir uns also doch mit unserm Spiegel- bild auseinander; lassen es wenigs- tens in einer „Affenkapelle“ musi- zieren, schenken die knuffigen Mo- hairfiguren unseren Kindern als Spielzeug etwa, das man aufziehen kann, das immer rasselt und Becken schlägt. Diese zwie- spältige Haltung gegenüber unseren nächsten Ver- wandten ist anderen Kulturen völlig fremd. In Bali und Indonesien ge- hören die Wayang- Figuren – von denen es etliche in der Sammlung gibt – als Stabpuppen oder be- wegliche Schattenspielfiguren zum Alltag, das Volksepos Ramayana zum jahrtausende alten Kulturgut und Hanuman der Affengeneral oder Sugriwa der Affenkönig sind jedem bekannt. Die Japaner haben eben- falls eine völlig unverkrampfte Zugeh- ensweise zu Affen, wie zahlreiche Netsuke und Inros in dieser Samm- lung beweisen. Auch die frühen Süd- amerikaner wie Olmeken und Azteken haben schon Affenfiguren geschaffen, die man bewundern kann. Schließlich gibt es natürlich auch etliche 3- Affenfigurengruppen in dieser Sammlung, wiederum aus allen möglichen Materialien geformt. Sie sind heute international bekannt, aber kaum jemand weiß noch, dass sie ursprünglich aus dem Niko Tempel in Japan stammen. Neuerdings jedoch kennt man auch 4-Affengruppen, wohl amerikanischen Ursprungs, da sitzt neben den 3 bekannten Äffchen „Nichts (Böses) sehen – nichts (Böses) hören – nichts (Böses) sagen“, noch ein vierter Affe; er blickt ein wenig verklemmt und verdeckt mit den Hände sein Geschlecht; darunter steht: „Nichts fühlen“.
Nun ja, man lernt nicht aus, und diese Sammlung, die der Prospekt des Affenberges als „einzigartig in Europa“ anpreist, sie ist wirklich lehrreich und eine einmalige Gelegenheit für Affensammler und solche die es werden wollen höchst seltene und interessante Exemplare zu ersteigern.
Vollbebilderter Katalog im Internet unter www.karrenbauer.de
Nicht nur Affenabbildungen hat der bekannte Schweizer Zoo- loge Dr. Walter Angst, einstiger Chef vom Affenberg Salem, seit der Pensionierung in Überlin- gen am Bodensee zuhause, gesammelt, sondern auch „Wayang“, indonesische Schat- tenspielfiguren. Hier gilt er welt- weit mit über 17.000 filigranen Figuren aus buntem gestanz- tem Pergament mit Hornstab, vom edlen Prinzen Arinna, über den Spaßmacher Petruk bis zur Gottheit Shiva, als größter Sammler. Die UNESCO hat die Theatertradition im Jahre 2003 wegen der kultur-historischen Bedeutung und des hohen künstlerischen Niveaus in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Sammler Walter Angst sieht sich als Bewahrer der Kulturgüter, deren Spiele sonst längst auseinander gerissen wären und billig verscherbelt. Im Jahr 2008 stellte er Teile seiner Sammlung im Historisches und Völkerkundemuseum im Schweizer-ischen St. Gallen mit Thema „Wayang- Licht und Schatten“ aus. Zur Vernissage hat er das reich bebilderte Buch „Wayang Indonesia“ – die phantastische Welt des indonesischen Figurentheaters“, verlegt im Konstanzer Stadler-Verlag, herausgebracht.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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