Konstanzer Schmuddelbahnhof nach dem Vorbild des „Pallazzo Vecchio“ gebaut
25. April 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GESCHICHTE, KONSTANZ, MOBILITY, POLITIK, SOZIALES, STREIK AKTUELL, TOURISMUSICE Taufe auf den Namen der Stadt lässt Bürger lautstark protestieren –
Bahn- Konzernbevollmächtigter Klingberg verspricht Sanierung

KONSTANZ. fsf/ Mit „Stuttgart glänzt – Konstanz stinkt“ und „Vorne hui – hinten pfui“ sowie „ICE-Halt – Versprechen oder Versprecher“ begrüßten Mitglieder der Freien Grünen Liste (FGL) den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn Werner Klingenberg. Auf den Namen „Konstanz“ tauften der Bevollmächtigte sowie der Konstanzer OB Horst Frank den neuesten ICE 3 Triebwagenzug mit einer Länge von 200 Metern, der eine Spitzengeschwindigkeit 330 km/h fährt. Für zwei Stunden war der Intercity-Express auf Gleis 1 „Aschenputtel“ auf dem Schmuddelbahn Konstanz, der in den letzten Wochen bundesweit Negativ-Schlagzeilen machte. Seit Jahren fordert die Stadt Konstanz die Bahn zur Sanierung des Bahnhofs mit Stil- Epoche der Neugotik sowie Renaissance aus dem Jahre 1863 auf. Mittelpunkt ist der Glockenturm, der einst die Reisenden über die Einfahrt des Zuges informierte. Er wurde nach dem Vorbild des „Pallazzo Vecchio“ in Florenz gebaut.
523.984 Übernachtungen mit einem Plus von 8,4 Prozent konnte die Touristen-Stadt Konstanz im letzten Jahr verzeichnen, 84.622 Gäste kommen davon aus dem Ausland mit Schwerpunkt Schweiz, gefolgt von den Amerikanern, die die „Historytown on the lake of constanze“ lieben. Viele von ihnen kommen mit der Bahn, der „Visitenkarte“ der Stadt. Seit Jahren ist der Bahnhof aus Zeiten des Großherzogtums Baden in der Kritik. Er gilt als baulich verwahrlost, unwirtschaftlich und nicht auf dem tech-nischen Stand. Letztmalig wurde er zwischen 1975 bis 1983 saniert, wobei der Sand-stein des historischen Glockenturms mehr geflickt wurde. In den Anfängen der Eisenbahn läutete von diesem der Bahnhofsvorstand die Glocken um den Zug anzukündigen. Architekt des einstigen Prachtbaus mit Datierung von 1860 bis 1863 war Bezirksbauinspektor H. Leonhardt, der den Bahnhof nach Vorbild eines italienischen Pallazzo plante. Die Einfahrt der ersten Lokomotive „James Watt“ am 23. August 1862 aus Waldshut kommend war ein Festtag.

Am Tag halten 118 Züge im Bahnhof Konstanz auf Gleis 1, 2 und 3, 15 davon sind so genannte Intercity-Express (IC), wovon 13 der Schweizer Bundesbahnen (SBB) mit ICN- Zügen nach Zürich beziehungsweise Bern und Biel (Bienne) sind. Die Hightech-Züge fahren im Stundentakt.
Die Konstanzer Stadträtin Dorothee Jacobs- Krahnen, die zur Protest-Bewegung bei der ICE-Taufe gehörte: „ Der Bahnhof ist eine Schande für eine Stadt, der Gäste aus aller Welt begrüßt. Besonders erschreckend ist die Unterführung. Die Gerüche sind abstoßend“. Dem Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner ist der Kragen geplatzt, in einem dringlichen Schreiben fordert er den Konzernbevollmächtigten der Bahn Werner Klingberg zur Sanierung des Bahnhofs auf. Die Antwort: Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung des Turmes mit Kosten von über 800.000 Euro begonnen werden, wobei dieser vorab 17 Monate mit grünen Netz mit Kosten von 20.000 eingerüstet war. Es bestand die Gefahr, dass sich Sandsteinquader vom Turm lösen und auf Passanten fallen.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese / Stadler-Verlag
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