“Längste Schiffsbrücke der Welt” 2009 im Guinness-Buch der Rekorde
26. Dezember 2007 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, FRIEDRICHSHAFEN, REKORDEJournalistin Nagler motivierte 2.500 Kapitäne und Besatzung für „Schweizer Kinder“ – Kinder in Not
Bundespräsidenten aus Deutschland, Österreich und Schweiz schreiben Vorwort
FRIEDRICHSHAFEN. fsf/ 2009 ist der Eintrag „längste Schiffsbrücke der Welt“ ins Guinness-Buch der Rekorde sicher. Am 20. Mai dieses Jahres bildeten 2.500 Schiffe von Friedrichshafen nach Romanshorn mit 11,4 Kilometern eine Brücke über den Bodensee, die vom Zeppelin NT sowie der alten Tante JU 52 überflogen wurde. Auf See- mitte bildeten die großen Fahrgastschiffe aus Deutschland, Öster- reich und der Schweiz mit dem legendären Wasserflugzeug Do 27 von Iren Dornier das Schweizer Kreuz. Mit der einmaligen Aktion sollte an die Nachkriegsjahre 1946/47 vor 60 Jahren erinnert werden, als Schweizer Nachbarn über 6000 Kinder aus zerbombten deutschen Städten „drei Monate, zwei Wochen oder ein Tag“ in Gastfamilien ver- köstigten und neu eingekleideten. Ideenmacherin der „längsten Schiffsbrücke der Welt“ ist die 42-jährige Journalistin Hildegard Nagler, Vorsitzende des karitativen Vereins „Schweizer Kinder“ – Kinder in Not. Über den Rekord, mit über 70.000 Gästen an den Bodenseeufern in D-Friedrichshafen und CH-Romanshorn, hat die Journalistin mit Titel „Die Schiffsbrücke – drei Länder erinnern an Kinder in Not“, wobei 30 Fotografen auf ihr Honorar verzichtet haben, ihr zweites Buch zum Thema herausgebracht. Die Bundes- präsidenten aus Deutschland, Österreich und Schweiz haben das Vor- wort geschrieben.
Vor vier Jahren schrieb die Dipl. Journalistin Hildegard Nagler, Redakteurin bei der Schwäbischen Zeitung, das Buch „Das Wunder einer Reise – Schweizer Kinder und ihre Fahrt ins Märchenland“. Sie recherchierte das Schicksal von Kindern in Not, wobei Friedrichs- hafen im Krieg, in der Nacht vom 28.April 1944 mit 13.000 Spreng- bomben sowie 500.000 Brandbomben am stärksten getroffen und zu 90 Prozent zerstört wurde. Elf alliierte Verbände flogen Angriffe gegen die Rüstungsindustrie wie Dornier, Maybach-Motorenbau, Zahnradfabrik, Zeppelin-Metallwerke und in Oberraderach mit Bau der vermeintlichen Superwaffe V2. In den Ruinen hausten Greise und Mütter mit ihren Kindern, während die Männer im Krieg waren. Ein Jahr nach der Kapitulation von Nazi-Deutschland gründete die Freisinnige Partei der Schweiz mit Geistlichen die Grenzlandhilfe und lud 1946/47 6000 Kinder aus dem süddeutschen Raum sowie Vorarlberg, davon alleine 1900 aus Friedrichshafen, ins „Märchenland Schweiz“, ein. Die „MS Thurgau“ der Schweizer Bodenseeschiff- fahrt (SBS) wurde hierbei zur „Arche Noah ins gelobtem Land“.

Die Journalistin Hildegard Nagler ist Grün- dungsmitglied des gemeinnützigen Vereins „Schweizer Kinder“ – Kinder in Not, wobei es inhaltlich um eine weltweite Hilfe für Kinder geht. Aus Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, Bergkarabach, Kolumbien, Paläs- tina und anderen Ländern hat sie über das Schicksal von Frauen und Kindern geschrie- ben und weltweit zur Hilfe aufgerufen. Von der Siebenpfeiffer- Stiftung wurde sie 2003 für ihr soziales demokratisches Bewusstsein in den Medien ausgezeichnet.
Zur „Längsten Schiffsbrücke der Welt“, in Er- innerung an die Schweizer Hilfe in den Nach- kriegsjahre 1946/47, am 20. Mai der deutsche Staatsminister Gernot Erler (Auswärtiges Amt) in Friedrichshafen: „Die Schweiz hat mit dieser einzigartigen humanitären Aktion gerade gegenüber Deutschland einen ersten Schritt unternommen, um nach schlimmen Jahren, in denen die Menschen in ihren Ländern ganz gegen ihre Geschichte und Tradition getrennt waren, den Weg wieder zueinander zu finden. Und seitdem hat sich gezeigt: Deutschland und die Schweiz lassen sich nicht auseinander dividieren“.
Im Steuerhaus des historischen Bodensee- Schaufelraddampfers „DS Hohentwiel“ (im Bild von links nach rechst) Senior-Kapitän Reinhard Kloser, Staatsminister Gernot Erler (Auswärtiges Amt) sowie Hildegard Nagler (Vorsitzende „Schweizer Kinder“ – Kinder in Not). fsf
Bilder: (C) Fritjof Schultz – Friese
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