Meeresschildkröten im Sea-Life Konstanz müssen abspecken
9. Juni 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, NATUR, TOURISMUSÄlter als die Saurier und heute durch den Menschen vom Aussterben bedroht –
Fischfangflotten und verschmutze Meere lassen Wassertiere sterben
KONSTANZ. fsf/ Die vierjährigen Meeresschildkröten Amadeus und Clementine vom Sea- Life Konstanz sind zu fett. Binnen kurzer Zeit haben sie vier Kilo zugelegt. Jetzt sollen sie auf Diät gesetzt werden und zur Futterannahme ein entsprechendes Fitness-Programm unterlaufen. Beide Tiere sind eine Nachzucht und kein Wildfang. Die Meeresschildkröten (Cheloniidae) leben in tropischen und subtropischen Gewässern, wobei sie akut vom Aussterben bedroht sind. Im Rahmen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) setzt sich die CMS mit vielfältigen Aktivitäten für den Schutz und das Überleben ein, wobei sich der Bauplan dieser faszinierenden und einzigartigen Tiergruppe in 225 Millionen Jahren nicht wesentlich geändert hat. Sie haben die Saurier überlebt, deren Aussterben bis heute nicht geklärt ist.
Amadeus und Clementine leben im Sea- Life Konstanz im 320.000 Liter Becken „Rotes Meer“ mit Schwarz- Spitzenriff-Haien und 100 anderen Arten. Gefüttert werden sie mit Tintenfischen, Seelachsfilet und Salaten wie Kohl und Broccoli. Beim letzten Check durch den Meeresbiologen Dr. Holger Kraus bringt Amadeus 54 Kilo und Clementine 48 Kilo auf die Waage. Für das Sea- Life einfach zu fett, jetzt gilt es abzuspecken. Das Futter wird jetzt an einer Stange durch das Becken gezogen, wobei die Schildkröten dieses erst durch mehr Bewegung bekommen. Noch nicht klar ist, ob es sich bei den Schildkröten um ein Weibchen und ein Männchen handelt. Die Blutuntersuchung soll in den nächsten Tagen das Geschlecht abklären. Die Wassertiere werden erst mit 15 bzw. 20 Jahren geschlechtsreif, wobei sie mit gut zwei Meter Länge an die 50 Jahre alt werden.
Die Meeresschildkröten stehen im Washingtoner Artenschutzabkommen auf der roten Liste Anhang B. Jährlich gehen gut 250.000 Tiere den Fischern ungewollt in die Netze. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Meeresverschmutzung. Nach der Brut von 70 Tagen laufen die Minischildkröten um ihr Leben um ins rettende Wasser zu gelangen. Verfolgt werden sie von Krabben und Möwen, wobei im Element bereits die Raubfische warten. Nicht einmal 0,5 Prozent der Meeresschildkröten erreichen die Geschlechtsreife.
Das Sea- Life Konstanz gibt es seit dem Jahre 1999. Am Bodensee gehört es unter den Touristikveranstaltern zu den Top- Ten mit über 300.000 Besuchern, wobei es ganzjährig geöffnet ist. Letzter Woche wurde in Cuxhaven das zehnte Sea- Life eröffnet, wobei Konstanz das südlichste ist. Das Sea- Life gehört zur weltweiten Merlin Entertainment- Gruppe mit Freizeitattraktionen in Europa, Asien und den USA. Das Kerngeschäft der englischen Holding mit 13.000 Mitarbeitern sind die derzeit 52 hauseigenen Attraktionen mit jährlich etwa 30 Millionen Besuchern. Merlin ist Europas größter Betreiber und belegt nach dem Disney Konzern weltweit den zweiten Platz. Zu den Merlin- Freizeitattraktionen gehören fünf Marken und Kategorien, hierzu gehören Legoland, Dungeon, Madame Tussauds, Sea- Life und diverse Freizeit- und Themenparks.
Im Sea- Aquarium Konstanz mit 44 Becken arbeiten drei Taucher, hierzu gehört auch der 23-jährige Taucher Alexander Dressel (Bild) aus Oberfranken. Er ist ein Freund der dicken Meeresschildkröten Amadeus und Clementine. Zu ihm haben die Panzertiere eine Zutraulichkeit entwickelt.
Weitere Infos im Internet unter http://www.sealifeeurope.com/.
Bild: Schultz-Friese
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