Mit der Taucherglocke vor Überlingen in die Tiefe?
2. Juni 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, TOURISMUS
Nach Ostseebändern Usedom und Rügen jetzt der Bodensee –
Investor für zwei Millionen Projekt gesucht – Betreiber gefunden
ÜBERLINGEN. fsf/ Vor Usedom, im Ostseebad Zinnowitz steigen Touristen mit der Taucherglocke fünf Meter in die Tiefe. Im Juli folgt Rügen. Die Tauchglocke oder Gondel von Ingenieur Andreas Wulff ist die Touristenattraktion mit vermeintlich 40.000 Gästen im Jahr. Jetzt soll das mondäne Kneippheilbad Überlingen am Bodensee mit über 600.000 Übernachtungen folgen. Der Handelsvertreter Mattias Goth aus Wolgast / Landkreis Ost-Vorpommern, der für das exklusive Unter-wassermodul die Vermarktungsrechte hat, hat das gut zwei Millionen Euro Projekt dem Gemeinderat vorgestellt. Die Resonanz ist skeptisch bis Top- Touristenattraktion. Zur Disposition stehen bereits vier Standorte und ein möglicher Betreiber, wobei der Investor noch fehlt. Auch die wasserrechtliche Genehmigung ist noch offen.
Geradezu schwärmerisch stellt der 43-Handelsvertreter Mattias Goth die Taucherglocke den Überlingern vor. In der Türkei, Kroatien. Ägypten, Russland, Polen und anderen Ländern will er in Verkaufsgesprächen sein. Das Unterwassermodul soll die Touristenattraktion sein. Für Überlingen empfiehlt er eine Gondel mit gut zehn Qua-dratmetern Durchmessern für 45 Personen. Im Vorfeld stehen vier Standorte am Bodensee zur Disposition, wo bis 12 Metern abgetaucht wird. Es ist der Mini- Golfplatz, vor dem Badgarten, ehemaliger Bundesbahnanleger (Bahnhof West) sowie das Grafsches Gelände, wo der Baustoffhandel bis 2010 abgerissen werden soll. Dabei gilt der letzte Standort als Favorit. Der Abschnitt ist seit Jahrzehnten durch die Steilhanglage in den Bodensee ein erklärtes Tauchrevier.
Über einen Steg sollen die Touristen zur Tauchgondel gelangen, die an einem Dalben mit Zahnradgestänge befestigt ist. Gleich einem Fahrstuhl soll die Gondel über zwei Elektromotoren in die Tiefe fahren. Als Verweildauer sind gut 45 Minuten mit Blick auf die Unterwasserlandschaft mit Fischern und Fauna vorgesehen. Im Vortrag erklärt der Handelsvertreter Matthias Goth das Unterwassermodul zum Biologie- Klassenzimmer, für Veranstaltungen jeglicher Art von Kino bis Heirat.
Das Ticket für den Abstieg in den Bodensee, könnte nach Aussage von Matthias Goth gleich den Ostseebädern bei 7.— Euro liegen.
Von der Taucherglocke als Touristenattraktion ist der 47-jährige Oliver Milke von der Barakuda- Tauchschule aus Meersburg fasziniert. Im Vorfeld hat er Interesse als Betreiber angemeldet. Der Tauchprofi: „Der Bodensee ist mit gut 80.000 Tauch-abstiegen im Jahr ein ideales Revier, was entscheidend für den Überlinger See gilt“. Er widerspricht Kritikern, die das Wasser für eine Touristen-Tauchglocke als zu trübe ansehen. Oliver Milke:„Nur im Frühjahr führt durch die jahreszeitliche Erwärmung ein erhöhter Plankton Eintrag sowie Blütenstaub zur Trübung. Die Unterwasserwelt ist im Bodensee durch Höhlen und Unterwerfungen geradezu einzigartig, wobei die Fische beziehungsweise ihre Artenvielfalt mehr im Flachwasserbereich schwimmen“. Der Tauchprofi mit höchster Graduierung, Mitglied / Lehrer im ältesten Tauchlehrerverband Barakuda, Lehrer im CMAS – Welttauchverband sowie im FSI (Scuba Scools International – weltgrößter Verband von Tauchschulen) und Generalsekretär im RSTC-eu.org. Des weiteren Gutachter für Tauchschulen und Obmann für die Zertifizierung dieser. Die Taucherglocke sieht Oliver Milke nicht nur als Touristenattraktion, sondern als Unterwasser-Lehrzimmer für seine Tauchaspiranten.
Bilder: Schultz-Friese / Volker Miske
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