Modernste Lasertechnik vermisst bei Pfahlbauten Unteruhldingen Sturmschäden von Mai 2009
12. April 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, BOULEVARD, GESCHICHTE, NATUR, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, REKORDE, TECHNIK, TOURISMUS, WETTEROrkanartige Böen mit 156 Stundenkilometern zerstörten Häuser der Stein- und Bronzezeit –
Haus von „Steinzeit – Uhldi“ blieb als wissenschaftliches Experiment im Bodensee
UNTERUHLDINGEN. fsf/ Mit modernster 3D- Lasertechnik vermisst der Vermessungsin- genieur Christian Bühler von der Firma ArcTron bei den Pfahl- bauten Unteruhldingen die Sturmschäden vom 26. Mai 2009. Gegen Mittag fegten or- kanartige Böen mit 14 Wind- stärken mit 156 Stundenkilo- metern aus dem Thurgau über den westlichen Bodensee. Das Hornstaad- Haus der Jung- steinzeit, das über Jahre das Zuhause von „Steinzeit- Uhldi“ Mathias Krauss, dem Esslinger Ex- Physikstudenten war, wurde völlig zerstört und ins Wasser gedrückt. Andere Häuser, Rekonstruktionen der Stein- und Bronzezeit, wurden in ihren Fundamenten versetzt und Dächer abgedeckt. Die Museumsleitung entschied das völlig zerstörte Pfahlbauhaus als wissenschaftliches Experiment im Wasser liegen und verrotten zu lassen. Nach über einem Jahr stellt sich jetzt die Frage was ist aus den Bestandteilen wie Holzpfählen, Schilfdachdeckung und Lehmschüttung an den Wänden geblieben? Die Beantwortung ist für die archäologische Pfahlbauforschung sowie der Rekonstruktion elementar wichtig.
1996 wurde mit dass Hornstaader- Haus (Steinzeit um 4.000 v. Chr.) als Rekonstruktion bei den Pfahlbauten errichtet. Es war Teil der archäologischen Grabung des Landesdenkmalamtes auf der Höri von 1979 bis 1990, wo im Uferbereich 40 Häuser ausgegraben wurden. Die Errichtung in Unteruhldingen war ein Lehrstück der TV-Kindersendung mit der „Maus“ mit dem Tigerentenclub, die das Haus einweihten. Vermittelt wurde mit der Errichtung der steinzeitliche Baumschlag, Gerüst / Dachfirst bis zur Lehmwandung und Boden. Nach der Fertigstellung zog 1999 der Esslinger Ex- Physikstudent Mathias Krauss als „Steinzeit- Uhldi” in das 21 qm Haus ein. An die zehn Jahre verfolgte die Wissenschaft seinen Alltag vom Wohnen bis zur Nahrung. Im Sommer ließ er sich von Mücken zerstechen und im Winter wärmte er sich an der Feuerstelle im Haus. Am 26. Mai letzten Jahres musste er aus dem Haus fliehen als sich der Himmel bedrohlich schwärzte, Tennisball große Hagelkörner auf die Erde peitschten und orkanartige Böen die Pfahlbauten ergriffen. Nach gut einer halben Stunde lag das Haus platt gedrückt im Bodenseewasser.
Mithilfe eines 3D-Lasercanners wird derzeit bei den Pfahlbauten Unteruhldingen das im Mai 2009 zusammen gestürzte Haus der Hornstaader- Kultur vermessen und fotografiert. 7,5 Millionen Punkte pro Minute kann Vermessungsingenieur mit dem High Tech Gerätes einscannen. Bei dem Verfahren werden selbst die komplexesten Objekte schnell und vor allem schonend erfasst, unabhängig von der Farbe, der Größe und ihrer Form. Der Laserscanner, der in der Denkmalpflege, aber auch in der militärischen Fernerkundung eingesetzt wird, ersetzt das aufwändige Zeichnen von Hand und ist wesentlich günstiger. Mit Hilfe von 3D-Programmen erstellt der Computer ein maßstabsgetreues, digitales Modell. Je nach Bedarf können damit Bilder, 3-D-Animationen, interaktive Anwendungen oder reale Modelle erstellt werden. Die Ergebnisse der Zerfallsanalysen sollen im Pfahlbaumuseum ab 2011 in einer Sonderausstellung zum steinzeitlichen Hausbau gezeigt werden. Für Herbst 2010 ist der Wiederaufbau des „Maushauses“ nach den neuesten Erkenntnissen geplant.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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