Nach Entschuldigung der BILD kneift die Konstanzer Tourist- Info
7. Mai 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GESCHICHTE, KONSTANZ, KUNST UND KULTUR, MEDIEN, MOBILITY, POLITIK, PROMIS, RECHT, TOURISMUSPeter Lenks “Imperia” dreht sich seit 1993 mit geistiger und weltlicher Macht auf der Konstanzer Hafenmole -
Papst Martin V. von einzigem deutschen Konzil 1414 bis 1418 ist unerwünscht in saniertem Bahnhof
KONSTANZ / BODMAN. fsf / Die Konstanzer Tourist- Information kneift. In einer Sondersitzung hat der Aufsichtrat mit Geschäftsführer Norbert Hennenberger bestimmt, dass der nackte Papst Martin V., Teil der Konstanzer Hafen- Imperia, aus dem zukünftigen Geschäftsbereich im Kons- tanzer Bahnhof verschwindet. Noch vor einer Woche hat sich der Touristiker stolz mit der Skulptur von Peter Lenk foto- grafieren lassen. Doch dann kam die Boulevard-Zeitung BILD und schrieb von Schmähung gegenüber Papst Benedikt XVI. Die Journalisten aus Stuttgart hatten großformatig geschrieben „Nackter Papst schockt im Bahnhof“. Zitiert wurde fälschlich der baden-württemberische Innenminister Heribert Rech sowie der CDU- General- sekretär Thomas Strobl. Nach einer Einstweiligen Verfügung mit einer Gegendarstellung entschuldigten sich die BILD- Redakteure bei Peter Lenk. Sie hatten Papst Martin V. mit Konzil in Konstanz von 1414 bis 1418 mit dem amtierenden deutschen Papst Benedikt XVI. verwechselt. Der journalis- tische Ausrutscher ging bundesweit durch die Medien. Für den Bildhauer Peter Lenk aus Bodman war damit die Sache gelaufen. Doch nicht für die Touristiker. Für sie ist Papst Martin V. als Einzelfigur in Ungnade gefallen. In einer Presse- mitteilung heißt es wörtlich: „Da es offensichtlich nicht mög- lich ist, die Abstraktion aufrecht zu erhalten, da hierzu das Gesamtensemble „Imperia“ mit den Symbolen geistlicher und weltlicher Macht notwendig ist, hat der Geschäftsführer von sich aus erklärt, er werde diese Figur nicht aufstellen und er bedauere die Missverständnisse. Der Aufsichtsrat respektiert die Entscheidung des Geschäftsführers und schließt sich diesem an“. Unverständlich ist die Entscheidung da hinter der Skulptur von Martin V. ein großformatiges Panorama-Foto mit Gesamtensemble der Imperia mit Papst sowie Kaiser Sigismund, der das einzige Konzil auf deutschem Boden einberufen hatte, abgebildet werden sollte. Unverständlich ist des weiteres der Rückzieher, da die Bodensee-Metropole in Planung der Jubiläumsfeierlichkeiten 600 Jahre Konstanzer-Konzil von 2014 bis 2018 ist, wobei der hier gewählte Papst Martin V. die Hauptperson ist.
Der 62-jährige international bekannte Bodmaner Bildhauer Peter Lenk aus Bodman am Bodensee ist ein Meister der Satire, wobei seine Werke historisch sowie gesellschaftlich durchdacht sind. Seine wohl bekannteste Arbeit ist die die neuen Meter große Konstanzer Imperia von 1993, die in ihren ausgestreckten Armen Kaiser Sigismund und Papst Martin V. hält. Für Peter Lenk sind es Gaukler, die sich die weltlichen und geistigen Insignien angeeignet haben. Auf der Konstanzer Mole hält die Kurtisane die nackten Würdenträger in ihren Händen, die an das einzige Konzil auf deutschen Boden in Konstanz von 1414 bis 1418 erinnern sollen, wo Papst Martin V. gegen zwei Gegenpäpste gewählt wurde. Neben der hohen Geistlichkeit aus aller Welt reisten an die 1000 Liebesdamen (Kurtisanen) an. Unter ihnen die hübsche Imperia, die heimliche Herrscherin des Konstanzer Konzils, die die Geliebte von Kardinälen, Fürsten und Markgrafen war. Der Literat Honore de Balzac hat sie in frivolen Geschichten mit „La belle Imperia“ verewigt, wobei diese wieder für Peter Lenk Vorlage waren.
Im November letzten Jahres machte Peter Lenk bundesweite Schlagzeilen als er am Verlagshaus der linksgerichteten TAZ in Berlin gegenüber dem Springer-Verlag den Bild
–Chefredakteur Kai Dickmann mit einem 15 Meter langen Penis als Schlange an der Hausfront abbildete. Dazu spielt Friede Springer als Beschwörerin die Flöte. 2008 war es an der Front des Zollhauses zugehörig dem Bürgermeis- teramt in Bodman- Ludwigshafen ein dreiteiliges Triptychon in zehn Meter Länge mit Thema „Ludwigs Erben“. Die „Global Players“, ein Teil des Reliefs, wo sich die nackten Politiker EX- Finanz-minister Hans Eichel, Ex-Bundeskanzler Gerd Schröder, Bundes- kanzlerin Angela Merkel, der bayerische EX- Ministerpräsident Edmund Stoiber und FDP-Chef Guido Westerwelle an den Genitalien halten wird zur weltweiten Schlagzeile. Im Teilbereich des Tripty- chons schwimmen der Daimler-Chef Dietmar Zetsche sowie der Volkswagen- Tycoon Ferdinand Piech, der Medienmogul Leo Kirch und der Deut- sche Bank-Chef Josef Ackermann (alles Peanuts) nackt im Geldbad. Mit dem Relief will der Künstler Peter Lenk die Verlogenheit und Raffgier in der Politik sowie Wirtschaft aufzeigen. Aktuell ist derzeit seine neueste Arbeit der nackte CDU- Fraktions- vorsitzende Volker Kauder im Bananeröckchen a la Josefine Backer. Der Hintergrund: der hochkarätige Politiker hat in seinem Wahlkreis Tuttlingen-Rottweil bis Bodensee Künstler zur Spende für Kinder in Afrika während der Fußballweltmeisterschaft aufgerufen. Für den Bodmaner Künstler Peter Lenk der Auftrag zu helfen. Versteigert werden die Arbeiten mit Ausstellung in den Tuttlinger Hallen über Internet. Für den nackten Lenk-Kauder soll bereits ein Gebot von 8.000 Euro vorliegen.
Der geforderte Abbau von Papst Martin V. aus der zukünftigen Touristik-Zentrale im sanierten Konstanzer Bahnhof ist für den Künstler Peter Lenk ein persönlicher sowie künstlerischer Affront. Er fordert die Namen der Entscheidungsträger. Die möglichen Gegner sieht er in der Stuttgarter Politik und in der Geistlichkeit, wobei sich letztere besser um ihre Missbrauchsfälle kümmern sollten. Als Entscheidung sieht er mögliche Einladung an Papst Benedikt XVI. zur 600-jährigen Konzilfeier in Konstanz von 2014 bis 2018. Seine Heiligkeit könnte Anstoß an der Imperia mit nacktem Tatsachen nehmen. Der Künstler Peter Lenk erinnert an die dunkle Geschichte des Konzils wo die Reformatoren Jan Hus sowie Hieronymus als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, wobei ihnen freies Geleit versprochen war. Die anstehenden Konzilfeierlichkeiten sieht er im Vorfeld als ein Folkore- Festival.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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