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Neuer Staudengarten auf der Mainau – die Seele baumeln lassen

1. September 2010 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, INSEL MAINAU, NATUR, PROMIS, TOURISMUS, UMWELT

Die gräfliche Insel wird immer üppiger: 16.000 Pflanzen in 800 Sorten auf 3.000 qm Beetfläche


MAINAU.red/ „Stauden sind Blumen, die im Winter aus scheußlichem Gestrüpp be- stehen oder gar nicht vorhanden sind, falls man nicht in der Erde nachwühlt. Bei einem Mindestmaß an Freundlichkeit blühen sie jedes Jahr wieder. Hat man sie lieb, bedanken sie sich überschwänglich“. Mit diesen Zeilen beschrieb der bekannte Gärtner, Staudenzüchter und Garten- philosoph Karl Foerster das Wesen unserer Gartenstauden und er hätte es kaum treffender formulieren können. Foerster hat mit seiner Arbeit entscheidend zur Ver- breitung und Verwendung von Stauden im Hausgarten beigetragen. In den letzten Jahren haben sie sich bei Gartenfreunden mit zu den be- liebtesten Pflanzen gemausert. Alljährlich kommt eine Vielzahl an Staudenneuheiten auf den Markt, die um die Gunst der Pflanzenfreunde buhlen. Staudenpflanzungen in unterschiedlichen Facetten, Formen und Qualitäten sind stark in Mode gekommen und haben einen neuen Gartentrend geschaffen. Nun gewinnt dieses Gartenthema auch auf der Mainau an Bedeutung.

Für das spannende Projekt „Staudengarten auf der Insel Mainau“ konnten zwei hochkarätige Partner gefunden werden: Die Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. (GdS) – mit ihrer Präsidentin Barbara Weidemann an der Spitze – fördert das Vorhaben finanziell und hat mit ihren Arbeitsgruppen Anregungen für die Planer formuliert. Das Konzept für die neue Gartenanlage im Hinblick auf Wegeführung und Pflanzenzusammenstellung stammt vom dritten Projektbeteiligten, Herrn Prof. Dr. Stefan Körner von der Universität Kassel. Mit seinem Team an der Hochschule hat er für das Projekt den Entwurf erstellt und abhängig von den Standortgegebenheiten die Pflanzenkombinationen entwickelt. Der Gestaltungsansatz für die neue Gartenanlage ist einfach und funktional: Unterhalb der Weinbergmauern verlaufen parallel zwei Hauptwege, die das Gelände an die Promenade der Wild- und Strauchrosen anschließen und so den Besucher direkt und stufenlos in die Anlage führen. An drei markanten Stellen entstanden rechteckige Plätze, die, mit Sitzmobiliar ausgestattet, zum Ausruhen und Treffen einladen. Von den beiden Hauptwegen gehen schmalere Wege ab, die durch ihre regelmäßige parallele Anordnung Beete entstehen lassen und so der Anlage eine harmonische Struktur verleihen und es den Besuchern ermöglichen, den Pflanzen möglichst nahe zu kommen. „Wir legten großen Wert darauf, die Anlage in das Bestehende einzupassen und Sichtbeziehungen zu den alten Weinbergmauern und zum Bodensee aufzubauen“ führt Stefan Körner aus.

In der Tradition der üppigen Blumenpracht der Mainau

In den Beeten wurden Staudenpflanzungen angelegt, bei denen das klassische System der Pflanzenverwendung nach Lebensbereichen neu aufgenommen und weiterentwickelt wurde. Die Pflanzen wurden bei dieser Planerstrategie – vereinfacht ausgedrückt – je nach Standortansprüchen an jene Stellen gepflanzt, die diesen Wünschen am ehesten gerecht werden und mit anderen Pflanzen, die die gleichen Ansprüche haben, kombiniert. Der neue Staudengarten auf der Insel Mainau unterscheidet sich durch die Verwendung von ansprechend blühenden Staudenklassikern wie orientalischem Mohn, Pfingstrosen oder Taglilien deutlich von Pflanzungen mit Steppen- oder Präriecharakter und steht dabei in der Tradition der eher üppigen Blumenpracht der Mainau. „Wir wollen die Gärten bunter machen“, beschreibt Barbara Weidemann das Ziel der Gesellschaft der Staudenfreunde. Das war auch beim Mainauer Staudengarten Prämisse. „Grundlage des Konzepts war, dass die neuen Staudenpflanzungen nicht den bekannten Vorbildern Englischer Mixed Border oder extensiver Präriepflanzungen ähneln, sondern den „New German Garden Style“ aufgreifen“, der aus naturhaften Pflanzungen besteht. Neu an der Pflanzung auf der Mainau ist, dass dieses Prinzip auf üppige Beet- und Prachtstauden übertragen wird. Die Verwendung von Pflanzen mit ansprechendem Blütenflor ist aber nur ein Aspekt in der Pflanzenkomposition: Durch eine entsprechende Auswahl von Gerüst- und Strukturbildnern wie Gräsern und Gehölzen mit Rindenschmuck ist die Pflanzung auch im Herbst und Winter attraktiv. „Weiden mit orangefarbener Rinde, die mit den Stauden im Frühjahr zurück geschnitten werden, und Buchenhecken mit kupferfarbenem Laub kontrastieren mit dunkelgrünen Taxushecken“, so Prof. Körner. „Der Mainauer Staudengarten garantiert so ganzjährig sich stets verändernde Beetimpressionen“, erläutert Barbara Weidemann. Und wer als wiederkehrender Besucher den Garten immer wieder aufsucht, erlebt die Dynamik der Pflanzung immer wieder von neuem.

16.000 Pflanzen in 800 Sorten auf 3.000 m² Beetfläche

Der Staudengarten umfasst rund 3.000 m² Beetfläche und ist wegen seiner attraktiv gestalteten Beete ein Ort, an dem sich der garteninteressierte Inselbesucher inspirieren lassen und Ideen für den eigenen Staudengarten erfassen kann. Aber auch für den Erholungssuchenden lohnt sich ein Besuch. Plätze und Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein und schaffen die Möglichkeit, in Ruhe den Blick über das Staudenmeer aus 16.000 Pflanzen in 800 Sorten schweifen zu lassen. „Stauden verändern sich langsam und kontinuierlich und diese Dynamik mit intensiven Blütenhöhepunkten lässt den Besucher den Jahresverlauf erleben. Im Frühjahr blühen z. B. nach den Krokussen, Tulpen und Narzissen die Pfingstrosen, die Sibirische Iris und der Orientalische Mohn, gefolgt von Steppensalbei und Zierlauch im Frühsommer. Im Spätsommer bietet sich ein Feuerwerk aus Rudbeckien, Helenium, Coreopsis und Staudensonnenblumen, um im Herbst mit Gräsern und Astern die Vegetationsperiode zu beschließen“, erläutert Stefan Körner das Blühkonzept. Die Blühmomente gehen langsam ineinander über, wodurch die entschleunigende Wirkung des Staudengartens nochmals unterstrichen wird

Bild: Mainau Presse

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