Neuer Storchenrekord auf Affenberg Salem: alle 47 Horsten besetzt
3. Mai 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, TOURISMUSWeltweit bekannter Sender-Storch Maxi brütet seit 2003 auf dem Telegraphenmast in Tüfingen –
Geschwächte 36- jährige Storchen-Oma aus Riedlingen stellt Altersrekord auf
SALEM / BODENSEE. fsf/ Gegen 11 und 16,45 Uhr füttert der 20- jährige Zivi Sebastian Häßler auf dem Affenberg Salem die Störche mit Eintagsküken und Fischlein. Noch ist kein großes Geflatter. In gut sechs Wochen, wenn die Jungstörche ge- schlüpft sind, schnappen vielfach an die 50 Störche und mehr auf der Fütter- ungswiese mit langen Schnäbeln nach Futter. Es gilt den Hunger der Storchenjungen zu stillen, was die Alten in Streß bringt. Auf dem Affenberg Salem, neben dem größten europäischen Affen- freigehege eine der größten Storchenstationen in Süddeutschland, sind alle 21 Horste auf Dächern sowie Baumkronen besetzt. Dazu kommen noch einmal 26 Außenhorste in den Umlandgemeinden. Gleich dem letzten Jahr wird mit einem Rekord von über Hundert Jungstörchen gerechnet. Die Attraktion ist wie in letzten Jahren der Senderstorch Maxi. Eine sie, benannt nach dem Schweizer Storchenvater Max Bloesch. Seit Juli 1999 hat sie einen Peilsender im Gefieder und wird weltweit über Satellit verfolgt. Über 24 Jungstörche hat die Hightech-Dame in zehn Jahren ins Nest gebracht. Sie brütet gut fünf Kilometer vom Affenberg Salem entfernt in einem Außenhorst in Tüfingen auf einem Telegraphenmast. Neben Maxi ist dieses Jahr die 36- jährige Riedlinger Storchen-Oma die Attraktion. Geschwächt wird sie derzeit in einer Voliere neben der Fütterungswiese aufgepäppelt. Sie gehört weltweit zu den ältesten Störchen. Ihr Alter ist eine Sensation. In der Regel gehen die Ornithologen von 25 Jahren aus. Dazu kommt noch, dass nicht einmal zehn Prozent der Jungstörche überleben.
Ein Storchenpaar aus dem Baseler-Zoo sowie vier Paare aus dem Elsass machten 1978 auf dem Affenberg Salem den Anfang. Ihr Geklapper zog weitere Artgenossen an. Heute ist der Affenberg Salem im Bodenseehinterland eine der führenden Storchenstationen in Süddeutschland. Das Touristenareal ist maßgebend an der Wiederansiedlung des Weißstorches in Deutschland beteiligt. Entscheidend ist hier die Zufütterung so der Leiter des Affenbergs Salem Dr. Roland Hillgartner: „Die Praxis zeigt, dass die Störche bei Zufütterung mehr Junge zur Welt bringen, was entscheidend für die Population und damit Bestand des Weißstorches ist“. Weiter führt er aus, dass es Mitte der 70er Jahre in Baden-Württemberg gerade noch 15 Brutpaare gab, heute sind es über 400 Vögel, dabei wurde von jedem fünften bis sechsten Brutpaar ein Paarpartner auf dem Affenberg Salem beringt.
Im Juni werden die Jungstörche von der Vogelwarte Radolfzell beringt. Im August ist für die Salemer Großvögel Abflug über die Westroute, ausgehend von Schleswig Holstein bis Bayern. Sie fliegen über Frankreich, Spanien,
Gibraltar nach Afrika Marokko, Algerien, Senegal bis zur Elfen- beinküste um zu überwintern. Nach Aussage von Ornithologen sind es an die 3.000 Ade- bare, die geschickt die Thermik bis in die Höhe von 2.500 Metern nutzen. Die eigentliche Population mit gut 300.000 Weißstörchen kommt aus Polen, Ungarn, Österreich und Ostdeutschland. Die hohe Anzahl resultiert aus einen urbanen Landwirtschaft mit einer vielfach intakten Natur. Entsprechend ist das Nahrungsangebot von Würmern, Fröschen, Schnecken, Insekten bis Mäusen. Sie fliegen zu überwintern die Ostroute. Zur Falle wird für sie der Flug nach Süden durch eine extreme Landschaftsverdrahtung. Gut 90 Prozent der Jungstörche erleiden den Stromtod oder verunfallen durch Züge und Autos.
Die geschwächte 37-jährige Altstörchin brachten Riedlinger Bürger zur Pflege auf den Affenberg Salem. Über den Winter hatten sie den Vogel durchgefüttert. Nach der Ring- nummer ist der Adebar einer der ersten Vögel zur „Wiederansiedlung des Weißstorches in der Schweiz“ von Storchenvater Max Bleosch aus Altreu bei Bern. Auf den Namen des Storchenvaters wurde der weltweit erste Sendestorche Maxi getauft, wobei man an- fangs davon ausging, dass es ein Männchen ist. Als sie dann im Jahre 2002 vor laufender Video-Kamera auf dem Affenberg Salem brütete war das Geschlecht klar. Via Satellit wird sie seit 1999 vom Naturhistorischen Museum Fribourg von den Wissenschaftlern Dr. Adrian Aebischer sowie Dr. Andre Fasel verfolgt. Sie werten das Artverhalten sowie die Flugdaten aus. Letzten Winter verbrachte sie im Naturschutzgebiet in Andalusien und besetzte Mitte Februar wieder ihren Horst auf dem Telegraphenmast in Tüfingen. Hier kopulierte sie anfangs mit einem fremden Storch bis sich ihr Partner vom letzten Jahr durchsetzte.
Weitere Infos unter: www.affenberg-salem.de
Bild: Fritjof Schultz-Friese
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