Nobelkarosse im Zeppelin- Museum von Motten und TÜV verfolgt
20. Oktober 2007 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, FRIEDRICHSHAFEN, GESCHICHTE, HOBBY, MEDIEN, MOBILITY, PROMIS, TECHNIK, TOURISMUS- Aus Motorenbau für Luftschiffe wurde der Maybach DS8 Zeppelin -
– Auto der 30er Jahre kostete an die fünf Einfamilienhäuser -

FRIEDRICHSHAFEN. fsf/ Der weltweit besterhaltene Maybach DS8 Zeppelin Baujahr 1938 steht im Zeppelin-Museum Friedrichshafen. Bei Ausfahrt zu Mercedes nach Ravensburg nistete sich in das Prunkstück der 30er Jahre der Nachtfalter Tineola bisselliella, die gefräßige Kleider-motte, ein. Für die Museumsleitung Alarmstufe Rot, hat die Nobelkarosse doch mittlerweile einen unschätzbaren Wert. Für gut einen Monat wurde der 5,52 Meter lange Oldtimer, 3,6 Tonnen schwer, in einer Mehr-komponentenfolie, in einem Atmos- Zelt verpackt, und die Brut der Kleidermotte mit 99-prozentigem Stickstoff vergast. Doch kaum aus der Verpackung, so Jürgen Bleibler, Museumsleiter für Technik, Zeppelin-Geschichte und Luftschifffahrt, kommt das nächste Ungemach. Der Maybach will nicht anspringen, die Original-Elektrik streikt, dabei ist noch diesen Monat der TÜV fällig. Jetzt wird nach einem Autoelektriker gesucht, der sich auf Oldtimer versteht.
Zum Luftschiffbau gehört in Friedrichshafen die Tochterfirma Maybach- Motorenbau, heute MTU. Sie wurde zum Hersteller von Motoren für die Zeppeline und Flugzeuge. Nach verlorenem 1.Weltkrieg mit Diktat Versailler Vertrag war der Markt tot. Für den Firmeninhaber Wilhelm Maybach die Umstellung auf Automotoren. Die Motorenbauer vom Bodensee belieferten die holländische Firma „N.V. Nederlandse Automobiel – en Vliegtuigfabriek“ in Trompenburg, die Nobelkarossen herstellten. Als diese Pleite ging blieb Maybach auf über 500 Motoren sitzen. Für den Motorenbauer vom Bodensee 1921 die Entscheidung zur eigenen Automobilkonstruktion, wobei sie sich auf ihr Kerngeschäft beschränkten. Der vorgegebene Karosseriebau ging an Subunternehmer wie Spoun in Ravensburg (Ausstellung im Zeppelin- Museum). 53 verschiedene Modelle wurden gebaut, wobei der Maybach DS8 Zeppelin zum Prunkstück für den Adel sowie Wirtschaftsmagnate, gleich einem Rolls Royce, wurde. Die vermeintlich volkstreuen Nazis verpönten die Nobelkaroasse als nicht „nationalsozialistisch“. Der Luftschiffbau- Konzernlenker Hugo Eckener fuhr ihn sowie der Maharadscha von Patiala, Prinz Bernhard der Niederlande, die Regierungsvertreter der Schweiz und Österreich…. und der Schauspieler Gustav Fröhlich. An die 300 Exemplare wurden von den Luxustypen Maybach 12 bis DS7 und DS8 gebaut, wobei die gesamte Fabrikation bei 2.300 Fahrzeugen lag.
Die technischen Daten der Luxuskarosse Maybach DS8 Zeppelin: Motor V-12 Leichtmetall, Hubraum 7922cm/3, 200 PS mit einer Höchst-geschwindigkeit von 150 bis maximal 170 km/h je nach Aufbau und Übersetzung, auf 100 KM ca. 28 Liter Benzin sowie Ölverbrauch ca. 0.4 Liter auf 100 Kilometer, Maybach- Doppel-schnellgang- Getriebe Typ DSG 80,4 geräuschlose Gänge. Fünf Vorwärts- ein Rückwärtsgang.
Chauffeurfahrzeug mit Rechtslenkung mit Zulassung für fünf „Passagiere“.
Preis: 36.250 RM zahlbar bei Lieferung.
In den nächsten Tagen entscheidet der Kurator vom Zeppelin-Museum Friedrichshafen Jürgen Bleibler (Bild) wie der Maybach DS8 Zeppelin mit Kennzeichen
„FN ZM 39 H“ zum TÜV rollt. Dabei wird die Prüfung der Oldtimer- Nobelkarosse zum Medienereignis.
Bild: (C) Fritjof Schultz – Friese
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