Orkan tötete Storchenjunge auf Affenberg Salem und Umgebung
29. Mai 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, SALEM, TOURISMUS, WETTERAlle 40 Horste werden gesichtet und Vögel vorzeitig beringt -
Sender-Störchin „Maxi” aus Tüfingen ist weltbekannt

SALEM / BODENSEE. fsf/ Der Orkan macht es dringlich, Mitarbeiter vom Affenberg Salem sichten derzeit die 40 Storchenhorste im Salemer- Touristenareal Mendlishauser- Hof sowie nähere Umgebung, wobei die staksigen Vögel zugleich mit Marke der Vogelwarte Radolfzell beringt werden. Im Areal hat der Sturm drei Gehege mit Jungen zerstört. In der Gemeinde Mühlhofen wurde ein Storchennest auf einem 30 Meter Schornstein geradezu abrasiert. Der Altstorch wurde an die Hauswand geschleudert und an einem Harken stranguliert. Der Leiter vom Affenberg Salem, eine der größten Storchenstationen in Süddeutschland, Dr. Roland Hilgartner: „Bis jetzt haben wir zehn tote Jungstörche gezählt, wobei die Sichtung gerade in den Umlandregionen, die von uns mitbetreut werden, noch nicht abgeschlossen ist”. Als eines der ersten Außenhorste wurde das Gehege von Sender-Storch „Maxi” auf einem zehn Meter Strommast in der Gemeinde Tüfingen kontrolliert und die drei vier Wochen alten Jungen beringt. Die Vögel sind trotz Sturm in guter Verfassung. Im Nest lag ein nicht ausgebrütetes Ei.
Seit 1978 ist der Affenberg Salem mit größten europäischem Affenfreigehege, in dem auf 20 Hektar an die 200
Berberaffen (Mackacken) leben, – derzeit gibt es 13 Junge -, Storchenstation. Im letzten Jahr kamen hier mit Rekord 105 Junge zur Welt beziehungsweise in den Horst. Im Frühjahr klappert es von den Dächern sowie den Baumkronen, womit die Adebare signa- lisieren, dass es sich um ihr Gehege handelt sowie warnen.
Auf dem Affenberg mit Hofgut Mend- lishausen brüten 18 Brut- paare sowie im Umkreis von gut zehn Kilometern, in den Gemeinden Altheim, Frickingen, Salem, Mimmenhausen sowie Tüfingen und anderen noch einmal 22 Paare. Um 11 und 16,45 Uhr ist für die Störche Fütterung am Weiher mit Eintagsküken und Fischlein. Die Zufütterung weil das Nahrungsangebot selbst in der scheinbar heilen Bodensee-Region nicht ausreicht. Ein Gehege mit drei bis vier Jungen benötigt täglich an die vier Kilo Insekten, Schnecken, Würmern, Fröschen bis Mäusen. Für die Storchen- eltern vielfach nicht machbar, was zum Hungertod der Mini- Adebare führt.
Nach gut sechs Wochen beginnen für die Jungstörche die ersten Flugversuche. Ausgewachsen erreichen sie mit ihren Flügeln eine Spannweite von gut zwei Metern. Bereits mit zwei Jahren sind sie geschlechtsreif, wobei sie bis 25 Jahre alt werden können, was in seltensten Fällen der Fall ist. Gut 90 Prozent der Störche erleiden den Tod durch Stromleitungen, Züge, Autos oder andere. Abflug ist für die Jungstörche Ende August. Dabei sammeln sie sich in Schwärmen am Himmel. Die Vögel der Westpopulation, aus- gehend von Schleswig-Holstein bis Bayern, fliegen über Frankreich, Spanien, Gibraltar nach Afrika Marokko, Algerien, Senegal bis Elfenbeinküste um hier zu überwintern.
Der Sender-Storch „Maxi” ist Wissenschaftlern weltweit ein Begriff. Bereits Ende Februar besetzte sie ihren Horst in der Bodensee-Gemeinde Tüfingen auf einem Strommast und wartete auf ihr Männchen zur Paarung. „Maxi” mit Fieberglassender im Gefieder ist Kult. Dabei wurde ihr Geschlecht erst durch eine Live-Kamera im Jahre 2002 auf dem Salemer Affenberg offenbar. Benannt wurde sie, – wobei man anfangs von einem Männchen ausging-, nach dem Schweizer Storchenforscher Max Bloesch von der Station Altreu. Als Jungvogel bekam sie am 5.Juli 1999 vom Naturhistorischen Museum Fribourg gleich 24 weiteren Störchen einen Peilsender mit Solarzellen implantiert. Damit konnte sie von der Wissenschaft via Satellit verfolgt werden, was weltweit einmalig ist. Während die anderen Störche starben steht „Maxi” seit zehn Jahren unter Beobachtung. Verfolgt wird der Vogelzug der Störchin in die Überwinterungsgebiete nach Marokko und seit zwei Jahren in den Nationalpark in Südspanien nähe Sevilla. Mittels Sender erkennen die Schweizer Forscher Fluggeschwindigkeiten von gut 150 Stundenkilometern und Distanzen von über 300 Kilometern am Tag, wobei die Störche geschickt die Thermik ausnutzen. Bei Besuch auf dem Affenberg Salem der Direktor des Naturhistorischen Museums in Fribourg (Schweiz) Andre Fasel: „Maxi ist weltbekannt”.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
Weitere evtl. interessante Artikel:
- Gezielte Empfängnis auf Affenberg Salem
- Ab November ungestörte Liebe im größten europäischen Freigehege -... - Affenberg Salem weiter die No.3 im Bodensee-Tourismus
Zehn Prozent des Weltbestandes leben bei Baron de Turckheim- Kinder... - Neuer Storchenrekord auf Affenberg Salem: alle 47 Horsten besetzt
Weltweit bekannter Sender-Storch Maxi brütet seit 2003 auf dem Telegraphenmast... - Bundestagswahl auf dem Affenberg Salem
Parteiführer „Adonis“ hat vorzeitig geschmissen jetzt Neuwahl - Seit 1976... - Rangkämpfe und Brunftzeit auf Affenberg Salem
Berberaffen der Gruppe F haben noch immer keinen neuen Anführer...
Anzeige

