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Pfahlbauten

Pfahlbausiedlungen Sipplingen im Jahr 2011 Weltkulturerbe?

26. März 2010 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, KULTURERBE, NATUR, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, TOURISMUS

Landesdenkmalamt beendet Wintertauchsaison mit prähistorischen Funden im Bodensee –

Von 25.000 Quadratmetern mit 18 Siedlungen seit 1980 gerade fünf Prozent unter Wasser erforscht


SIPPLINGEN. fsf/ Das Landes- denkmalamt hat die archäologi- sche Tauchsaison vor Sipplin- gen, mit 25.000 Quadratmetern eines der größten Pfahlbau- felder im Bodensee mit 18 Sied- lungsschichten von der Jung- steinzeit 3919 v. Chr. bis zur Spätbronzezeit um 832 v. Chr., für dieses Jahr abgeschlossen. Die ausgebildeten Forschungs- taucher Adelbert Müller und Kollegen haben von Februar, hier noch im Kampf mit Eis- schollen, bis Ende März an die 12 Quadratmeter Seegrund mit dem Strahlrohr, Unterwassersauger und Kelle bis zu 80 Zentimeter Tiefe umgraben. Die Funde sind ein Knochenmeißel, Geweihharpune aus Hirschhorn, Tierzahnanhänger, Beilholm, Scherben sowie ein fast erhaltener Tontopf der Pfyner Kultur um 3700 v. Chr.. Die sensationellsten Funde vor Sipp- lingen waren bisher eine gut erhaltene Sandale der Horgener Kultur um 2850 v Chr., eine Bären- fellmützeimitat (statt Fell Rinderbast) und bemalter Hüttenlehm. Seit 1980 erforscht das Landesdenkmalamt die Pfahlbausiedlung vor Sipplingen, wobei bisher in der Taucharchäologie gerade fünf Prozent und 12 Prozent an der Oberfläche umgraben wurde. Durch den Hafen-bau wurden gut 20 Prozent der Pfahlbausiedlung zerstört. Von der Horgener Kultur sind es an die 50 Prozent. Um die Pfahlbaufelder vor Erosion zu schützen investieren seit dem Jahr 2008 die EU über Interreg IV zwei Drittel sowie das Landesdenkmalamt ein Drittel der Kosten in eine Abdeckung der Sied- lungsschichten mit Kies und Geotextilien. Für Sipplingen und 20 weitere Pfahlbausiedlungen in Baden- Württemberg hat das Landesdenkmalamt den Antrag als Weltkulturerbe bei der UNESCO in Paris gestellt. Federführend für die Eingabe ist die Schweiz für sechs europäische Alpenländer mit 156 prähistorischen Pfahlbaufundstellen. Bis Mitte nächsten Jahres will die UNESCO den Antrag geprüft haben. Sipplingen, das schönste Dorf am Bodensee, hofft auf die Anerkennung Weltkulturerbe.

50 Jahre vor dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, von 1929 bis 1930 erforschte der bekannte Archäologe Professor Hans Reinerth, der Erbauer der Pfahlbauten Unteruhldingen, in einer Kastengrabung die Pfahlbausiedlungen vor Sipplingen. Nachgewiesen werden können heute 18 Siedlungsschichten, wobei die Schicht No. 15, nach dendrochonologischer Analyse um das Jahr 2917 v. Chr. mit Bestand von gut 60 Jahren, am bestem erhalten ist. Nach Rekonstruktion soll sie aus gut 150 Häusern mit einem Dorfkern und Palisade bestanden haben. Für die Wissenschaftler haben hier an die 1000 Menschen gelebt. Das Land hat für die Erforschung der Pfahlbauten von Sipplingen bisher 330.000 Euro investiert. Der auslaufende Etat für 2010 inklusive Taucharchäologie liegt bei 30.000 Euro, wobei die Kosten hier vom Landesdenkmalamt sowie der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) getragen werden.

Um das „Unterwasserarchiv“ zu schützen hat das Regierungspräsidium Stuttgart mit Part- ner Baden-Württemberg, Vorarlberg und der Schweiz das Interreg-Projekt „Ufererosion und Denkmalschutz im Bodensee und Zü- richsee“ ins Leben gerufen. Hierfür steht bis ins Jahr 2011 ein Etat von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser setzt sich mit Schwerpunkt von 1,1 Millionen Euro durch das Interreg IV-Programm „Alpenrhein- Bo- densee- Hochrhein“ zusammen sowie 820.000 Euro aus den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und rund 280.000 Euro Schweizer Interreg-Mittel. Das Regierungspräsidium Stuttgart ist Projekt- koordinator (Lead- Partner). Weitere Partner sind das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau, die Abteilung Archäologie und Denkmalpflege der Baudirektion des Kan- tons Zürich, das Vorarlberger Landes- museum und das Institut für Seenforschung Langenargen. Das Limnologische Institut der Universität Konstanz beteiligt sich im Rah- men einer Kooperation. Erforscht werden soll die zunehmende Erosion in Flachwasser- zonen sowie umweltschonende Schutz-massnahmen. Auch wird an die Entwicklung eines Monitoringsystems zur Überwachung der Fundstellen gedacht.

Das Landesamt für Denkmalpflege im Re- gierungspräsidium Stuttgart mit seiner Ar- beitsstelle für Feuchtbodenarchäologie in Hemmenhofen ist für alle Fragen im Zu- sammenhang mit der UNESCO-Kandidatur der Pfahlbauten für Baden-Württemberg zu- ständig. Der Antrag zur Kandidatur befindet sich jetzt im Prüfstadium, alle in diesem Zusammenhang aufkommenden Arbeiten werden hier zusammengefasst und mit den Kollegen in der Schweiz abgestimmt. Der Managementplan für die Betreuung der Feuchtbodenstationen wird optimiert. Eben- so werden Vorüberlegungen angestellt hin- sichtlich der Vermittlungsarbeit, sollte die Welterbekommission die Kandidatur positiv entscheiden. Die Kommunen, auf deren Grund sich die Stationen befinden, werden regelmäßig über den Stand des Antrages informiert. Ansprechpartner beziehungsweise Koordination für die 21 Pfahl- bausiedlungen in Oberschwaben und Bodensee als mögliches Weltkulturerbe ist die Archäologin Sabine Hagmann vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Gaienhofen- Hemmenhofen auf der Höri.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese



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