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Pfahlbauten

Pfahlbauten Unteruhldingen fordern Zertifizierung für private Museen und staatliche Fördermittel

11. Februar 2008 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, KUNST UND KULTUR, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN

Größtes Freilichtmuseum finanziert sich seit Bestehen selbst –
Wissenschaftler betreuen jährlich an die 110.000 Schüler-

UNTERUHLDINGEN. fsf/ Eine Zertifizierung sowie Fördermittel für private Museen fordern die weltbekannten Pfahlbauten Unteruhldingen vom Land Baden- Württemberg gleich den Ländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bremen. Die Pfahlbauten Unteruhldingen, 23 Stelzenhäuser im Bodensee mit Rekonstruktionen der Jungsteinzeit bis Bronzezeit (5000 bis 850 vor Christi) werden jährlich von gut 300.000 Touristen besucht, davon sind an die 110.000 Schüler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland mit Lehrauftrag in Geschichte, Erdkunde, Biologie, Mensch und Umwelt bis Philosophie und Religion. Der Leiter der Pfahlbauten Unteruhldingen Dr. Gunter Schöbel: „Wir wollen vom Land keine Vollunterstützung, sondern primär eine Anerkennung, wozu eine Zertifizierung, ein Qualitätsmaßstab gehört“. Auf Anfrage heißt es im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Der Antrag wird geprüft“.

30,5 Millionen haben bisher die SWR- Doku- Serie „Living Science – Das Experiment: Leben wie vor 5000 Jahren“ mit Dreh 2006 oberhalb von Ravensburg sowie „auf den Spuren von Ötzi über die Alpen, vom Bodensee bis Bozen“ gesehen. 13 Protagonisten, vom Kind bis Oma, lebten total abgeschottet an die zehn Wochen als Selbstversorger in der Steinzeit. Der wissenschaftlich authentische Film wurde bisher in mehrere Sprachen wie Französisch sowie Schwedisch übersetzt. Die 2,3 Millionen Euro teure Produktion, mit Option für den Grimme- Preis, gilt als die erfolgreichste TV- Doku- Serie. Seit April letzten Jahres stehen die drei Original- SWR- Steinzeit-häuser bei den Pfahlbauten Unteruhldingen. Im Frühjahr soll in das einstige Lagerhaus eine Steinzeitwerkstatt eingerichtet werden. Die TV-Serie, mit Sendung ab Mai letzten Jahres, ließ die Besucherzahlen bei den Pfahlbauten boomen.

Geradezu bescheiden feierten die Pfahlbauten Unteruhldingen im letzten Jahr, gegründet am 12. März 1922 von Wissenschaftlern des Urgeschichtlichen Forschungsinstituts Tübingen sowie Bürgermeister und Hobbyarchäologen, ihr 85-jähriges Bestehen. Finanziert wurde das Freilichtmuseum mit 150 Volksaktien, wobei der Auftrag neben der Erschließung als Touristenattraktion die archäologische Forschung war und ist. So sind in den Pfahlbauten drei Wissenschaftler und bis zu 54 Mitarbeiter tätig, bis heute wurden aus dem Bestand des Archivs gut ein Dutzend Doktor- und Diplomarbeiten geschrieben. Die Bibliothek im Forschungsinstitut umfasst 25.600 Bücher, es werden rund 300.000 prähistorische Funde verwaltet sowie rund 108 Ausgrabungen von Unteruhldingen bis Bad Buchau dokumentiert sowie 2.436 Kleinmodelle aufbewahrt.

Dr. Gunter Schöbel, seit 1990 kaufmännischer sowie wissenschaftlicher Leiter der Pfahlbauten Unteruhldingen: „In Deutschland gibt an die 6000 Museen, davon 1250 in Baden-Württemberg, wovon gerade ein Prozent staatlich sind. Die Privaten, die vielfach vorbildliches leisten, kämpfen vielfach um ihre Existenz. In Frankreich, England, Holland und USA sowie in den deutschen Bundesländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz sowie Freistaat Bremen entscheidet eine Zertifizierung über mögliche Fördergelder“. Als Qualitätsmaßstab sieht Schöbel für die Pfahlbauten die Gesamtanlage mit 23 Häusern, die prähistorischen Funde (Pfahlbau-Hölzer, Netze, Töpferwaren, Schmuck, Waffen, organische Materialien und andere), Sonderausstellungen sowie Präsentation, Freundlichkeit des Personals bis zum Feuerschutz. Das Gesamtpaket entscheidet.
Im September letzten Jahres haben die Pfahlbauten Unteruhldingen beim baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den Antrag auf Fördermittel gestellt, wobei sie durch die Parteienvertreter von CDU Ulrich Müller, SPD Norbert Zeller und FDP Hans-Peter Wetzel unterstützt werden.

Luftbild: (C) Fritjof Schultz – Friese

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