Pfahlbauten Unteruhldingen werden mit ungarischem Schilf gedeckt
12. März 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGENMuseumsleiter Schöbel fordert das Regierungspräsidium auf heimische Ressourcen zu nutzen -
In Naturschutzgebiet „Seefelder-Aach“ sind von 54,7 Hektar an die 70 Prozent Schilfbestände
UNTERUHLDINGEN / BODENSEE. fsf/ Knapp 1000 Quadratmeter Steinzeit decken derzeit die Reetdachdecker Winfried Preuß und Olaf Zander bei den weltbekannten Pfahlbauten Unteruhldingen am Bodensee, dem größten und ältesten archäologischen Freilichtmuseums Europas. Die gut 10.000 Bündel Schilf kommen aus Ungarn vom Plattensee aus der Region Balaton. Für den Museumsleiter der Pfahl-bauten Dr. Gunter Schöbel ist die Dachdeckung mit ungarischem Schilf unverständ-lich, wächst doch in absoluter Nachbarschaft zu den Pfahlbauten im Naturschutzgebiet „Seefelder-Ach“ jede Menge Schilfgras. Hier sind von 54,7 Hektar gut 70 Prozent Schilf, das gemäht und gehäckselt, aber von den Ressourcen nicht genutzt wird. Verantwortlich ist hier das Regierungspräsidium Tübingen, die Naturschutzbehörde.
Zum vierten Mal ist der 56-jährige Reetdachdecker Winfried Preuß aus dem Landkreis Lüneburg mit Mannschaft bei den Pfahlbauten Unteruhldingen, wobei er hier noch gut zwei Wochen Arbeit hat. Gedeckt werden dieses Jahr die zwei Gründer –Häuser Pfahlbauten aus dem Jahre 1922, Rekonstruktionen der Jungsteinzeit (4300 v. Chr.) Ausgrabung Bad Schussenried- Rietschachen und das Steinzeit-Filmdorf der ARD- Doku- Serie „Living Science: „Das Experiment: Leben wie vor 5000 Jahren“ nach Ausgrabung Hornstaad (3900 v. Chr.). Pro Quadratmeter Dach rechnet Winfried Preuß elf Bund Schilf, das er mit Draht befestigt. Für das Rietschachen- Haus ist es mehr eine Überdeckung, da es nach der Brandstiftung 1976 bis zum First mit Bodensee-Schilf total neu eingedeckt wurde.
Die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Tübingen Silvia Langer: „Die Pflege des Schilfsgürtels „Seefelder-Ach“ kostet jährlich zwischen 5000 bis 6000 Euro. Es wird in den Herbst – Wintermonaten gemäht und zur Spreu und Kompostierung an die Landwirte gegeben. Bei Nachfrage überlassen wir es den Pfahlbauten Unteruhldingen, wobei die Halme vom Wuchs zu kurz und dünn sind“.
Zur Aussage des Regierungspräsidiums der Leiter der Pfahlbauten Dr. Gunter Schöbel:“ Es fehlt den Naturschutzbehörden an einem Pflegekonzept. Das Schutzkonzept für das Naturschutzgebiet ‚Seefelder-Aach’ schreibt eine geschlossene Schilfröhricht Fläche begleitend mit Silber- und Mandelweiden vor, doch die Praxis sieht heute anders aus. Das Gebiet verforstet zusehends, dem Schilf wird das Wasser entzogen und zurückgedrängt.“ Der Museumsleiter erklärt weiter, dass das Schilfgebiet in den 30er Jahren geschlossen war und die Bäume bis in die 50er Jahre beschnitten wurden.
Der Lüneburger Winfried Preuß mit Gewerbeschein „Reetdachdecker im Reisegewerbe“: „ Das Schilf muss eine Mindestlänge von 1.60 bis 1.80 Meter haben“. Das Schilf bezieht er aus Ungarn, Rumänien und Türkei über den holländischen Großhändler aus Gauda, wobei jetzt eine Konkurrenz aus China ansteht.
Bild: (C) Fritjof Schultz – Friese
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