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Picasso- Prozess Konstanz zum Vierten

5. Oktober 2007 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, HOBBY, KONSTANZ, KUNST UND KULTUR, RECHT

- keine Sachverständigen für vermeintlichen Fälscherprozess –
– Verteidiger Frank verlangt Ladung von Picasso- Sohn Claude –

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KONSTANZ / TENGEN / SCHAFFHAUSEN. fsf/ Mit vierten Anlauf ist für Dienstag 9. Oktober im Amtsgericht Konstanz der vermeintliche Picasso- Fälscher Prozess anberaumt. Zwei Termine mussten wegen Krankheit und schließlich Tod des Strafrichters Jürgen Laaser abgesagt werden.  Angeklagt sind als Besitzer des vermeintlichen Picasso- Gemäldes „Gitarre und Kerze“ der 43-jährige vorbestrafte Computer- Freak Thomas Vogel aus Tengen sowie der 42-jährige Antik-Restaurator Marco Artusi aus dem Schweizerischen Schaffhausen sowie der Dix-Fälscher Rüdiger Faller aus Singen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beklagten Betrug, Urkundenfälschung und Beihilfe vor. Dabei ist die Geschichte äußerst bizarr. Im Steigenberger- Inselhotel Konstanz stellten Vogel und Artusi im August 2005, mit zeitgleichem Angebot über das Internet- Auktionshaus eBay, mit Showaufgebot von Security den vermeintlichen Picasso aus. Bei 74. Gebot mit 15.050 Euro schlug das Landeskriminalamt Stuttgart zu und beschlagnahmte das Gemälde mit Unterstellung der Fälschung. Das Bild sollte nach Aussage des Schweizers ein Minimum von 20 Millionen Euro bringen, wobei das höchstbezahlte Gemälde von Pablo Picasso „Junge mit Pfeife“ bei 104 Millionen Euro liegt.

Durch die internationalen Medien ging Ende August 2005 die Beschlagnahmung des vermeintlichen Picasso- Gemäldes „Gitarre und Kerze“ im Steigenberger- Inselhotel Konstanz, dabei ist die Vorgeschichte geradezu unglaublich. Ein Holzbildhauer aus dem Singener Teilort Bohlingen will das düstere Picasso-Gemälde (angeblicher Schaffensperiode 1937) vor 40 Jahren einem jüdischem Teppichhändler für 300 Mark abgekauft haben, der es wieder vom damaligen Minister-präsidenten Franz Josef Strauß im Tausch für einen Teppich bekommen haben soll. Inwieweit wahr kann nicht mehr überprüft werden. Der Teppichhändler ist nicht mehr aufzufinden und der Holzbild- hauer verstorben, wobei dieser noch von der Polizei am Krankenbett vernommen wurde. Im Protokoll gibt der Holz- bildhauer an das Gemälde „Gitarre und Kerze“ für 3.500 Franken im Herbst 2004 an den Schaffhauser Antik- Restaurator Marco Artusi verkauft zu haben.

Laut Zeugenaussagen stellte sich der Schweizer Marco Artusi dem Tengener Computer- Freak Thomas Vogel als Kurator vom „Museum zu Allerheiligen“ von Schaffhausen vor. Er will zu einer der führenden Schweizer Familien gehören, wobei ein echter Picasso in seinem Besitz ist, den es zu verkaufen gilt. Der Tengener ist spontan bereit ihn hierbei zu unterstützen. Mit 3.500 Euro macht ihn der Schaff-hausener zum Mitbesitzer des „Millionen- Bildes“, wobei bei Verkauf vertraglich Halbe-Halbe gilt. Um den Wert des Gemäldes zu verdeutlichen, soll Artusi von einem Angebot „Picasso für ein Schloss in Südfrankreich“ gesprochen haben. Für Thomas Vogel aus Tengen „der eindeutige Beweis, der Picasso ist echt“. Um den Verkauf öffentlich zu starten fordert Artusi von dem Dix- Fälscher Rüdiger Faller eine Expertise von dem Gemälde „Gitarre und Kerze“, was dieser mit Aussage „nach seiner Meinung ist der Picasso echt“ gibt. In Erwartung des hohen Gewinns, fordert Artusi den Tengener Computer- Freak Vogel zur Verkaufsstrategie auf, was von der Investition alleine seine Sache ist. Über 10.000 Euro will Thomas Vogel seiner Zeit mit Ausstellung im Steigenberger- Inselhotel, Security und eBay investiert haben.
Dass ihn der Schweizer Marco Artusi gefoppt haben könnte, will er nicht glauben. Er glaubt immer noch, dass der vermeintliche Picasso „Gitarre und Kerze“ echt ist. Vom Millionen- Gewinn will er sich ein Haus kaufen und die Existenz sichern.
Um 9.00 Uhr verhandelt am kommenden Dienstag der Vorsitzende Richter Dr. Marc Gerstner vor dem Schöffen-gericht in Konstanz den „Picasso- Prozess“, der Gefahr läuft zur Posse zu verkommen. Es fehlen die vereidigten Sach- verständigen. Die Kunstexperten von der Stuttgarter Staatsgalerie reichen nicht aus. Der Verteidiger von Thomas Vogel, der Konstanzer Rechtsanwalt Klaus Frank droht den Prozess platzen zu lassen. Er fordert ein eindeutiges Gutachten, falls notwendig will er den Picasso- Sohn Claude laden lassen.

Bild: (C) Fritjof-Schultz-Friese

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