Rausgeworfener Lenk- Papst findet in Österreich Asyl
14. Juli 2010 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, KONSTANZ, KUNST UND KULTUR, MEDIEN, POLITIK, PROMIS, TOURISMUSTourist- Information Konstanz hat widerrechtlich 700 Kilo Kunstwerk abgebaut –
Gaukler- Papst reist mit Papa- Mobil, Engeln und Presseferkel zur Galerie Weiz
KONSTANZ / WEIZ. fsf / „Sag beim Ab- schied leise Servus“ stand gestern noch sinnig auf rechter Brustseite des Gaukler-Papstes in den Geschäftsräumen der Tou- rist-Information Konstanz (TIK) im Kons- tanzer Bahnhof. Nach Rauswurf durch die Touristiker wollte der Künstler Peter Lenk seinen verfemten Papst, für ihn ein Gaukler, der sich widerrechtlich die geistlichen Insignien angeeignet hatte, am 8. August abbauen. Er sollte würdig im “Papa- Mobil” mit Engeln und einem Presseferkel, eskortiert von der Schweizer Garde (Puppen), in die Steiermark zur bekannten Galerie Weiz reisen. Hier ist Ausstel- lungseröffnung am 12. August mit Werken des Bodensee Künstlers. Dem Abbau ist die Tourist-Information in einer Nacht- und Nebelaktion zuvorgekommen. Mit einem Spezialkran haben sie den 700 Kilo schweren Gauk- ler-Papst eigenmächtig abgebaut. Jetzt liegt er unwürdig abgestellt im Werkstoffhof der Stadt Konstanz. Die Willkür ist blamabel. Der Geschäftsführer der Tourist- Information Norbert Henneberger hatte den Gaukler-Papst als Leihgabe geordert um Werbung für das 600-jährige Konzil-Jubiläum der Stadt von 2014 bis 2018 zu machen. Mit der Figur als Merchandising, viele kleine Päpstlein, wollte er groß ins Geschäft einsteigen. Kalte Füße bekam er als die größten deutsche Boulevard-Zeitung schrieb: „Nackter Papst schockt im Bahnhof“ und „es gibt Zoff“. Für die Journalisten war die Lenk-Skulptur der aktuelle Papst Benedikt XVI. Dabei hätten die Kollegen nur einen Blick in neun Meter Höhe auf der Konstanzer Hafen-Mole mit König Sigismund sowie Papst Martin V. werfen müssen. Hier dreht sich seit 1993 im Dreiminutentakt die Imperia (Edelhure) mit weltlicher und geistlicher Macht, die an das einzige Konzil auf deutschem Boden in Konstanz von 1414 bis 1418 erinnern soll. Die Boulevard- Kollegen hatten sich um glatte 592 Jahre vertan. Es folgte die Entschuldigung und Gegendarstellung. Doch das Urteil war gefallen. Konservative und Christliche Kreise erklärten Peter Lenk den Krieg. Nach gut zehn Wochen hat der Gaukler-Papst, der besagte Abguss der Imperia- Figur, jetzt Asyl in Österreich gefunden.
Die neun Meter hohe Imperia (Edelhure) auf der Konstanzer Hafen-Mole ist eines der bekanntesten Werke des Provoka- tionskünstlers Peter Lenk aus Bodman am Bodensee. Bei Auf- stellung 1993 liefen die katholische Kirche sowie der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel Sturm. Genehmigt hatte dieses seiner Zeit der Chef der Deutschen Bahn, der „Bodensee- Admiral“ Prof. Dieter Bögle, dem die Hafenanlagen unterstanden. Des weiteres bekam Peter Lenk „Grünes Licht“ vom Tourismus-Verein mit Vorsitzenden Werner Häusler. Die mittlerweile welt- bekannte „Hafen- Imperia“ mit König Sigismund und Papst Martin V. in ihren ausgestreckten Händen soll an das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 erinnern zu dem König Sigismund eingeladen hatte um die Spaltung der katholischen Kirche zu verhindern. Zu dem 16. ökumenischen Konzil reisten die Päpste, Benedikt XIII., Johannes XXIII. sowie Gregor XII. an wobei alle drei abdanken mussten und Papst Martin V, mit bürgerlichen Namen Otto Colonna, gewählt wurde. Mit der Geistlichkeit kam der Adel sowie über 700 Huren. Die Stadt mit gerade 6000 wuchs auf 72.000 Einwohnern. Zu den Verbrechen des Konzils gehören die Verurteilungen der Reformatoren Jan Hus und Hyronimus von Prag die als Ketzer auf den Scheiterhaufen verbrannt wurden, obwohl ihnen freies Geleit zugesagt war.
Zu den bekanntesten Werken des heute 64-jährigen Provokationskünstlers Peter Lenk gehören 2009 am TAZ- Verlagshaus in Berlin das Relief von Bild- Chefredakteur Kai Dickmann mit einem 16 Meter langen Pimmel mit Ende eines Schlangenkopfes wozu die Verlags-Chefin Frieda Springer beschwörend die Flöte spielt. Im Jahr 2008 war es in seiner Heimatgemeinde Bodman-Ludwigshafen am Rathaus das
Triptychon „Ludwigs Erben“ auf 10 mal 3,5 Metern. In einem Teil mit Namen „Global Player“ halten sich die nackten Bundes- politiker Ex- Finanzminister Hans Eichel, Ex- Bundeskanzler Gerd Schröder, Bundes- kanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ex- Ministerpräsident Edmund Stoiber und FDP-Chef Guido Westerwelle an den Geschlechtsteilen. Mit zu seinen besten Arbeiten gehört in Überlingen an der Pro- menade der Brunnen „Bodensee-Reiter“. Hier sitzt der Schriftsteller Martin Walser auf einem klapprigen Gaul mit Schlittenschuhen an den Füßen, wobei er von Flossen dreier Nixen getragen wird. Die Brunnenfigur mit seiner Person ist für den Bestseller- Autor, wohnhaft in der Überlinger Nachbarge- meinde Nussdorf, ein Affront. Den Platz will er seit der Aufstellung 1999 nicht mehr betreten haben. Peter Lenk versteht es immer wieder mit seinen Skulpturen in die Weltmedien zu kommen. Dazu gehören auch die Maukieker zu 25 Jahre Berliner Mauer. Zu Besuch des amerikanischen Präsidenten Roland Reagan hat er auf die Aufsichtsplattform Checkpoint Charlie die Puppen Lenin, Kaiser Wilhelm und Mister Jedermann gestellt. Die drei waren Ersatz für gedachten Mauerkieker, die 13 Meter hohen Zentauer, die er jedem der 624 Wachtürme an der Sektorengrenze gegenüberstellen wollte. Etliche Westberliner hatten an der Grenze ihre Grundstücke freigegeben, doch dann kam die Entspannung. Für Roland Reagan war bei Besuch in Berlin durch Peter Lenk der Blick nach Osten verwehrt.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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