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Pfahlbauten

Regierungspräsident präsentiert fünfte Jungsteinzeit-Sandale aus dem Bodensee

11. März 2009 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, ARCHÄOLOGIE, KULTURERBE, NATUR, PFAHLBAUTEN UNTERUHLDINGEN, TOURISMUS, UMWELT, WETTER

Fund genauso wertvoll wie Kleiderstücke von Gletschermann „Ötzi” –
35 Pfahlbausiedlungen in Bodensee-Oberschwaben sollen Weltkulturerbe werden

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SIPPLINGEN / STUTTGART fsf / Die archäologischer Sensation aus dem Bodensee vor Sipplingen, eine Flechtsandale Größe 36 aus der Frühsteinzeit, präsentierte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl. Seit 1980 taucht vor der Gemeinde Sipplingen in der Flachwasserzone das Landesdenkmalamt mit Taucharchäologie. Auf sechs Hektar sind hier 20 Pfahlbau-Sied- lungsschichten vom En neolithikum bis Bronzezeit (3900 bis 1000 v.Chr.) bekannt. Sie gehören am Bodensee, mit gut 100 bekannten Pfahlbauten zu den fundreichsten und am dichtesten besiedelten Regionen im Alpenvorland. Für den Stuttgarter Politiker, seit Gebietsreform der oberste Chef der Landesdenkmalämter in Baden-Württem- berg, ist der Fund der prähistorischen Sandale gut 2900 v. Chr. gleich wertvoll wie die Kleiderstücke des Gletschermannes Ötzi. Die Pfahlbauforschung beginnt am deutschen Bodensee im Jahre 1856. Zwei Jahre zuvor waren Schweizer am Zürichsee fündig geworden. Entdeckt hatten Hobby-Archäologen den Wert der Frühgeschichte. Jetzt wollen Deutschland und die Schweiz sowie die Länder Österreich, Italien, Frankreich und Slowenien die Pfahlbausiedlungen gleich dem Taj Mahal und der chinesischen Mauer als Weltkulturerbe eintragen beziehungsweise unter Schutz gestellt haben. Mit der Federführung der Schweiz soll der Antrag  zu Ende des Jahres bei der UNESCO in Paris eingebracht werden.

Die vermeintliche Sensation vor Sipplingen, die Jungsteinzeit-Sandale aus Gehölzbast, ist die fünfte Sandale aus dem Neolithikum aus taucharch-sipplingen-3-2209-019-p-_1dem Bodensee. Zwischen 1984 bis 86 fand das Landes- denkmalamt in den Bodensee-Flachwasserzonen vor Allensbach (Konstanz) die ersten zwei Sandalen der Jungsteinzeit.  Der Fund vor Sipplingen ist datiert auf No- vember letzten Jahres. In den Wintermonaten taucht hier das Landesdenkmalamt mit Erkundung und Kartierung der Fundstätten. Die Entdeckung der Pfahlbauten von Sipplingen geht auf den Winter 1864/65 zurück, wo Bürger bei Niedrigwasser schwarze Stümpfe sowie später Ton- scherben aus der Jungsteinzeit entdeckten. Erst im Jahre 1929/30 kam es durch den bekannten Archäologen Pro- fessor Hans Reinerth, dem Erbauer der Pfahlbauten Unteruhldingen, zur ersten Kastengrabung. Das Lan- desdenkmalamt erforscht mit der Taucharchäologie seit 1980 die Pfahlbauten vor Sipplingen mit 20 Sied- lungsschichten auf sechs Hektar, dabei gilt die Schicht No. 15, nach dendrochonologischer Analyse um das Jahr 2917 v. Chr. mit  Bestand  von gut 60 Jahren, von bestem Erhalt. In gut 150 Häusern mit einem Dorfkern und Palisade können hier an die 1000 Menschen gelebt haben. Das Land hat für die Erforschung der Pfahlbauten von Sipplingen bisher 300.000 Euro investiert, wobei derzeitige Etat für 2009 bei 30.000 Euro liegt.

Um das „Unterwasserarchiv” zu schützen hat das Regierungspräsidium Stuttgart mit Partner Baden-Württemberg, Vorarlberg und der Schweiz das Interreg-Projekt „Ufererosion und Denkmalschutz im Bodensee und Zürichsee” ins Leben gerufen. Hierfür steht bis ins Jahr 2011 ein Etat von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser setzt sich mit Schwerpunkt von 1,1 Millionen Euro durch das Interreg IV- Programm „Alpenrhein- Bodensee- Hochrhein” zusammen sowie 820.000 Euro aus den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und rund 280.000 Euro Schweizer Interreg-Mittel. Das Regierungspräsidium Stuttgart ist Projektkoordinator (Lead-Partner). Weitere Partner sind das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau, die Abteilung Archäologie und Denkmalpflege der Baudirektion des Kantons Zürich, das Vorarlberger Landesmuseum und das Institut für Seenforschung Langenargen. Das Limnologische Institut der Universität Konstanz beteiligt sich im Rahmen einer Kooperation.

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Erforscht werden soll die zunehmende Erosion in Flachwasserzonen sowie umweltschonende Schutznassnahmen. Auch wird an die Entwicklung eines Monitoringsystems zur Überwachung der Fundstellen gedacht.
Um das Pfahlbaufeld vor Sipplingen, das angedachte UNESCO-Weltkulturerbe zu schützen, will Dr. Helmut Schlichherle, Leiter der Arbeitsstelle für Unterwasser-Archäologie des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, dieses mit einem Kiesbett oder einer Geotex-Plane zudecken. An ein Verbot für den Schiffsverkehr denk er nicht. Bei Bau des Jachthafens Sipplingen in den 70er Jahren wurden gut 15 Prozent der Fundstätte zerstört, wobei eine erneute Gefahr bei Ausbaggerung des Hafens besteht.

Im Tauchbild vor Sipplingen grüßt Regierungspräsident  Johannes Schmalzl (links) im Temopren-Anzug. Der Politiker schaute sich unter Wasser die aktuelle Erkundung und Kartierung in der Flachwasserzone an.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese

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