Online-Zeitung / Boulevard - Aktuelles - Tourismus
FSF-Medienverlag / Bodensee-Nachrichten
Redaktionsbüro Baden-Württemberg
Anzeige
Pfahlbauten

Revolte auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt

21. Dezember 2008 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, KONSTANZ, TOURISMUS

Kultgastronom Luigi Pesaro: „Wir wollen einen Weihnachtsbaum!”
Veranstalter wollen im Frühjahr auf der Marktstätte Tanne pflanzen

KONSTANZ. fsf / Mit 137 Aus- stellern auf 6500 Quadrat- metern, von der Marktstätte bis zum Hafen, verkauft sich Kons- tanz als der größte Weihnachts- markt am Bodensee. Dabei hat die Superlative seit drei Jahren einen negativen Beigeschmack. Aus Kostengründen hat die Stadt den gut acht Meter hohen Weih- nachtsbaum gestrichen, statt- dessen gibt es eine Illumination auf der Hauswand. Für die Marktbeschicker, wie den Kons- tanzer Kultgastronomen Luigi Pesaro und Kollegen, ein Sakrileg: „Zu einem deutschen Weihnachtsmarkt gehört eine festliche Tanne”. Weil die Stadt sowie die Veranstalter geizen will Pesaro für die nächste Weih- nachten bei den Budenbetreibern sammeln gehen. Veranstalter sind seit gut 20 Jahren der Konstanzer Kaufmann Heinrich Stracke sowie der Meersburger Schmuckhändler Gerhard Bar- tels. Für nächstes Jahr ver- sprechen sie Besserung und wollen auf der Marktstätte bei der Unterführung im Frühjahr eine Tanne von fünf bis sechs Metern pflanzen, die dann im Jahr gut einen Meter wachsen soll. Gegen weitere Kritik verwahren sie sich, wo- bei sie keinen Nostalgie-Weihnachtsmarkt wie Nürnberg anbieten wollen. Auf die gut 400.000 Besucher in vier Wochen, wovon 30 Prozent Schweizer sind, sind sie stolz und sprechen von Erfolg.

Den Anfang machte der Konstanzer Weihnachtsmarkt mit Ständen 1947 und 1948 im ehrwürdigen Konzil. Als die Räumlichkeiten zu klein waren zogen die Veranstalter, der Treff- punkt Konstanz sowie Einzel- händler-Verband, auf den Münsterplatz. Hier war für eine Weihnachtssaison Budenzauber. Die sanierungsbedürftige Kirche mit Steinschlag und der Platz zu abseits ließen keine Wiederholung zu. Der Umzug dann auf den Obermarkt bis zum historischen Schnetztor. Nach Baumaßnahmen in der Straße war auch hier Schluss und gleichfalls für die Veranstalter. Das Defizit war zu hoch und die Stadt wollte keine weiteren Zuschüsse geben. Die neuen Veranstalter waren 1987 mit Weihnachtsmarkt auf der Marktstätte der heute 55-jährige Kaufmann Heinrich Stracke vom Souvenirgeschäft in der Konstanzer Bahnhofstraße sowie seit 1993 der heute 61-jährige Meersburger Schmuckhändler Gerhard Bartels mit einem Geschäft in der Steigstraße. In ihrer Konzeption weisen sie auf einen ausgewogenen Haushalt hin, wobei es ihnen nicht um einen Nostalgie-Weihnachtsmarkt geht son-dern primär um einen Markt. Die einheitlichen Buden vermietet der Betreiber Heinrich Stracke (Besitzer von 30 Buden) für eine Weihnachts- Saisonzu je 800 Euro, wobei der laufende Meter Standgebühr 100 Euro kostet zuzüglich Nebenkosten wie Strom. 60 Prozent der Händler kommen aus dem Raum Konstanz, der Rest aus ganz Deutschland, Schweiz bis Frankreich. Die am weiteste angereiste Händlerin kommt aus Kenia. Sie verkauft auf dem Weihnachtsschiff „MS Stuttgart” Schmuck ihrer Heimat.
Am stärksten frequentiert sind auf dem Markt die Glühweinstände mit Namen wie „Konstanzer Glühwein-Treff” und „Fritelle Da Ciro – hausgemachter Glühwein – Römertrunk”, wobei auch andere Stände mit Pizza und Dinnele das heiße Weih-nachts-Gesöff anbieten.

Am Montag den 22.Dezember kann im Konstanzer Hafen das Weihnachtsgeschenk, ein Citroen im Wert von 10.000 Euro ausgepackt beziehungsweise weggefahren werden. Jeder der 134 Händler hat von den Veranstaltern über 100 Lose gekauft, wobei auf der „MS Stuttgart” um 17 Uhr im Beisein eines Notares der Hauptgewinn gezogen wird. Ein Erlös von 5000 Euro spenden Heinrich Stracke sowie Gerhard Bartels für Hilfsprojekte einer Schule im Senegal sowie einer Kinder- und Altenbetreuung Ladakh in Indien.

Nicht zufrieden mit dem Konstanzer Weihnachtsmarkt ist der Kult- gastronom Luigi Pesaro sowie Kollegen. Seit über 20 Jahren ist er mit einem Pizza- und Dinnele- Stand auf dem Markt. Bis vor drei Jahren stand am Kaiser-Brunnen eine gut acht Meter hohe Weihnachtstanne „Wo ist sie geblieben?”. Zu einer deutschen Weihnacht, so der quirlige Italiener, gehört ein Weihnachtsbaum. Um das Fest auf der Konstanzer Markt- stätte mit einem Weihnachtsbaum zu retten will er eine Interessen-gemeinschaft gründen. Jeder der Verkäufer ist aufgefordert für die „Weihnacht 2009″ für eine Tanne zu spenden. An eine Baumpflanzung durch die Veranstalter glaubt er nicht. Der Konstanzer Weih- nachtsmarkt ist am Bodensee der einzige ohne einen Weih- nachtsbaum, für Luigi Pesaro ein Sakrileg “Wie kann man so was nur machen?”.

Bilder: Urupin  (1) / Fritjof Schultz-Friese  (2)

Share

Weitere evtl. interessante Artikel:

  1. Andrea Vessele aus Kempten schwingt auf Konstanzer Weihnachtsmarkt die Feuerkugeln
    169 stimmungsvolle Buden von Glühwein bis Christschmuck in Traumlage am...
  2. Konstanzer Weihnachtsmarkt für Veranstalter 408 Prozent teurer
    Zweitgrößter Markt nach Stuttgart mit 169 Buden mit Traumlage am...
  3. Konstanzer Weihnachtsmarkt größer als Nürnberg, Freiburg oder Zürich
    Budenzauber mit 169 Ausstellern zieht von der Marktstätte an den...
  4. Karrenbauer schwingt für Wirte auf Konstanzer Weihnachtsmarkt den Hammer
    Am Christbaum 22 Geschenke für eine kulinarische Reise durch die...
  5. Auf Konstanzer Weihnachtsmarkt Glühwein-Schlösschen auf zwei Etagen
    Die drei Brüder Stracke haben von 169 Buden einen Prachtbau...


Anzeige
Bodensee-Woche
Tags: , ,

Keine Kommentare möglich.