Schmetterlingshaus der Mainau ist die Winterattraktion am Bodensee
27. Dezember 2008 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, INSEL MAINAU, TOURISMUSÜber 1000 Tagfalter aus Südamerika und Südostasien im 1000 qm Tropenhaus -
Gärtnermeister Stefan Reisch bestellt die Artenvielfalt als Puppen per Katalog
MAINAU / BODENSEE.fsf/ Der 28-jährige Gärtnermeister Stefan Reisch ist auf der Bodenseeinsel Mainau, besucht von gut 1,2 Millionen Touristen im Jahr, Herr über Tausend Schmetterlinge aus Südamerika sowie Südostasien. Bei 25 Grad Raumtemperatur sowie 90 Prozent Luftfeuchtigkeit ist im 1000 qm Tropenhaus das ganze Jahr Sommer. Zwischen tropischen und subtropischen Pflanzen flattern über das Jahr 90 verschiedene Arten Schmetterlinge, wovon der Atlas-Falter in verschiedenen Brauntönen mit einer Spannweite von 30 Zentimetern der Größte sowie der Maracuja-Falter in Farben Gelb-Rot-Orange mit einer Spannweiter von gerade vier Zentimetern der Kleinste ist. Der Gärtnermeister kauft die Schmetterlinge, wovon keiner unter das Washingtoner-Arten- schutzankommen fällt und damit keine Cites- Bescheinigung braucht, per Katalog bei Großhändlern in Costa Rica und Papua Neuguinea ein. Angeliefert werden sie als Puppen, die dann mit Bindfäden auf der Stange, der Kinderstube, aufgetragen werden. An die sechs bis acht Wochen braucht es vom Ei, Raupe (Larve), Puppe zum Falter. Die Schmetterlinge werden in den Ursprungsländern künstlich aufgezogen, wobei es keine Ausfuhrbeschränkung gibt. In Deutschland dagegen stehen 80 Prozent der heimischen Tagfalter (Schmetterlinge) auf der Roten Liste und sind teilweise akut vom Aussterben bedroht.
Das Schmetterlingshaus auf der Mainau war 1996 die Antwort auf den Touristenschwund vom 2,2 auf 1,46 Millionen Besucher im Jahr, wobei diese jetzt bei 1,2 Millionen praktisch konstant sind. Die Hochzahlen resultierten wesentlich aus der Grenzöffnung zur EX-DDR. Die Vorlage für das Schmetterlingshaus auf der Mainau als Touristenattraktion holten sich Graf Lennart sowie Gräfin Sonja Bernadotte 1989 bei einem Besuch in Singapur im Sentosa-Park. Für das Tropenhaus, gleich einem riesigen Gewächshaus mit 1000 Quadratmeter Glas investierten sie an die 1,3 Millionen Euro. Die Welt der Schmetterlinge sind ein Rundweg mit zwei Wasserfällen mit Bachläufen sowie einem großen Teich wo Seerosen blühen. Im Wasser sind Tanganjika-Buntbarsche aus Afrika, der Zebrabuntbarsch aus Mittelamerika und andere Fische sowie die Mississippi- Höckerschildkröte aus Nordamerika sowie die Cumberland-Schmuckschildkröte zuhause. Keine Konkurrenz oder Jäger sind für die Schmetterlinge im Tropenhaus die Vögel wie das Diamanttäubchen (Asien) und Zebrafinken (Australien), die Körnerfresser sind sowie die Chimas Zwergwachteln, die sich von Ameisen, Läusen und toten Schmetterlingen ernähren.
Um die Schmetterlinge anzulocken füttert Stefan Reisch sie mit süßen Apfelsinnenscheiben sowie Bananen, wobei sie hier zu mehreren auf den Früchten hocken, was für Touristen ein lohnendes Fotomotiv ist. An- sonsten sind die Blüten- und Honigpflanzen der Korbblütler (Com- positae) und Lippenblütler         (Labiatae) Futterpflanze sowie Eiab- lage für die Schmetterlinge. Dazu gehören noch Sträucher und Wild- kräuter als Nektarlieferant. Beach- tenswert ist im Tropenhaus die 20 Jahre alte Pinie (Pinus pinea), die nördlich der Alpen eine absolute Rarität ist.
Vor dem Schmetterlingshaus hat die gräfliche Familie Bernadotte einen Schmetterlingsgarten für heimische Arten mit Pflanzen und Sträuchern angelegt. Auf einer Hinweistafel heißt es hier: „Garten naturnah gestalten, große Pflanzenvielfalt anbieten, mög- lichst nicht düngen und Wild- kräuter stehen lassen, Verzicht auf Schädlingsbekämpfungsmittel, den Boden möglichst schonend bear- beiten, Nektar und Raupenfutterpflanzen anbauen”.
Mark Hörstermann vom Bund für Umwelt und Naturschutz: „ Seit den 70er – 80er Jahren werden in der Landwirtschaft in Deutschland verstärkt Gifte eingesetzt, damit gehen die Lebensräume der Schmetterlinge zurück”. Die Falter sieht der Naturschützer als Indikatoren für den Zustand der biologischen Vielfalt. Sie reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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