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Schweizer hat weltweit größte Sammlung indonesischer Schattenspielfiguren

23. September 2007 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, KUNST UND KULTUR

Zur Ausstellung im St. Galler Völkerkundemuseum ist Dr. Walter Angst Herausgeber von Buch „Wayang Indonesia“

Angst, Walter 073-P-_1ÜBERLINGEN. fsf/ Der bekannte Schweizer Zoo- loge Dr. Walter Angst, einstiger Chef vom Af- fenberg Salem, seit Mitte des Jahres in Über- lingen am Bodensee zuhause, gilt weltweit als größter „Wayang- Sammler“, indonesischer Schattenspielfiguren. Über 17.000 filigrane Figuren aus buntem gestanztem Pergament mit Hornstab, vom edlen Prinzen Arinna, über den Spaßmacher Petruk bis zur Gottheit Shiva hat er in 35 Jahren gesammelt. Die UNESCO hat die Theatertradition im Jahre 2003 wegen der kulturhistorischen Bedeutung und des hohen künstlerischen Niveaus in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Sammler Walter Angst sieht sich als Bewahrer der Kulturgüter, deren Spiele sonst längst auseinander gerissen wären und billig verscherbelt. Bis zum 15. Juni 2008 stellt er Teile seiner Sammlung im Historisches und Völkerkundemuseum im Schweizerischen St. Gallen mit Thema „Wayang- Licht und Schatten“ aus. Zur Vernissage hat er das reich bebilderte Buch „Wayang Indonesia“ – die phantastische Welt des indonesischen Figurentheaters“, verlegt im Konstanzer Stadler-Verlag, herausgebracht.

Im Jahre 1980 wurde der Schweizer Walter Angst, – mütterlicherseits aus Winterthur stammend-, wissenschaftlicher und kaufmännischer Leiter des Affenbergs Salem, der mit 250 Berberaffen aus Algerien und Marokko auf 20 Hektar das größte Affen-freigehege in Europa ist. Teil des Arbeitsvertrages mit dem elsässischen Baron Gilbert de Turckheim war die Garantie weiterhin die Wintermonate in Indonesien zu verbringen, wo er im Jahre 1969 erstmalig im Auftrag vom WWF Javaner- Affen sowie Nashörner erforschte. Drei Jahre später führte er eine Reisegruppe durch das Land und sah in Yogyakarta sein erstes „Wayang“ – Schattenspiel, das er an die neun Stunden fasziniert verfolgte. Das Spielritual hier ähnlich wie bei uns, der Kampf zwischen Gut und Böse, dem guten König und bösen Mächten. Der eigentliche Unterschied liegt in der Einleitung. Vor dem Spiel werden den Göttern Opfergaben wie Räucherstäbchen und Blüten gereicht, dann folgt die schrille Musik mit der Rebab, einem zweiseitigen Seiteninstrument, gefolgt von dem Gamelan (Orchester) mit Xylophon, Gongs und Flöte. Dann werden mit einem Klopfen an der geheiligten Kiste die Spielfiguren zum Leben erweckt. Um sie in die hiesige Welt zu führen singen die Puppenspieler ein Lied in altjavanischer Sprache. Die erste Figur ist im Spiel der Gunungan, der Lebensbaum. Im Buch „Wayang Indonesia“ gliedert Walter Angst die Schattenspielfiguren des Wayang-Purwa, welches indische Legenden zum Inhalt hat, in 12 Regionalstile, die sich in Einzelheiten beziehungsweise Ornamentik sowie Farbe unterscheiden. Der Schweizer Sammler hat Figuren in Größen von 15 bis 200 Zentimeter gesammelt, wobei diese von den Spielern am Haltestab aus Büffelhorn geführt werden. Beweglich sind zumeist nur die Arme durch zwei Glieder. Im Schattenspiel gibt es Waffen aller Art, Paläste, Schiffe, Kutschen und Tiere und Pflanzen aller Art wie Bäume und Blumen. Die Figuren-Stanzer (Penatah) brauchen für ihre Arbeit mit Hammer und gut 30 Stiften eine gute Fingerfertigkeit, wobei die Schnitte aus dem Pergament gestanzt werden. Die Lichtquelle hinter dem weißen Tuch, vor dem die filigranen Wayang- Figuren spielen, war über Jahrhunderten die flackernde Öllampe, die jetzt zunehmend durch Elektrik ersetzt wird.

140 Holzkisten mit kompletten Spielen hat der Wissenschaftler Walter Angst gesammelt. Dazu kommen noch einmal Hunderte Musikinstrumente aus Indonesien sowie Holzreliefe, Teppiche sowie Bilder mit Wayang- Motiven.

„Dabei wollte der Schweizer in Indonesien nur Affen erforschen…..“

Bild: (C) Fritjof-Schultz-Friese

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