Überlingerin Bühler hat den „Eierbecherblick“
5. April 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, HOBBY, ÜBERLINGENAn die 1400 Eierbecher vm Großfürsten bis DDR-Plaste -
Zu Ostern gibt’s neue Stücke für die wohl größte Sammlung

ÜBERLINGEN. fsf/ Die 77-jährige Überlingerin Magdalena Bühler liebt ihr morgendliches Drei-Minuten-Ei, dabei ist für sie das ganze Jahr Ostern. In Vitrinen und Schränkchen hat sie an die 1400 historische Eierbecher in Silber, edlem Porzellan bis vermeintliche kitschige wie Osterhäschen mit Blümchen, eine Geisha sowie politische „Eierköppe” wie EX- Minister Norbert Blüm und andere gesammelt. Keine Konkurrenz ist für die einstige Überlinger Bürgermeister-Sekretärin eine Sammlerin aus Norddeutschland, die es „gerade” auf 750 Eierbecher bringt und meint damit die „Größte” zu sein. Die große Leidenschaft des Sammelns, das Stöbern auf Flohmärkten, Auktionen oder Kruschtläden, scheint für Magdalena Bühler vorbei, doch ihre Freunde, Verwandten mit Enkeln bessern nach, ein Mitbringsel zu Ostern.
Vor 41 Jahren fand Magdalene Bühler auf dem Dachboden der Schwiegereltern einen silbernen Jugendstil-Eierbecher mit Goldrand. Den hatte die Mutter ihres Mannes laut Inschrift 1895 zur Taufe geschenkt bekommen. Für Magdalena der Grundstock die Faszination pur und heute wohl eine der größten Eierbecher-Sammlungen. Dazu gehört ein zusammensteckbarer russischer Doppel- eierbecher mit Adler, der vermutlich zum Reisegepäck eines Großfürsten gehörte. Neben ihm steht in der Vitrine ein verschnörkeltes dunkles Kupfergebilde, das an die Sammlung im Topkapi-Palast in Istanbul erinnert. Und wieder daneben ein filigraner Wachteleierbecher aus England.
Eine Top-Rarität ist aus dem 1. Weltkrieg eine kleine Granaten- hülse aus dem Elsass, die zum Eierbecher mit Beinchen mit Wappen mit Inschrift:” St. Jean Pied de Port” umfunktioniert wurde. Die weiteren erlesenen Stück aus Porzellan kommen aus Frankreich „Sevres” mit Jahreszahl 1890 sowie Meissen 1900 mit Blumendekor. In der Sammlung auch Eierbecher aus Persien mit Emaille- Mosaiken, Japaner mit Tuscheschriftzeichen und Reiskörnern, Art- Deco der 20er Jahre, Plaste aus der EX-DDR sowie ein aufblasbarer für den Camping-Urlaub. Und immer wieder vermeintlich kitschiges mit Häschen, Hühnchen, Schwan oder Eichhörnchen und andere dekorative Tierchen. Aus dem Erzgebirge kommen Eierbecher mit Schneeglöckchen, Primeln oder anderen Frühlingsblumen. Selbst eine Geisha hütet das Ei und der ehemalige CDU- Bundesarbeitermister Norbert Blüm bekommt eines auf den Kopf. In der Zeit wohl gänzlich vertan hat sich der Weihnachtsmann mit Rotem Mantel, der einen Eierbecher hütet anstatt einen Sack mit Spielsachen für die Kleinen.
Zu Ostern suchen sich die Enkel und Gäste, so Magdalena Bühler, aus der Sammlung einen Eierbecher für das Frühstücksei aus. Nach dem Humoristen Wilhelm Busch heißt es: „Ein jeder weiß, wer es auch sei, gesund und stärkend ist das Ei”. Danach bleiben die Eierbecher- Raritäten bis zum nächsten Osterfest in den Vitrinen.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese

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