Von den Nazis verboten vom See-Burgtheater gespielt
9. Juli 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, KONSTANZ, KREUZLINGEN, MUSIK, PROMIS, THEATER, TOURISMUSSingspiel „Im Weißen Rössl” von Ralph Benatzky auf Kreuzlinger Seebühne -
„Es wird bei jedem Wetter gespielt” Zuschauer sitzen auf überdachter Tribühne

KREULINGEN .fsf / Recht umtriebig geht es auf der Seebühne des See-Burgtheaters im Schweizer Kreuzlingen zu. Im Singspiel „Im weißen Rössl” von Ralph Benatzky verliebt sich der Zahlkellner in seine Chefin, in die Rössl-Wirtin Josepha. Die wieder hat sich in den langjährigen Sommergast, den Rechtsanwalt Dr. Siedler, verguckt. Der wieder liebäugelt mit Ottilie, Tochter des ewig motzenden Berliner Textilfabrikanten Giesecke. Das Liebespaar Nummer Drei mit Happyend sind der „unwiderstehliche” Sigismund Sülzheimer und die Tochter von Prof. Dr. Hinzelmann, das stotternde Klärchen. Die O’ Wunder durch die Liebe vom Sprachfehler geheilt wird. In aller Turbulenz erscheint auch noch Kaiser Franz Joseph II. als Hausgast, der hochtänigst für Ordnung sorgt. Das Stück „Im weißen Rössl” haben Leopold Huber, der Leiter vom See-Burgtheater sowie seine Frau Astrid Keller, die im Stück die Wirtsfrau Josepha spielt, ausgesucht. Es wurde 1930 in Berlin uraufgeführt, wobei es wegen amerikanischen Einfluss mit Jazz-Elementen sowie jüdischer Schauspieler verboten wurde. Dagegen feierte es in großen Häusern wie Paris, London, New York und Tokio frenetische Erfolge. Die Regie auf der Seebühne Kreuzlingen führt Jean Grädel, der im Jahre 2007 vom Regierungsrat den „Thurgauer Kulturpreis” für sein Lebenswerk erhielt.
Wer kennt den Schmachtfetzen der Großeltern, Eltern, die Operette sowie der Heimatfilm „Im weißen Rössl” mit Peter
Alexander und Uschi Glas nicht? Es ist der ewige Wiederholer für Harmoniebedürftige nach einer heilen Welt. Der Schweizer Regisseur Jean Grädel hat sich an die Urfassung des Sing- und Lustspiels von Blumentahl, Kadelburg, Müller und Charell gewagt, herausgekommen ist eine parodistische, kabarettistische Ideale einer Revueoperette. „Im Weißen Rössl” werden die alten Evergreens der 30er Jahre wie „Im Salzkammergut da kann man gut lustig sein”, „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist” und „Im weißen Rössl am Wolfgangsee” gesungen. Für Jean Grädel ist es ein „köstlich- kitschiger- Spaß”, der sich von den Schauspielern auf das Publikum überträgt. Zum ersten Mal hat er sich an die leichte Muse gewagt. „Die Inszenierung ist eine Herausforderung, ein Abenteuer für mich”. Für den Produzenten und Dramaturgen Leopold Huber ist die Ope- rettenrevue genauso gut wie die Marx Brother’ s. Er ist begeistert und applaudiert mit dem Publikum.
Nach dem Theaterstück „The Spirit of Zeppelin”, zum 170.Geburtstag von Ferdinand Graf Zeppelin, spielt das See-Burgtheater zum zweiten Mal auf der Seebühne, einem Panton von 12 mal 16 Metern im Bodensee. War es im letzten Jahr das Bühnenbild ein Zeppelin, ist es jetzt ein „Rosa Ross” (nicht weiß!) mit Größe sechs mal acht Metern, das im Schlussbild einen leuchtenden Rahmen bekommt. Das Gerüst hinter dem springenden Pferdchen sollen das mehrstöckige Hotel am See sowie die Alpen symbolisieren, die selbst von Seiner Kaiserlichen Hoheit Franz Joseph II. bestiegen werden.

Nach Aussage von Theaterleiter Leopold Huber wird bei jedem Wetter gespielt. Die gut 400 Besucher sitzen im Trockenen. Das See-Burgtheater Kreuzlingen spielt bis zum 15.August 2009 „Im weißen Rössl”. Jeweils am Sonntag und Montag ist spielfrei.
Weitere Infos unter www.see-burgtheater.ch
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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