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Wasserschutzpolizei Reichenau probt Ernstfall Eiseinbruch in Bodensee

16. Januar 2009 | Von | Kategorie: ALLGEMEIN, INSEL REICHENAU, KONSTANZ, TOURISMUS, UMWELT, WETTER


Über 30.000 Schlittschuhläufer auf Abschnitt Flachwasserzone Gnadensee –

Für das Wochenende gilt Warnung durch höhere Temperaturen sowie bis vier Windstärken

REICHENAU / KONSTANZ.fsf / 20 Minuten später wie terminiert kam die Wasserschutzpolizei zur Eis-Rettungsübung vor der Insel Reichenau bei Schloss Bürgle. Die vermeintliche Realität hatte sie aufgehalten, eine Frau aus Allensbach hat am Freitagmorgen über Notruf gemeldet, dass ein Mann im Bodensee, im Gnadensee, eingebrochen ist und mit den Händen um Hilfe ruft. Daraufhin alarmierte die Leitzentrale in Radolfzell die örtliche Feuerwehr, die DLRG Bezirk Bodensee-Konstanz sowie den Posten der Wasserschutzpolizei Reichenau. Die letzteren konnten schließlich per Fernglas feststellen, dass hier ein „Eisangler” auf Fischfang war und der vermeintlich im Eis Eingebrochene, der mit dem Arm wedelt, ein Hund war, der immer wieder um sein Herrchen mit Eisloch lief. Im Ernstfall, bei Alarmstufe 2, wäre in Friedrichshafen der Rettungshubschrauber „Christoph 45″ aufgestiegen und hätte beim Krankenhaus Konstanz einen Taucher vom DLRG aufgenommen. Doch am Wochenende, so der Leiter der Wasserschutzpolizei Reichenau Klaus Oechsle, könnte es auf dem Abschnitt Gnadensee, wo letztes Wochenende 30.000 Schlittschuhläufer aus Baden-Württemberg sowie der Schweiz gezählt wurden, ernst werden. Die Meteorologen haben steigende Temperaturen mit drei bis vier Windstärken prognostiziert, wobei sich die Winde unter dem Eis fortsetzen, dieses aufschichten und somit zum „Eiskiller” werden.

Der Bodenseeabschnitt Gnadensee gilt durch die Flachwasserzone in der Eiszeit als Paradies für Schlittschuhläufer aus ganz Baden-Württemberg, Wanderer und Eissurfer, wobei letztere von der Wasserschutzpolizei nur geduldet sind. Die schnellen Eisflitzer bringen es vielfach auf gut 80 Stundenkilometern. Die Sportler gelten als Profi, womit keine Gefährdung gesehen wird. Seit 1986 gilt auf der Eisfläche des Bodensees „Betreten auf eigene Gefahr”, vordem gab es, wie heute noch vielfach in der Schweiz, einen Eismeister, der die Fläche nach Messung der Eisdicke freigab. Dass die Eisrettung teuer werden kann musste vor vier Jahren ein Eingebrochener im Untersee erkennen, der mit einem Eisschlitten und Leitern von der DLRG gerettet wurde.

In einer Rettungsübung zeigte die Wasserschutzpolizei Reichenau in Niederzell vor dem Schloss Bürgle den „Ernstfall”, wobei der Kollege Markus Bohl im Taucheranzug den Eingebrochenen im Eisloch mimte. Die Eisdicke lag hier bei gut acht Zentimetern, womit keine Gefähr- dung für das Rettungsteam mit Aluschlitten und Leitern bestand. Diese schoben den Schlitten zum Eisloch und hievten den Einge- brochen in den Schlitten, der von Land mit einer Leine gesichert war. Im Ernstfall geht es hier um Minuten, für den Verunglückten besteht durch das eiskalte Wasser die Gefahr. dass der Kreislauf kollabiert. Es werden ihm gerade 15 Minuten zur Rettung gegeben, wobei am Ufer der Notarzt zur möglichen Reanimation warten muss.

Die Warnsignale des Eises sollten unbedingt beachtet werden, hier wenn es knistert und knackt, sich Risse aufzeichnen und das Eis von Wasser überspült wird. Bachzuläufe oder Rinnsale sind zu meiden. Dunkle Stellen zeigen an, dass das Eis hier dünn ist. Im Ernstfall gilt der Notruf sowie Hilfe vor Ort, wobei die Gemeinden vielfach einfache Rettungsgeräte am Ufer mit Schlitten, Ring und Stangen installiert haben.

Bilder: Fritjof Schultz-Friese

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