Weinlese in Baden bei 1,15 Millionen Hektolitern
21. Oktober 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, GASTRO-FÜHRER BODENSEE, NATUR, OBST ANBAU BODENSEE, PROMISFür die Bodensee-Winzer ist 2009 ein Schicksalsjahr mit 60 Prozent Minus –
Für Graf Wilderich von Bodman ein Superlativ – für Markgraf zwei Drittel Ausfall durch Orkan

BODMAN / SALEM / HAGNAU. fsf / Die Weinlese 2009 ist in Baden gelaufen. Der Badische Weinbauverband gibt einen Ertrag von 1,15 Millionen Hektolitern bei 14.800 Hektar mit 23.000 Winzern an. Gegenüber der Vorjahresmenge liegt der Weinjahrgang bei 10 bis 15 Prozent Minus durch die extrem trockene warme Witterung. Für die Bodenseewinzer war es ein Schicksalsjahr. Über 60 Prozent der Anbaufläche von 578 Hektar wurden am 26. Mai durch orkanartige Stürme binnen einer halben Stunde zerstört. Der Ertrag ist mit 25.000 Hektolitern gegenüber dem Vorjahr mit 50.800 Hektolitern kläglich. Während Graf Wilderich von Bodman am westlichen Bodensee mit ältester Anbaufläche von einem Jahrgang der Superlative spricht, hat es den Markgrafen, den größten badischen Winzer am östlichen Bodensee, voll erwischt. Gut zwei Drittel der Anbauflächen mit Spitzenlagen wie Birnau, Meersburg und Bermatingen wurden zerstört. Betroffen ist auch die Lage in der Ortenau. Wurden bei der Weinlese in Salem im Durchschnitt 850.000 Liter eingefahren sind es jetzt gerade 500.000 Liter. Getroffen hat es auch den ersten Bio-Winzer vom Bodensee Heiner Renn vom Burgunderhof in Hagnau. Seit 20 Jahren verzichtet er auf systematische Pflanzenschutzmittel und setzt auf Kontaktmittel (öokologischer Weinbau) . Die Lese reduzierte sich hier von 20.000 auf gerade 2.000 Liter. Für den eigenständigen Winzer liegt der Schaden bei 100.000 Euro. Als Ersatz kauft er Müller- Thurgau Trauben vom Tuniberg ein.
Klein aber fein ist der älteste Weinberg am Bodensee von Graf Wilderich von Bodman, dessen Adelsgeschlecht für den Namen
Bodensee steht. Die Lage Königsweingarten mit 1,35 Hektar geht auf Karl III. im Jahr 884 zurück. Ein Hektar sind Blauer Spätburgunder und 0,35 Hektar Müller- Thurgau. Verzichtet wird auch hier, wie vielerorts am Bodensee, im Anbau auf Herbizide und synthe- tische Pflanzenschutzmittel. Vom Orkan am 26. Mai wurde der westliche Weinberg gänzlich ver-schont. Für Graf Wilder ich „ Gott sei Dank!“ Über 10.000 Liter bei einem Mostgewicht von 90 Oechsle wurden eingefahren, wobei der Wein beim Staatsweingut in Meersburg gekeltert wird. Den eigenen Torkel hat man Anfang der 80er Jahre dicht gemacht. Die Menge rentierte sich nicht gegenüber den Kosten. Für Graf Wilderich von Bodman ist die Weinlese 2009 ein Superlativ und hat die Ernte von 2003 mit Qualität im Kabinettsbereich übertroffen. Zur großen Vermarktung kommt der Wein nicht, er geht in den lokalen Getränkehandel und örtlicher Gastronomie.
Für den Markgrafen von Baden mit 145 Hektar größter privater badischer Winzer ist die Weinlese 2009 ein Fiasko. Für gut zwei Drittel, so der Geschäftsführer Prinz Michael, gilt Totalausfall durch orkanartigen Hagelschlag. Betroffen sind die Lagen Bermatingen mit 35 Hektar mit Spätburgunder „Fedelitas“ sowie Meersburg mit 15 Hektar und Schloss Kirchberg mit 13 Hektar Müller- Thurgau. Bei Weinberg Birnau 50 Hektar mit Blauer Spät- Grau- sowie Weißburgunder und Müller- Thurgau blieb nur ein Drittel stehen. Die Reben wurden förmlich zerfetzt. Nicht betroffen ist das Pachtgelände in Gailingen mit 9 Hektar mit Chardonnay, Sauvignon Blanc, Weiß- und Grauburgunder sowie Spätburgunder. Das Markgräfliche Haus verkauft zu 50 Prozent an den Endverbraucher sowie 30 Prozent Gastronomie und 20 Prozent gehen in den Handel. Die 90 Edelstahltanks im Weinkeller Schloss Salem sind dieses Jahr erstmalig nur zur Hälfte mit 500.000 Litern gefüllt. Es ist die zweitschlechteste Lese nach dem Jahr 2006 mit 700.000 Litern.

Heiner Renn vom Burgunderhof in Hagnau ist der Bio-Winzer der ersten Stunde am Bodensee. „Als ich am 26. Mai nach dem orkanartigen Sturm mit Hagel in meinen Weinberg ging“ so Renn “musste ich weinen. Die jungen Triebe der Reben waren zerstört, die Blätter lagen auf dem Boden. Bei erster Hochrechnung ein Schaden von weit über 100.000 Euro, dabei war ich wie viele Winzer gegen Hagel nicht versichert“. Seit 20 Jahren betreibt der Hagnauer ökologischen Weinbau, davon zehn Jahre in der Winzergenossenschaft Hagnau und zehn Jahre selbständig. In der Hanglage bei Stetten bewirt- schaftet er zwei Hektar. Das sind 40 Prozent Müller- Thurgau, 30 Prozent Spätburgunder, 15 Prozent Sauvignon Blanc und nochmals 15 Prozent Grauburgunder. Seine Öko-Weine immer wieder mit Gold prämiert gehören zu den besten in Deutschland. Er hat aufgehört die Preise wie „bester badischer Spätburgunder“ und andere zu zählen. An Prämierungen nimmt er nicht mehr teil, zu zeitaufwendig. Er setzt auf Qualität und seinen Namen. Letzter Woche erntete er die letzten Trauben mit den rumänischen Helfern im Weinberg. Gegenüber 20.000 Liter im letzten Jahr sind es gerade 2.000 Liter. Erstmalig hat er fremde Trauben vom Tuniberg eingekauft, die er mit seinen Hefezusätzen keltert. Das Etikett der Weinlese 2009 wird ein anderes sein.
Infos über den Badischen Weinbauverband , Weingüter Markgraf von Baden, Wilderich Graf von und zu Bodman sowie Heiner Renn Burgunderhof Hagnau unter:
www.badischer-weinbauverband.de
Bildunterschrift:
Im Weinkeller Schloss Salem nimmt der Geschäftsführer Prinz Michael von Baden (Bild) den ersten Schluck der Lese 2009, der vom Ertrag ein Fiasko ist. Über 60 Prozent der Reben wurden im Mai durch orkanartige Stürme zerstört. Davon gekommen ist Graf Wilderich von Bodman (im Weinberg) mit Lage „Königsweingarten“ am westlichen Bodensee. Gleichfalls schwer getroffen wurde vom Sturm der erste Bio-Winzer am Bodensee Heiner Renn (Bild mit rumänischen Erntehelfern). Gerade zehn Prozent seiner üblichen Lese konnte er ernten. fsf
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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