Weltberühmte „Derwische von Konya“ am 3. Mai in Konstanz
29. April 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, GESCHICHTE, KONSTANZ, KULTURERBE, KUNST UND KULTUR, MUSIK, TOURISMUSVeranstalter Muslimische Gemeinde mit Mevlana Moschee sowie Städte
Seit Januar neuer Vorstand mit ersten Vorsitzenden Kurban Aras

KONSTANZ / KONYA .fsf/ In der Tradition des Sufismus, der mystischen Richtung des Islam, werden sich am Sonntag den 3.Mai um 15 Uhr in der Wollmatinger – Halle in Konstanz die weltberühmten Derwische von Konya in ihren traditionellen weißen Gewändern des Mavlevi- Ordens drehen. Ekstatisch werden an die 25 Tänzer eine spirituelle Reise antreten und in Trance die gesamte Menschheit in Liebe umarmen. Begleitet werden die Tänzer mit Gesang sowie Orchester mit Perkussionsinstrumenten wie kleinen Trommeln, Schlaginstrumente sowie Flöte und Streichinstru-menten. Der Tanz der Derwische geht auf Celaladdin Rumi, dem bedeutendsten Mystiker, Dichter und Philosophen in der islamischen Welt aus dem 13.Jahrhundert zurück. Die UNESCO hat die tanzenden Derwische der Türkei im Jahre 2005 zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Veranstalter ist in Konstanz die Muslimische Gemeinde mit der Mevlana Moschee in Kooperation mit der Stadt Konstanz sowie Kreuzlingen.
Seit Januar hat die Muslimische Gemeinde Konstanz mit der Mevlana-Moschee in der Reichenauer Straße einen neuen Vorstand, der sich verstärkt integrieren und mit den christlichen Kirchen zusammen arbeiten will. Zur Öffnung gehören Kultur- Veranstaltungen wie der Tanz der Derwische von Konya, die in ihrer Darbietung zur Weltklasse gehören. Die Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Konstanz mit 180 Mitgliedern gehört zur DITIB, mit Leitung der staatlich türkischen Religionsgemeinschaft, der in Deutschland 850 Moscheen angehören, wobei der Staat den Imam (Geistlichen) stellt. In Raum Konstanz leben an die 2.700 türkische Muslime. Zur Gemeinschaft gehören Gläubige aus Marokko, Tunesien, Singapur, Indien, Malaysia und Afrika sowie anderen Staaten mit noch einmal gut 1.300 Personen. So betet der Imam beim Freitagsgebet jeweils in Türkisch und Arabisch. Fünf Mal am Tag von Sonnenaufgang bis spät Abends ruft der Müezzin zum Gebet, übersetzt:
Allah ist am größten,
es gibt keinen Gott außer Allah,
Kommt zum Gebet, kommt zur Rettung,
Allahu ekber (viermal)
Am 4.Januar hat die Muslimische Gemeinde Konstanz mit der Jahr 2000 eröffneten Mevlana-Moschee einen neuen
Vorstand gewählt, wobei sich dieser nach dem deutschen Vereinsrecht orientiert, hierbei gelten alle zwei Jahre. Der 1.Vorstand ist der 46-jährige Kurban Aras aus der anatolischen Stadt Igir, nahe der Grenze zu Armenien. Als 16-jähriger kam er 1979 mit den Eltern nach Deutschland, hier mit erstem Wohnort Stockach. Nach Sprachkurs wurde er Hilfsarbeiter in einer Käseherstellung im Allgäu, dann in der Reifenherstellung in Lindau und 1998 schließlich selbstständig als Schuhmacher und Schlüsseldienst. Seit 2005 firmiert Kurban im schmälsten Haus von Konstanz in der Hussenstraße mit „Aras- Service Schuh- und Schlüsseldienst”. Hier repariert und flickt er professionell Schuhe aller Art und fertigt Schlüssel von der Gartenlaube, Haus bis Auto an. An die 1000 Rohlinge hat er auf Lager.
Mit sechs Glaubensbrüdern stellt Kurban Aras für die Muslimische Gemeinde den Vorstand, wobei es keinen Verdienst noch Aufwands- entschädigung gibt. Hier entscheidet für ihn der Koran, wo es heißt: „Wahrlich, der allein vermag die Erhaltung der Moscheen Allahs vorzunehmen, der an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt und das Gebet verrichtet und die Zakah (Armenabgabe) entrichtet und keinen außer Allah fürchtet: diese also mögen unter denen sein, welche den rechten Weg finden”.
Vor dem Tanz der „Derwische aus Konya” lädt die islamische Gemeinde ab 13 Uhr zu Tisch. Angeboten werden traditionelle türkische Gerichte wie Döner, gefüllte Weinblätter und Köfte (Hackfleisch) und andere sowie Süßigkeiten.
Im Saal spricht der ehemalige zweite türkische Religionsminister Necmettin Nursacan über die Familie und Erziehung. .
Ab 15 Uhr tanzen die Derwische von Konya am kommenden Sonntag in Konstanz in der Wollmatinger-Halle in drei Sequenzen, wobei sie sich ständig in gleicher Richtung drehen. Dabei symbolisiert die Handhaltung nach oben geöffnet die göttlich aufnehmende Weisheit und nach unten die Weitergabe an die Menschen.
Der Hut der Derwische aus Kamelhaar symbolisiert den Grabstein, der schwarze Umhang den Sarg und das weiße Kleid das Leichentuch. Die Tänzer (Mönche) sehen sich als Mittler zwischen den Welten.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese / U.
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