Welturaufführung Robert Schumanns „Ahnung“ in Überlingen
23. September 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, GESCHICHTE, KUNST UND KULTUR, MUSIK, PROMIS, ÜBERLINGENRumänische Star-Pianistin Luiza Borac spielte verschollenes Werk –
Über 118 Jahre in Archiven der Leopold- Sophien- Bibliothek

ÜBERLINGEN. fsf/ Für die klassische Musikwelt eine Sensation. Die international bekannte Pianistin Luiza Borac, Gewinnerin des BBC Music Magazine Award 2007, spielte im Überlinger Kursaal 24 Takte gleich 200 Noten „Ahnung“ von Robert Schumann. Es ist eine Welturaufführung. Das Notenblatt in D-Dur entstand nach Expertenmeinung im Jahre 1838, als Schumann das 13-teilige Pianowerk „Kinderszenen“ komponierte. Die Komposition kam im Jahre 1888 als Geschenk von Leo Allgeyer, Kunstsammler- und – Händler sowie Sekretär des Überlinger Münsterbauvereins und aktives Mitglied der städtischen Museen, als Konvolut an die Leopold-Sophien- Bibliothek. Nach Sichtung vor drei Jahren erkannte die Bibliothekarin Roswitha Lambertz den hochkarätigen musikalischen Fund, zumal die Noten bis dato weltweit ungespielt waren. 118 Jahre lagerten die Noten als Nachlass unerkannt in den Archiven.
Für Dr. Michael Beiche von der Robert Schumann-Forschungsstelle aus Düsseldorf ist der weltbekannte Komponist Robert Schumann (1810-1856) ein vielseitiger Musiker der Romantik mit einer Genialität aller Musikrichtungen. Zu seinen Arbeiten gehören 40 Opera- Klaviermusiken, an die 300 Lieder wie „Dichters Liebes Zyklus“, vier Jugend-Symphonien, Kammermusik „Klavierquintett“, Opera „Genoveva“ und Chorwerke mit Orchester. Berühmt sind seine Gedichtvertonungen von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Joseph von Eichendorf.

Das handschriftliche Notenblatt „Ahnung“ hat die Maße 21,5 mal 34 Zentimeter, wo-bei es am rechten oberen Rand die Handschrift von Clara Schumann, der Gattin des Komponisten mit Datierung 7.Oktober 1856 hat. Es ist ein Geschenk an den Über-linger Julius Allgeyer von Beruf Schriftsteller und Photograph. Das Blatt zeichnet sich durch Korrekturen, Rasuren und Streichungen aus, die eindeutigen die Authentizität von Robert Schumann beweisen. Clara Schumann ergänzte das Werk mit Handschrift „langsam“.
Nach Auffinden des Konvoluts von Robert Schumann mit Notenblatt, Gedichten und Briefen, wurden diese zur Erfassung an „Kalliope“ gemeldet, die bei der „Staats-bibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz“ angesiedelt ist, diese verwalten rund eine Millionen Nachweise umfassende Internet-Datenbank für Autographen in deutschen Sammlungen. Das unter den Schriftstücken befindliche Notenblatt ging zur Erfassung und Prüfung an das „Repertoire International des Sources Musicales“ (RISM), dessen Arbeitstelle für die alten Bundesländer in der Bayerischen Staats-bibliothek in München beheimatet ist. Hier wurde von den Experten Dr. Armin Brinzing (Leiter der Arbeitsstelle) und Dr. Gottfried Heinz- Kronberger attestiert, dass es sich bei dem Autographen um eine bis dato unveröffentlichte Komposition von Robert Schumann handelt.

Zu den Referenten im Überlinger Kursaal gehörte der Chefredakteur und Verleger von der Wiener Urtext-Edition Dr. Jochen Reutter. Über 200 Originale beziehungs-weise Urtexte hat der Verlag in Prüfung mit Musikwissenschaftlern und Pädagogen bis dato erarbeitet und verlegt. Hier vom 17. bis 20. Jahrhundert. Nach seinen Worten gehören die Kompositionen von Ludwig von Beethoven zu den weltweit am meisten gefälschten Werken, wobei diese nicht in den Noten liegen sondern in der Spielweise. Das wieder entdeckte Werk von Robert Schumann „Ahnung“ hat der Verlag Wiener- Urtext-Edition in einer Auflage von 1.500 Ausgaben verlegt.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
Notenblatt Robert Schumann Stadt Überlingen
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