Weltweit erste grenzelose CSD- Parade verregnet
18. Juli 2009 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, BOULEVARD, EVENT, GESCHICHTE, KONSTANZ, KREUZLINGEN, POLITIK, PROMIS, RECHT, SOZIALES, TOURISMUS
Lilo Wanders, Ralph Morgenstern und Stefan Baier überschritten Schweizer Grenze -
Statt 10.000 Besucher kamen gerade 2000 durch Schlechtwetterprognose
KONSTANZ / KREUZ- LINGEN. fsf/ Lilo Wan- ders, deutsche Schwu- len- Ikone, Ralph Mor- genstern Talkmaster von der Trauminsel Ibiza und der Konstanzer CSD- Vorsitzende Stefan Baier überschritten als erste zu Fuß die Grenze Schweiz-Deutschland. Ein histo- risches Datum für die Schwulen- Community – sie führten die weltweit erste grenzenlose Gay- Parade über zwei Länder an. Auf den Festwagen der Schirmherr, der Konstanzer Grüne OB Horst Frank neben schwuler Prominenz. Nicht dabei der Kreuzlinger Staatammann Andreas Netzle. Er hatte es vorgezogen bei der Veranstaltung des CSD- Konstanz sowie CSD- Kreuzlingen zu kneifen. Angekündigt waren an die 10.000 Besucher. Zu Dauerregen mit Unterbrechung Sonnenschein kamen gerade 2.000 Besucher. Die Schlechtwetterprognosen hatten im Vorfeld dass schwul-lesbische Klientel abgeschreckt. Auf der Bühne im Stadtgarten OB Horst Frank: „Er hoffe, dass zum nächsten CSD in zwei Jahren schwul-lesbische Paare im Rathaus heiraten können”. Der Beifall war ihm gewiss. Durch das Programm führte Piccolettha vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz geschminkt mit Häubchen.
Im Grußwort der bekennende schwule Berliner Oberbürgermeister Klaus Woswereit:
Zum Christopher- Street- Day in Konstanz und Kreuzlingen übermittle ich unsere herzlichsten Grüße aus der deutschen Hauptstadt. Es freut mich sehr, dass es in diesem Jahr erstmals gelungen ist, einen grenzüberschreitenden CSD zu organisieren. Denn ich halte es für sehr wichtig, dass sich Schwule und Lesben überall auf der Welt als Teil einer großen Bewegung fühlen können, die sich mit vereinten Kräften für die Anerkennung gleicher Rechte engagiert.
Die zahlreichen Christopher-Street-Day-Paraden an vielen Orten weltweit leisten
dafür einen wichtigen Beitrag. Sie stehen für Toleranz, Weltoffenheit und Lebensfreude, vor allem aber für ein selbstbewusstes Werben um gesellschaftliche Respektierung und Gleichstellung in allen Lebensbereichen.
In dieser Hinsicht haben wir in den vergangenen Jahrzehnten zwar bereits eine ganze Menge erreicht, was sich auch am stetig wachsenden Erfolg der CSD-Paraden ablesen lässt. In Berlin zum Beispiel war es beim ersten CSD vor rund 30 Jahren nur eine kleine Schar von Schwulen und Lesben, die teilweise sogar vermummt über den Kurfürstendamm zog. Die Teil- nahme an einer Veranstaltung wie dem CSD war damals noch eine echte Mutprobe. Inzwischen nehmen in Berlin Hunderttausende teil.
Man kann daher sagen: Das Engagement vieler Schwuler und Lesben hat sich gelohnt. Wir haben – in Deutschland ebenso wie in der Schweiz – heute ein vergleichsweise toleranteres gesellschaftliches Klima. Hinzu kommen viele Fortschritte in Sachen Emanzipation und rechtlicher Gleichstellung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Homosexuelle im Herzen Europas ganz selbstverständlich frei von Diskriminierungen leben könnten. Deshalb bleibt es nach wir vor wichtig, sich gemeinsam für Akzeptanz und Gleichberechtigung zu engagieren.
Darum geht es auch beim CSD in Kreuzlingen und Konstanz. Mit „Grenzenlos – Liebe an allen Ufern” ist dabei ein prägnantes Motto gefunden. Es unterstreicht, dass die Anerkennung unterschiedlicher Lebensweisen eine Bereicherung für jede Gesellschaft bedeutet. Zugleich ist es ein klares Statement gegen Ausgrenzungen jeder Art und für die Freiheit, andere anders sein zu lassen.
Ich bin daher sicher: Viele Schwule und Lesben aus dem gesamten Dreilän- dereck am Bodensee werden Präsenz zeigen, um darauf aufmerksam zu machen, dass schwul-lesbisches Leben nicht an den Rand der Gesell- schaft gehört, sondern Teil von ihr ist. All das macht den grenzüber- schreitenden CDS von Konstanz und Kreuzlingen zu einem wichtigen politischen Ereignis, zu dem ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg wünsche.
Klaus Wowereit

Auf der Bühne im Stadtgarten stellte Ralph Morgenstern die Jungs in Leder sowie den Mister Gay 2009 vor. In knackiger Kluft: Mr. Ruberclub, Mr. Bavaria Leather, Mr. German Leather, Mr. Leather BW 2007 und weitere.
Auf der Bühne tanzten in Travestie die Lucky Ladies mit Frau Huber sowie andere Show-Größen und sang der schwul-lesbische Chor Konstanz.
Bilder: Fritjof Schultz-Friese
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